Biosphärenreservate: So schön ist Deutschland
Urlaubsziel Biosphäre Wald, Land, Fluss
Der Tourismus hat schon so manches Naturparadies zerstört oder zumindest arg beschädigt. Menschenmassen und Hotelklötze sind mit attraktiven Landschaften kaum vereinbar. Doch es geht auch anders. Denn manchmal hilft der Mensch der Natur sogar, sich zu entfalten und sich zu einer Kulturlandschaft zu entwickeln. Genau das soll in den Biosphärenreservaten der Unesco passieren. Davon gibt es gleich 15 in Deutschland - vom Wattenmeer bis zum Berchtesgadener Land.
Seit 40 Jahren versucht das Unesco-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB), die Nutzung und die Erhaltung der Ressourcen in den jeweiligen Regionen zu verbinden. Um von der Unesco als Biosphärenreservat eingestuft zu werden, müssen die Gebiete bestimmte Kriterien erfüllen, die alle zehn Jahren überprüft werden. "Dazu gehört etwa die Einrichtung der drei verschiedenen Zonen, also der Kernzone, der Pflegezone und der Entwicklungszone", erklärt Martin Waldhausen, Vorsitzender des deutschen MAB-Nationalkomitees im Bundesumweltministerium. Außerdem müsse es vor Ort ein Informationszentrum für Besucher geben.
Die Schutzgebiete sind nicht zuletzt wegen ihrer reizvollen Landschaft beliebte Urlaubsziele. Sie werden als Kulturlandschaften bis heute wirtschaftlich genutzt. Schließlich lässt sich auch mit Natur Geld verdienen - etwa durch Tourismus. Aber auch durch Landwirtschaft - wie in der Rhön, dem 1850 Quadratkilometer großen Biosphärenreservat im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Thüringen. "Da gibt es viele freie Flächen mit sogenanntem Magerrasen, weil der Boden so nährstoffarm ist", erklärt Waldhausen. Sich selbst überlassen würde die Landschaft wieder zuwachsen. Um Insekten, Vögeln und Pflanzen einen Lebensraum zu bieten und so die große Artenvielfalt zu erhalten, lässt man sie regelmäßig von Schafen beweiden.
Wegen der weiten Auslicke vor allem in der Hohen Rhön haben Touristiker der Region den Namen Land der offenen Fernen gegeben. Dort kann man wandern, reiten, Fahrrad fahren, Wintersport betreiben oder einfach nur die Natur genießen. "Die Biosphärenreservate arbeiten mit externen Dienstleistern zusammen, also Hotels, Wanderführern, Restaurants oder Wattführern, die sich alle dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet haben", erläutert Vivian Kreft von Europarc Deutschland, dem Dachverband der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks.
Wälder in allen Variationen
Die Weite des Landes zeichnet auch das deutsche Wattenmeer aus, wo es gleich drei Biosphärenreservate gibt: das Hamburgische, das Niedersächsische und Schleswig-Holsteinische samt der Halligen. An der deutschen Nordseeküste gibt es in diesem besonderen Fall gleichzeitig auch Nationalparks. Das Schleswig-Holsteinische und Niedersächsische wurden außerdem zusammen mit dem niederländischen Wattenmeer 2009 von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt.
Im Hamburgischen Wattenmeer liegt die kleine und autofreie Insel Neuwerk, die man bei Ebbe mit einer Kutsche von Cuxhaven in nur einer Stunde erreichen kann. Die Überfahrt mit einem Schiff dauert schon eineinhalb Stunden, ist aber nicht weniger reizvoll. Das gilt genauso für die ost- und nordfriesischen Inseln von Borkum bis Sylt.
Fast am anderen Ende der Republik liegt die Schwäbische Alb. Über Jahrhunderte vom menschlichen Wirtschaften geprägt, bietet sie Natursehenswürdigkeiten wie Wacholderheide, Buchenwäldern, sonnige Wiesenwege und Heidelandschaft.
Herzstück des 850 Quadratkilometer großen Biosphärenreservats ist der 2005 aufgegebene Truppenübungsplatz Münsingen, mit knapp 70 Quadratkilometern einer der größten unzerschnittenen Flächen Baden-Württembergs. Als einzigartig gelten die Hangbuchenwälder am Albtrauf, die Schlucht- und Blockwälder sowie die Steppenheidewälder an den Steilhängen des zergliederten Albtraufs mit seinen Tälern und den Donau-Seitentälern.
Und so bietet jedes der 15 Biosphärenreservate sein ganz eigenes Natur- und auch Kulturerlebnis. Gemeinsam ist ihnen, dass die reizvollen Urlaubsziele oft direkt vor der Tür warten. "Viele Menschen reisen extra in die USA zu den Nationalparks", sagt Europarc-Sprecherin Kreft. "Dabei haben wir selbst welche in unmittelbarer Nähe, die ein sagenhaftes Naturschauspiel bieten."