Zollkontrollen: Würste im Visier - DER SPIEGEL
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Zollkontrollen Würste im Visier

Die Angst vor der Maul- und Klauenseuche macht auch vor britischen Touristen nicht halt: An deutschen Flughäfen müssen sich Reisende - ähnlich wie auf US-Airports - auf Wurstkontrollen einstellen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt/Main - Die Milchflasche kommt nicht durch den Zoll. Das nur mit Salatblättern und Tomatenscheiben belegte Brot dagegen lässt Matthias Engel passieren. Höflich, aber bestimmt informiert der Zollbeamte am Frankfurter Flughafen Adele Smith, eine junge Bankerin aus der Nähe von Cambridge, über die neuen Bestimmungen. Mit allen Mitteln wird versucht, sich vor einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Deutschland zu schützen.

Wer aus Großbritannien kommend in Frankfurt landet, muss seit Freitag mit schärferen Zollkontrollen rechnen. Unter das Einfuhrverbot fallen sämtliche Fleisch- und Milchprodukte. Daneben müssen die Zollbeamten auch Mitbringsel wie Jagdtrophäen und Felle beschlagnahmen. "Feste Regeln für die Kontrolle der Passagiere gibt aber es nicht", sagt Engel. Nur rund jedem Dritten von hundert Passagieren stellt er die Frage: "Haben Sie Lebensmittel in Ihrem Gepäck?"

Die Milchflasche von Adele Smith ist das erste Nahrungsmittel, das Engel einbehält. "Zusammen mit den Fleischabfällen des Flughafens wird sie verbrannt", erklärt er. Gefährliche Rückstände seien so vollkommen ausgeschlossen. Auch alles, was die Passagiere während eines Fluges nicht verzehrt hätten, wandere in die Müllverbrennung. "Lebensmittel, die an Bord waren, müssen genau wie übrig gebliebene Nahrungsmittel aus Krankenhäusern vernichtet werden", sagt Ines Blazek, Pressesprecherin beim Hauptzollamt des Frankfurter Flughafens.

Viele der britischen Passagiere sind von den Kontrollen völlig überrascht. Zöllner, die nach Lebensmitteln fahnden - das gab es doch bislang nur auf amerikanischen Flughäfen? Der Geschäftsreisende aus Birmingham muss lachen. Er warte auf seinen Koffer, sagt er, nicht auf deutsche Beamte, die das Gepäck nach belegten Broten durchwühlten. Adele Smith hörte zum ersten Mal davon, dass es verboten ist, Lebensmittel tierischer Herkunft von England nach Deutschland einzuführen. "Sonst hätte ich doch wohl kaum diese Milchflasche dabei gehabt."

Flughafendurchsagen und Informationsblätter

Um die Fluggäste für das Problem Maul- und Klauenseuche zu sensibilisieren, erstellte das hessische Sozialministerium Informationsblätter in deutscher und englischer Sprache. Nach Angaben des Ministeriums werden zudem in den Ankunftsbereichen der Terminals Hinweisschilder angebracht. Regelmäßige Durchsagen der Flughafengesellschaft machen ebenfalls auf die neuen Bestimmungen aufmerksam.

Die letzte Aktion dieser Art führten die Frankfurter Zöllner erst im Sommer vergangenen Jahres durch, als die Maul- und Klauenseuche in Griechenland ausgebrochen war, erinnert sich Blazek. Vor rund drei Jahren meldete die Türkei den Ausbruch der Viruskrankheit. "Da hatten wir richtige Probleme, denn Passagiere aus der Türkei bringen meist viele Lebensmittel aus ihrer Heimat mit, die sie nur sehr ungern abgeben wollten."

In Frankfurt landen täglich 60 bis 70 Flugzeuge aus Großbritannien. Passagiere aus England gehen zusammen mit Fluggästen aus anderen Ländern durch den Zoll. "Ich versuche zwar, die Leute aus England durch einen Blick auf den Gepäck-Anhänger zu identifizieren, doch das klappt nicht immer", sagt Engel. So manches Schinken-Sandwich dürfte daher unbemerkt in Deutschland landen.

Daniela Schröder, AP