Kloster Weingarten Ende einer 1000-jährigen Geschichte
Kloster Weingarten: Die Barockbasilika ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit
Foto: Patrick Seeger/ dpaWeingarten - Nach fast 1000 Jahren geht die Geschichte des Benediktinerklosters in Weingarten (Baden-Württemberg) zu Ende. In der Abtei, die für die Heiligblut-Reliquie und den so genannten Blutritt europaweit bekannt ist, leben nur noch drei Mönche. Am 7. Oktober werden die letzten Benediktiner verabschiedet.
Markus Ewald, der Oberbürgermeister im oberschwäbischen Weingarten, nennt das Kloster "das Herz der Stadt". Ihm verdanke Weingarten seine Existenz. Bis auf wenige Unterbrechungen, etwa durch die Säkularisierung, haben über mehr als 950 Jahre hinweg Mönche in dem Kloster gelebt und "zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Wohlstand der Stadt beigetragen", sagt Ewald.
Vom Allgäu bis zum Bodensee erstreckten sich die ausgedehnten Besitzungen Weingartens. Vor allem durch seine Weingüter und Wälder wurde das Kloster zu einem der reichsten in ganz Süddeutschland. Berühmt sind die 1724 geweihte Barockbasilika auf dem Martinsberg und der Blutritt. Die größte Reiterprozession Europas zieht alljährlich an die 30.000 Pilger und 3000 Reiter an. Verehrt wird das Heiligblut, eine Reliquie, die der Legende nach mit dem Blut Christi getränkte Erde enthält.
Die Ordensgemeinschaft, kritisiert der Heimatkundler Jürgen Hohl, habe diesen Schatz nicht mehr ausreichend gewürdigt. Sichtbar wurde der Niedergang, als 1982 Abt Lukas Weichenrieder die Leitung des Klosters übernahm. 23 Mönche, die teils bis zu 20 Jahre im Kloster gelebt hatten, schieden während der Amtszeit Weichenrieders aus. In der Stadt wird gemunkelt, der Abt habe ein "Regiment der Kälte" geführt. Als Weichenrieder 2004 zurücktrat, war es für eine Rettung zu spät. Die Mönche zogen sich mehr und mehr zurück, traten in der Öffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung.
Der Tourismus geht weiter
Nach Angaben von Weingartens Pressesprecher Rainer Beck hatte die Stadt mannigfache Hilfestellung angeboten; im Jahr 2000 etwa wurden die ersten gemeinsamen Klosterfestspiele veranstaltet. Doch es half nichts mehr. Es fehlte auch an Nachwuchs, der älteste Mönch ist 98 Jahre alt. "Das war nicht mehr zukunftsfähig", sagt der Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Thomas Maria Renz.
Diözesanbischof Gebhard Fürst ist es nach Angaben seines Sprechers Thomas Broch ein besonderes Anliegen, dass sich nach dem Auszug der letzten Mönche klösterliches Leben in Weingarten fortsetzt. Dass es allerdings einen nahtlosen Übergang geben werde, sei ein Wunschgedanke. Vorsorglich ist die katholische Kirche Mieter der Klosteranlage geworden. Damit sei sichergestellt, dass das Weingartener Kloster ein Ort der Seelsorge und des geistlichen Lebens bleiben könne. Teile der Klosteranlage werden seit vielen Jahren von der Akademie der Diözese sowie von der Pädagogischen Hochschule Weingarten genutzt.
Rein äußerlich wird sich nach der Schließung des Klosters nach Einschätzung von Stadtsprecher Beck nichts ändern. Die Touristen kämen nicht wegen der Mönche, sondern wegen der Basilika und der Heiligblut-Reliquie. Letztere, sagt Beck, gehöre nicht dem Benediktinerorden, sondern der Kirchengemeinde und werde deshalb bleiben. Auch die Attraktivität des Blutritts werde nicht leiden und die Klosterfestspiele würden fortgesetzt. Ein letztes Mal wird am diesjährigen Blutritt (14. Mai) mit Pater Pirmin Meyer ein Benediktinermönch die Heiligblut-Reliquie tragen. Er hatte schon drei Mal als Blutreiter fungiert. Danach allerdings, sagt Beck, müssten sich die Blutreiter einen neuen Reliquienträger suchen und schließt nicht aus, dass der Pfarrer der Gemeinde St. Martin bald Reitstunden nehmen muss.