Segelflug-Blog: Erste Flugstunden - DER SPIEGEL
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Über den Wolken Ein Gefühl wie auf der Kirmes

Schulungsdoppelsitzer KA7: Die Ruhe vor dem Start
Schulungsdoppelsitzer KA7: Die Ruhe vor dem Start

Schulungsdoppelsitzer KA7: Die Ruhe vor dem Start

Foto: Michail Hengstenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am heftigsten ist die Beschleunigung. Wenn der Windenfahrer Gas gibt und das Segelflugzeug fast senkrecht in den Himmel schießt, fühlt es sich an, als ob der Magen nach hinten weglaufen will und das Blut aus dem Gehirn entweicht. Das Herz rast.

Erst wenn in rund 400 Metern Höhe das Seil ausklinkt und der Flieger schlagartig ein paar Meter durchsackt, kommt alles wieder an seinen Platz. Kehrt Ruhe ein.

Ich bin gestern, an meinem ersten Schulungstag, fünfmal geflogen. Bei den ersten beiden Starts fühlte ich mich wie in einem Fahrgeschäft auf der Kirmes. Und zwar in einem von den richtig brutalen. Wo man es bereut, sich reingetraut zu haben.

Mit der Zeit lässt das nach. Beim vierten Flug war ich schon in der Lage, die Startgeschwindigkeit auf dem Fahrtenmesser vor mir zu überwachen. Überhaupt scheint Gewöhnung der Schlüssel zum Erfolg zu sein bei der Ausbildung zum Segelflugpiloten.

Anfangs ist die Flut an Informationen, Reizen, Dingen, die man beachten muss, schier überwältigend. Ich habe mich nicht frei gefühlt wie ein Vogel, sondern so, wie ich denke, dass sich ein Manager fühlt, der in seinem Betrieb ein Dutzend Brandherde gleichzeitig löschen muss. Und das, obwohl mich mein Lehrer sehr behutsam an die einzelnen Ruderfunktionen herangeführt hat.

Höhenruder, Querruder, Seitenruder gleichzeitig, harmonisch und sinnrichtig zu bedienen, aufzupassen, dass man die Flugzeugnase nicht zu hoch nimmt und dann zu langsam wird oder in der Kurve nicht immer mehr Schräglage bekommt: Es dauert wohl eine Weile, bis das alles in Fleisch und Blut übergeht. Und man auch mal entspannt aus dem Fenster gucken kann und überhaupt wahrnimmt, dass man mehrere hundert Meter über dem Boden schwebt.

Gestern habe ich das vor allem bei den Landungen gemerkt. Auf das Landefeld zuzufliegen, die Bremsklappen auf der Flügeloberseite und Unterseite herauszufahren, zu fühlen, wie das Flugzeug plötzlich erzittert unter der Last der Bremswirkung und steiler sinkt, dann, kurz vor dem Boden, mit dem Höhenruder abzufangen und dicht über dem Boden auszuschweben - das ist einfach herrlich.

Bei aller Gewöhnung, die man wohl braucht zum Fliegen: Ich hoffe, dass ich mich an dieses Gefühl nie gewöhne - es ist einfach zu schön.