Passau: Das weltweit erste Dackelmuseum eröffnet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Passau: Ein Denkmal für den Dackel

Foto: Armin Weigel/ dpa

Dackelmuseum in Passau Auf den Hund gekommen

Das Gejaule in Passau ist groß: Das neue Dackelmuseum in bester Citylage spaltet die Stadt - und animiert zu kuriosen Geschäftsideen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was für ein kulturloser Unsinn, knurren die einen. Eine echte Bereicherung für die Stadt, bellen die anderen zurück. In Passau erhitzt eine neue Attraktion die Gemüter: das Dackelmuseum, das am Ostermontag in prominenter Innenstadtlage seine Türen öffnet.

An der gläsernen Eingangstür am Residenzplatz direkt am Dom bleiben schon jetzt Passanten stehen und versuchen, einen Blick ins Innere zu erhaschen. Auch die Geschäfte in der Nähe haben sich auf Dackelfreunde eingestellt. Beim Konditor gibt es Dackelpralinen, beim Italiener wird Dackelpizza - belegt mit Würstchen - serviert. Und die Museumsinitiatoren, Josef Küblbeck und Oliver Storz, können sich vor Anfragen kaum retten.

Hunderte Exponate hat das stadtbekannte Paar im Laufe der Jahrzehnte aus Antiquariaten und von Flohmärkten zusammengetragen: Dackel aus Porzellan und Zinn, Dackel in Form von Flaschenöffnern, Christbaumschmuck, Stiften und Fußabstreifern. Gemälde, Postkarten, Bierdeckel und ein Nachdruck von Picassos berühmter Dackel-Skizze zählen ebenfalls zu den schlappohrigen Exponaten. Auch der Wackeldackel hat einen Ehrenplatz in den Vitrinen, und das bunt gestreifte Olympiamaskottchen "Waldi" von 1972. Ein Dackelfan aus Belgien vermachte den Niederbayern sogar seinen gesamten Fundus.

Lautes Aufjaulen

Dass Dackel höchst ausstellungswürdig sind und ihnen ein Denkmal gesetzt gehört, daran lassen Küblbeck, 54, und Storz, 46, keinen Zweifel: "Dackel sind schlitzohrig, gemütlich, gesellig, schnell, intelligent, ausdauernd, anhänglich, treu, liebevoll und ergeben. Und auf der ganzen Welt bekannt", sagt Küblbeck. Im Barock sei der Dackel in Mode gekommen, gerade beim Adel, sagt Storz. Und auch Prominente nahmen ihn gerne an die Leine: Liz Taylor, Albert Einstein, Romy Schneider - sie alle waren stolze Dackelbesitzer.

Fotostrecke

Passau: Ein Denkmal für den Dackel

Foto: Armin Weigel/ dpa

Küblbeck und Storz halten sich ebenfalls zwei Exemplare: Seppi und Moni jagen schon jetzt in den Museumsräumen einer Leberkässemmel aus Plastik hinterher, während ihre Herrchen der Eröffnung entgegenfiebern.

Passaus neue Attraktion - einige lässt sie laut aufjaulen: Dass Museum sei Unsinn und habe mit Kultur nichts zu tun, klagen Museumsgegner. Die schärfste Kritik kam von Egon Greipl, dem früheren bayerischen Generalkonservator. Er beklagte jüngst in Interviews, dass Passau zur Kulisse verkomme. Es gebe zu viele Souvenirläden, die Stadt habe keinen Metzger mehr, aber ein Dackelmuseum.

Küblbeck und Storz nehmen alle Kritik gelassen. Für sie sind Dackel ideale Repräsentanten bayerischer Gemütlichkeit und typisch deutsch. Sie glauben, dass das Museum Passau bereichert. Die Stadt kennen die beiden gut. Bis im vergangenen Jahr betrieben die beiden Floristikmeister in der Innenstand ein beliebtes Blumengeschäft. Vor drei Jahren eröffneten sie einen Souvenirladen. Und nun das Dackelmuseum. "Ein Unikum", sagt Küblbeck.

Immerhin: Dem Museum wurde höchster Segen erteilt. Hausbesitzer ist eine Stiftung im Bistum. Und auch weltliche Stellen freuen sich auf die Neueröffnung: Aus touristischer Sicht sei das Museum eine Bereicherung, findet Pia Olligschläger vom Tourismusamt. Passau sei schließlich weltoffen und humorvoll. Dackel haben künftig übrigens freien Eintritt.

Ute Wessels, dpa/ele