Schnee und Eis: Europa fröstelt im Winterwetter
Winterkälte Europa versinkt im Schnee
Berlin - Das extreme Winterwetter sorgt europaweit für erhebliche Verkehrsbehinderungen. Am Donnerstag wurden erneut zahlreiche Flüge gestrichen und Bahnstrecken gesperrt, auf den Autobahnen bildeten sich lange Staus. In Polen erfroren seit Wochenbeginn 18 Menschen, allein am Mittwoch gab es zehn Kältetote, wie ein Polizeisprecher in Warschau sagte.
Heftige Schneefälle verursachten am Morgen auf den Autobahnen und Hauptstraßen Belgiens Staus mit einer Gesamtlänge von 500 Kilometern. Nach Angaben des Touring-Automobilclubs waren vor allem im Großraum Brüssel viele wichtige Straßen nicht vollständig geräumt, andere überhaupt nicht.
In den Niederlanden wütete ein Schneesturm, hier staute sich der Verkehr landesweit auf 400 Kilometern. Medien berichteten von zahlreichen gestrichenen oder ausgefallenen Flügen in Amsterdam-Schiphol, dem größten Flughafen des Landes. Der Betrieb auf dem belgischen Flughafen Zaventem, der über drei Start- und Landebahnen verfügt, lief am Donnerstag noch, doch rechnete die Flughafengesellschaft mit Verspätungen.
25 Zentimeter Neuschnee
Schnee und Kälte wirbelten auch den Bahnfahrplan in Frankreich durcheinander. Viele Züge fielen aus, betroffen waren auch die Eurostar-Züge zwischen London und Paris beziehungsweise Brüssel. An den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle wurden zwischen 10 und 25 Prozent aller Flüge gestrichen.
Vor allem im Westen Frankreichs saßen am Morgen Hunderte Autofahrer im dichten Schneetreiben fest. In der Bretagne, wo 25 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden, war eine Hauptverkehrsachse völlig gesperrt. Betroffen war auch der Großraum Paris, wo Tausende Pendler auf vereisten Straßen nur langsam vorankamen. In der Normandie waren Hunderte Lastwagen blockiert. Viele Schulbusse verkehrten nicht.
Deutschland im Schnee: Verkehrschaos und Bilderbuchlandschaft
Nach starkem Schneefall mussten Starts und Landungen auf mehreren Flughäfen in Großbritannien, unter anderem Gatwick und Edinburgh, vorübergehend vollständig eingestellt werden. Nur die Hälfte des Schienenverkehrs lief hier nach Plan. Etwa hundert Passagiere mussten im Waggon übernachten, weil ihr Zug wegen des schlechten Wetters steckengeblieben war.
Die Bergrettung wurde zur Versorgung von eingeschneiten Autofahrern abkommandiert, einige mussten schon die zweite Nacht in Folge in ihren Fahrzeugen verbringen. Besonders hart trifft es weiter den Norden des Landes: In den schottischen Highlands fielen die Temperaturen in der Nacht auf beinahe minus 20 Grad. Für den Osten Englands erwarten Meteorologen bis zu 20 Zentimeter Neuschnee.
Allein am Mittwoch registrierten die Behörden mehr als 11.000 Verkehrsunfälle, die höchste zu dieser Jahreszeit jemals gemessene Anzahl. In der Bevölkerung macht sich Unmut über das Krisenmanagement der britischen Behörden breit; unter anderem mangele es an Informationen für steckengebliebene Reisende.
Blitzeis und Lawinengefahr
In Rumänien legte Blitzeis den Verkehr vielerorts lahm. Der internationale Flughafen in Bukarest und mehrere regionale Airports mussten wegen Eises die meisten Flüge streichen, berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax am Donnerstag. Auf spiegelglatten Straßen kam es mehrfach zu Unfällen, drei Menschen starben. Weil Eis die Schienen überzog oder Bäume auf die Gleise gefallen waren, wurde auch der Zugverkehr erheblich beeinträchtigt.
Winterliches Verkehrschaos auch vielerorts in Polen: Die Strecke A2 zwischen Berlin und Warschau war in Torzym, rund 35 Kilometer vor der deutschen Grenze, von mehreren Lastkraftwagen blockiert, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP.
In Österreich und Italien stieg nach den Schneefällen die Lawinengefahr. Meteorologen warnten vor allem für Südtirol und die Dolomiten um Belluno. Am Wochenende beginnt die Wintersportsaison. In Lagen über 2000 Meter herrscht in den Bundesländern Tirol und Kärnten große bis erhebliche Lawinengefahr der Stufe 2 bis 3 (die höchste Stufe ist 5).
In Tschechien wurde der Prager Flughafen für mehrere Stunden gesperrt. Der Flugbetrieb sei in der Nacht zu Donnerstag sechs Stunden lang eingestellt worden, rund 40 Flüge seien annulliert worden, sagte Flughafensprecherin Michaela Lagronova. Inzwischen könnten viele Maschinen jedoch wieder starten.
"Ein Anruf kann Menschenleben retten"
Die Zahl der Kältetoten in Zentraleuropa stieg auf 26. In Polen seien 18 Menschen gestorben, in Tschechien und Litauen jeweils vier, teilten am Donnerstag die jeweiligen Landesbehörden mit. Viele der Opfer hätten unter Alkoholeinfluss gestanden. Bei den polnischen Toten handele es sich größtenteils um obdachlose Männer. Die Polizei rief die Bevölkerung dazu auf, wachsam zu sein. "Ein Anruf kann ein Menschenleben retten", sagte ein Sprecher der polnischen Polizei. In manchen Regionen Polens herrschten am Donnerstag Temperaturen von minus 17 Grad Celsius, nachdem sie am Dienstag einen Tiefstand von minus 33 Grad Celsius erreicht hatten.
Auch Südeuropa wurde von der Kältefront nicht verschont. Im Osten Spaniens bereitete sich die Bevölkerung nach Warnungen des Wetterdienstes auf Schnee und Glatteis vor. Weite Teile des Nordens Portugals liegen seit Tagen unter einer Schneedecke begraben. Wegen der Verkehrsbehinderungen blieben viele Schulen geschlossen.
In Deutschland hatte der Schnee vor allem am Vormittag für Flugausfälle und zahlreiche Behinderungen im Bahn- und Autoverkehr gesorgt. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge ist vor allem in Norden und Nordosten Deutschlands noch nicht mit einer Entspannung der Lage zu rechnen. Für die Nacht zum Freitag wird verbreitet mit strengem Frost mit Tiefsttemperaturen von stellenweise minus 20 Grad Celsius gerechnet.
In den vergangenen Tagen waren in Deutschland Hunderte Flüge ausgefallen. Die Start- und Landebahnen mussten an den Flughäfen zwischenzeitlich immer wieder gesperrt werden, um Schnee und Eis zu räumen. Die Winterdienste waren im Dauereinsatz. An den Flughäfen normalisierte sich die Lage am Donnerstag leicht. Es gebe nur mehr vereinzelte Streichungen, sagte eine Sprecherin der Lufthansa.