Wintersport-Trends der Ispo - DER SPIEGEL
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Wintersporttrends der Ispo: Skier mit Loch, Kork für den Schuh

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Wintersport-Trends der Ispo Leichter, sicherer, eleganter

Skier mit Loch, Splitboards für Kinder und Kork für den Skischuh: Auf der Sportartikelmesse Ispo in München zeigen Hersteller ihre neuen Entwicklungen für den Wintersport. Wir stellen die Trends dieser Saison vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Von Skilaufen bis Joggen, von Paddeln bis Tennis - auf der weltgrößten Branchenmesse Ispo  dreht sich alles um Sportmode und -ausrüstung. Mehr als 2500 Aussteller präsentieren noch bis Mittwoch in München ihre neuen Produkte auf über 100.000 Quadratmetern.

Vor allem für den Wintersport zeichnen sich einige Trends ab - und auch unter den vier als Produkte des Jahres ausgezeichneten Neuheiten befinden sich zwei Entwicklungen für den Spaß im Schnee: eine sehr leichte Snowboard-Bindung aus Karbonstahl von Union Binding Company, die nur 1260 Gramm schwer ist. Und ein Skischuh von Dahu Sports Company, der aus zwei Teilen besteht. Der Innenschuh ist dabei straßentauglich.

Allgemein ist es schon fast Standard, dass Skischuhe individuell angefertigt oder angepasst werden. Fischer aus Österreich zum Beispiel passt sowohl Innenschuh als auch Schale an. "Es ist einfach wichtig, dass alles so nah wie möglich am Fuß sitzt", sagt Marketingmanager Severin Lehner. Atomic hat seinen Bestseller Hawx weiterentwickelt, hier wird nur der Innenschuh mit Wärme auf den Kunden eingestellt.

Bei Nordica sorgen verformbare Korkeinsätze für den passenden Sitz. Diese lassen sich ebenso wie die neuen Schuhe von K2 nicht nur einmal, sondern mehrfach verformen - zum Beispiel, wenn der Besitzer mit den ersten Anpassungen doch nicht zufrieden war und Druckstellen auftreten.

Die Hersteller für Skihelme verzeichnen einen leichten Anstieg der Nachfrage. Laut Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV) gibt es keine andere Sportart mit einer so hohen freiwilligen Tragequote. "Zu Beginn der Saison waren 75 bis 80 Prozent der Skifahrer mit Helm unterwegs, nach Michael Schumachers Unfall sind es geschätzt 85 Prozent." Die Hersteller haben allerdings auch massiv an Gewicht, Belüftung und Passform gearbeitet.

Der neueste Helm von K2, das Modell Route, zum Beispiel wiegt gerade einmal 320 Gramm - nach Angaben des Herstellers so wenig wie kein anderer. In Sachen Belüftung setzt Alpina auf einen Schornsteineffekt. Beim Fahren wird vorne Luft angesaugt und durch kleine Kanäle über den Kopf nach hinten befördert. Autocustom Fit heißt eine neue Technologie von Salomon. In Kammern befindet sich Luft, die beim Aufsetzen an den Stellen entweicht, an denen es für eine gute Passform nötig ist.

Pappelholz für die Skilatten

Skier erfahren zurzeit eine neue Leichtigkeit. "Das ist das ganz große Thema", sagte Andreas König. "Die Kunst dabei ist, Gewicht einzusparen, ohne Abstriche bei der Performance zu machen." Die Hersteller gehen dabei unterschiedliche Wege: Salomon baut in die Spitzen von etlichen Skiern eine Honigwabenkonstruktion ein, die bis zu 20 Prozent Gewichtseinsparung bringen soll. Auch Rossignol baut ins Innere der Skispitzen Löcher, Air Tip heißt die Technologie. Nachdem im vergangenen Jahr die ersten Skier damit ausgestattet wurden, findet sich die Technik mittlerweile in fast allen Pistenbrettern.

Völkl, einer der Vorreiter in Sachen Gewicht, experimentierte zuletzt mit Kohlefasern und nun mit verschiedenen Holzsorten. Während im Außenbereich hartes Buchenholz für Stabilität sorgen soll, wird in den anderen Bereichen weiches und leichtes Pappelholz verwendet. Auch Fischer setzt beim Holz an: Der durchgehende Holzkern wird speziell gefräst. Bei anderen Herstellern kommt Graphen zum Einsatz. Das Material stammt ursprünglich aus dem Bau von Tennisschlägern.

Bei den Snowboards zeigt der Trend ins Gelände. Immer mehr sogenannte Freeride-Snowboards mit hochgezogener Spitze kommen auf den Markt. Auch viele All-Mountain-Bretter sind etwas breiter und bieten so besseren Auftrieb im Tiefschnee. Sogenannte Splitboards sollen den Aufstieg im Gelände erleichtern. Dafür werden die längs durchgeschnittenen Snowboards auseinandergenommen und verwandeln sich dann in zwei Tourenski mit entsprechenden Bindungen. Auf dem Berg werden sie zusammengesteckt - voilà: ein Snowboard. Von Salomon gibt es erstmals auch drei- oder viergeteilte Bretter und von Jones Snowboards ein Splitboard für Kinder.

Nicht nur die Boards entwickeln sich weiter - sondern auch die Fahrer: In der Snowboarder-Mode gehören Gangsterlook und extrem tiefsitzende Hosen der Vergangenheit an. Die Hosen sind künftig gerader geschnitten und nicht mehr so weit. Eng anliegend an den Knien, werden sie nach unten weiter, um Platz für den Schuh zu schaffen. Die Farben in der kommenden Saison sind gedämpft: Gold, Waldgrün, Burgunderrot, Aubergine oder Indigoblau.

Auch bei der Kleidung für Skifahrer sind weniger knallige Farben angesagt: Gelb, intensives Lavendel, Grünblau sowie Rottöne sind in München in der Mode zu sehen, dazu oft auch Grau- und Brauntöne. Der Glamour-Grunge-Look mit matten und glänzenden Materialien, Nieten und Pailletten hat viele Kollektionen inspiriert. Auch rockige Biker-Designs und der Jeans-Look finden sich. Beim Schnitt der Männerkleidung liegt der Fokus auf kurzen, teilweise taillierten Jacken. Für Damen gibt es laut dem Messeveranstalter eine große Auswahl an beinah hautengen Outfits.

abl/dpa