Wanderung: 24 Stunden von Bayern - DER SPIEGEL
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Langzeit-Wanderung: 24 Stunden, 70 Kilometer

Foto: dapd

24-Stunden-Wanderung Wer schläft, verliert

Volkslauf über 70 Kilometer: Die "24 Stunden von Bayern" sind für Wanderer eine echte Herausforderung - und ein harter Kampf gegen den immer wieder verlockenden Schlaf. Doch trotz der Strapazen übertraf die Zahl der Anmeldungen die Kapazität um ein Vielfaches.
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Inzell - Als die letzten müden Wanderer am frühen Sonntagmorgen nach 24 Stunden ins Ziel wankten, dröhnte der Song "Highway to Hell" aus den Lautsprechern vor der Eislaufarena im oberbayerischen Inzell. Für viele war es tatsächlich ein Trip zwischen Hölle und Himmel gewesen, aber allen stand nach den "24 Stunden von Bayern" auch ein Stück Stolz ins Gesicht geschrieben. Und die Genugtuung, die gut 70 Kilometer Dauerwandern an einem sonnigen Tag und in der kühlen Nacht mit Stirnlampe bewältigt zu haben.

"Keine Frage - es war eine Erfahrung. Und ich habe mich überwunden", sagte Wolfgang aus Schwäbisch Hall mit tiefen Ringen unter den Augen: "Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich das noch mal brauche." So dachten wohl viele, die es ins Ziel geschafft hatten, viele hatten Blasen an den Füßen. Nach dem Zieleinlauf saßen sie auf langen Bänken und gönnten sich ein Weißbier als Belohnung. "Morgen werde ich wahrscheinlich begreifen, was ich da geschafft habe, aber jetzt bin ich einfach nur müde. Zwischen vier und fünf Uhr morgens bin ich beim Laufen fast eingeschlafen", berichtete Sabrina aus der Nähe von Bad Steben.

Dort im kleinen Örtchen im Frankenwald hatte im vergangenen Jahr die beliebte Veranstaltung für Extremwanderer aus Deutschland und ganz Europa stattgefunden. Die junge Frau hatte damals nicht teilnehmen können, weil die Teilnahmekarten binnen sechs Minuten im Internet vergriffen waren.

Diesmal, für die vierte Auflage der "24 Stunden von Bayern", waren aus etwa 1500 Anmeldungen 444 Teilnehmer gelost worden. "Ich habe bei Facebook gesehen, dass es schon über 1000 Voranmeldungen gibt und dachte, dass ich sowieso wieder nicht dabei bin", erzählte Sabrina. Dann klappte es doch. Und mit ihr war auch William dabei, ein Freund mit Vollbart aus England, der nach der Wanderung vor Erschöpfung kaum mehr reden mochte.

Start mit Musikkapelle

Die Strecken waren nämlich bei der ersten Austragung in den Alpen so anspruchsvoll wie noch nie. Als der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl die bunt gemischte Schar am Samstagmorgen mit den Worten "Das ist ein Tag zum Helden zeugen" auf den Weg schickte, waren die Mienen noch fröhlich. Wie an der Perlenschnur aufgereiht, folgten die Wanderer aus Deutschland und ganz Europa der Musikkapelle von Inzell. Später auf dem schmalen Aufstieg auf die Kohleralm glich das Ganze eher einem Almauftrieb.

"Das ist ja kein Wandern, das ist Bergsteigen. Ich bin ja schon über 60", schnaufte Jochen aus München im Stau der Wanderer. Doch der grandiose Ausblick nach einem Aufstieg von fast 800 Höhenmetern entschädigte für alles. Ein grüne Almwiese mit Kühen, darüber der strahlend blaue Himmel und im Hintergrund der schneegekrönte Gipfel des Watzmann. An der Kohleralm war eine von insgesamt 30 Raststationen auf dem langen Weg ins Ziel, bei denen von einer deftigen Brotzeit mit Holunderblütenschorle über Musik bis zum Melken einiges geboten wurde.

Selbst die Bundeswehr half bei der Organisation des Wanderevents mit. Sei es mit der Feldküche für die Nudeln zum Mittag oder mit Maultieren, um einen verletzten Teilnehmer mit Bänderriss ins Tal zu bringen. Nach zehn Stunden hatten fast alle die 30 Kilometer lange Etappe bewältigt. Es ging auf die zweite Tour über 15 Kilometer in der Dämmerung ins Moor. Die Sonne ging rot über den Gipfeln unter, die Flammen knisterten am Sonnenwendfeuer. Die Kraft ließ nach, doch vor Mitternacht nahmen die meisten noch die Nachtstrecke über 24 Kilometer in Angriff - noch einmal mit stolzen 900 Höhenmetern.

"Das war noch mal richtig hart", berichteten Dieter und Christine aus Nürnberg: "Wir waren einige der wenigen, die noch gelaufen sind. Die meisten sind humpelnd, torkelnd und stolpernd ins Ziel gekommen." Die Muskeln und Knien schmerzten bei vielen genauso wie der übermüdete Kopf. Offiziell wurden 25 Blessuren gezählt, zwei Teilnehmern musste die Bergwacht helfen. Als aber im Ziel mit Füssen der Austragungsort für die fünften "24 Stunden von Bayern" im Jahr 2013 verkündet wurde, gab es donnernden Beifall. Viele werden auch 2013 beim Trip zwischen Himmel und Hölle wieder dabei sein.

Lars Becker/dapd/sto

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