Neues Konzept der Bahn Warte, Welt, jetzt tut sich was
Wartewelt München: Hell, freundlich, sauber
Foto: Deutsche BahnEs gibt Spötter, die halten die Fähigkeit der Deutschen Bahn, Menschen auf etwas warten zu lassen, für deren Kernkompetenz. Doch Scherz beiseite: Im so filigranen wie komplizierten Netzwerk des Bahntransports sind Verspätungen - bei allen Verbesserungsmöglichkeiten - wohl nie völlig auszuschließen. Bahnhöfe sind Warteorte. Und ob sie neu sind oder uralt, das Warten dort ist sehr, sehr selten schön oder angenehm.
Denn bisher behält die Bahn ihre komfortableren Wartezonen ("Lounges") privilegierten Kunden vor. Der Rest darf am Gleisrand lungern oder in zugigen Hallen Schutz suchen. Wohl dem, der dann zumindest am Großstadtbahnhof einen freundlichen Döner-Mann oder eine nette Bedienung im kühlen, weitgehend gestaltungsfreien Café findet.
Anders als bei Flughäfen oder Autobahnraststätten haben die modernen Trends zu mehr Komfort, Design, Gastronomiequalität und Service einen weiten Bogen um die meisten Bahnhöfe gemacht. Bahnfahrer sind schon froh, dass die Sanitärstandards heute hier und da besser sind als früher. Niemand erwartet Service, Gemütlichkeit oder gar eine angenehm verbrachte Wartezeit.
Qualitätsoffensive "Zukunft Bahn": Neu, besser, komfortabler?
Das würde die Deutsche Bahn gern ändern. Am Münchner Hauptbahnhof würden ab sofort "innovative Wartewelten" getestet, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Unternehmens. Hauptbestandteil der Innovationen: Es wird auf Kundenbedürfnisse eingegangen.
"Wartewelt" am Münchner Hauptbahnhof
Foto: Deutsche BahnDie drei Konzepte, die dabei umgesetzt werden sollen, basierten auf Ergebnissen einer Kundenbefragung. Was dort angeboten wird, ist letztlich eine strukturierte Neugestaltung eines klassischen Wartebereiches. Muff raus, Design rein - fertig ist die Wartewelt?
Ein bisschen mehr haben sich die Bahner schon dabei gedacht: Die Münchener Wartewelt wird in drei Zonen unterteilt, die unterschiedliche Bedürfnisse ansprechen und befriedigen sollen.
- Es gibt einen Bereich für Kinder, der Spielmöglichkeiten einschließlich eines "Holz-ICE" bereithält.
- Die Raummitte nimmt die Gastronomie "Brotzeit" ein, die Snacks mit einem Schwerpunkt auf frischen und regionalen Produkten anbieten soll.
- Am dem Kinderbereich entgegengesetzten Ende des Raums liegt der Bereich "grünes Warten" mit einer "vertikalen Wand aus echtem Moos". Diese soll den Kohlendioxidgehalt in der Luft senken und "für eine entspannte Atmosphäre" sorgen.
Marktforschung: Umgesetzt wird angeblich nur, was gefällt
Foto: Deutsche BahnVor allem aber gibt all das dem Wartebereich ein helleres, freundlicheres Gesicht, als man das bisher meist gewohnt ist. Wie im Wartebereich eines Flughafens informiert in der Münchner "Wartewelt" eine Anzeigetafel über die Bewegungen an den Gleisen - verpassen soll seinen Zug ja niemand.
Das alles, sagt eine Bahn-Sprecherin SPIEGEL ONLINE, sei ernst gemeinte Marktforschung: Die Bahn wolle herausfinden, wie gut welche Angebote angenommen werden und welche nicht. Dazu gibt es in den verschiedenen Wartebereichen kleine Terminals, mit denen man den jeweiligen Bereich bewerten kann - die Wartewelt ist Marktforschung im laufenden Betrieb.
Ansehen und nutzen kann man den neuen Aufenthaltsbereich ab sofort täglich von 7 bis 21 Uhr - und er ist anders als bisherige Lounges für alle Reisende und Besucher geöffnet. Getestet werden die Konzepte zunächst bis März 2017. Im Anschluss, heißt es bei der Bahn, sollen "die Wartekonzepte mit der größten Resonanz bundesweit in die Aufenthaltsbereiche der Bahnhöfe integriert werden". Das alles ist Teil des internen Verbesserungsprogramms "Zukunft Bahn".
Abwarten, was draus wird.