Segelflug-Blog - Im Einsitzer Discus über der Elbe - DER SPIEGEL
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Segelflug-Blog Wie Ikarus über der Elbe

Flug über der Elbe: Überall ist Thermik
Flug über der Elbe: Überall ist Thermik

Flug über der Elbe: Überall ist Thermik

Foto: Falk Cent
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich bin ja noch etwas schuldig: zu erzählen, wie es sich im Einsitzer fliegt. Denn das mache ich nun schon etwas länger. Und kürzlich hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis.

Mein allererster Flug in einem Einsitzer war an einer unglücklichen Verkettung widriger Umstände gescheitert. Zwei Wochen später aber war es so weit. An einem wunderschönen Tag startete ich zum ersten Mal mit der DG-300 - und blieb gleich 45 Minuten in der Luft.

Natürlich war ich aufgeregt. So aufgeregt, dass ich rund zehn Minuten lang mit ausgefahrenem Fahrwerk flog und erst nach einer Weile merkte, dass es so seltsam laut war im Flieger. Aber gleichzeitig fühlte ich mich sofort vertraut, mehr eins mit dem Flieger.

Das Cockpit ist enger und kleiner, wie eine zweite Haut legt sich die Bordwand um den Körper. Der Einsitzer ist zudem viel wendiger und agiler als der gutmütige und schwerfällige Doppelsitzer. Vor allem aber ist es ein Detail, das mich sofort fasziniert hat: der Blick hinaus auf die Flügel.

In den Schulungsmaschinen sitzt man weit vor der Tragfläche und damit etwas distanziert vom Rest des Flugzeugs. Wenn man hingegen im Einsitzer den Kopf nach rechts oder links wendet und aus dem Fenster schaut, geht der Blick an den sich im Wind biegenden Tragflächen entlang ins Blau des Himmels. Es sieht aus, als würden einem die Tragflächen aus den Schultern wachsen. Als wäre man ein gigantischer, weißer Vogel, der sachte mit den Flügeln schlägt.

Von Wolke zu Wolke hangeln

Neulich hatte ich einen ganz besonderen Ikarus-Moment. Es war ein Tag, an dem eigentlich nur Blauthermik vorausgesagt war, der sich dann aber gegen Mittag überraschend prächtig entwickelte. Plötzlich war der Himmel voll von Aufwind versprechenden Cumulus-Wolken.

Und so wagte ich mich in unserem Discus zum ersten Mal weiter weg vom Flugplatz. Gegen den Wind flog ich vor in Richtung Elbe. Hangelte mich von Wolke zu Wolke, den Höhenmesser und die Entfernung zum Flugplatz stets im Blick, um sicherzugehen, dass ich jederzeit wieder sicher zurückkommen würde.

Und dann war ich da. Unter mir lagen die Deiche des Elbsaums, über mir zogen die fetten Cumuli aus dem Süden über den Strom. Immer wieder flog ich das Elbufer entlang ein Stück in Richtung Meer und wieder zurück, weil überall Thermik war und ich keine Höhe verlor.

Ich fühlte mich wie ein Jungtier, das neugierig am Rand seines Geheges entlangläuft und einen Blick in die Freiheit erhascht. Irgendwann werde ich an einem Tag wie diesem der Wolkenstraße folgend die Elbe überqueren. Ich werde mit den weißen Schwingen, die aus meinen Schultern wachsen, auf die Reise gehen. Frei wie ein Vogel - ich habe jetzt eine Ahnung, wie sich das anfühlt.