Zehnmal Deutschland Schlamm drüber
Von Kopf bis Fuß ist der Mann mit Elbschlick bedeckt, nur die Augen blinzeln fröhlich zwischen dem Grau der Ganzkörpermaske hervor: So sieht der typische Teilnehmer der Brunsbütteler "Wattolümpiade" nach wenigen Sekunden Spielzeit aus.
Denn egal ob beim Fischtennis, Aal-Staffellauf oder Wattfußball, eigentlich ist das Ziel immer das Gleiche: sich so richtig einzusauen. "Man wird eins mit dem Watt, man passt sich symbiotisch der Umgebung an", beschreibt Veranstalter Michael Behrendt den Reiz der Schlammschlacht am Meer. Schon zum sechsten Mal findet das erfolgreiche Event in diesem Jahr statt, Teams wie "Die tighten mopsgedackelten Watthunde", der "FC SchlammAssel" oder "Hannchens Wattmatscher" mussten sich Monate im Voraus , um auch diesmal wieder dabeizusein.
Nur 32 Teams dürfen mitmachen, für mehr wäre nicht genug Zeit, da mit der Flut am Nachmittag der Platz unbespielbar wird. So richtig bespielbar ist der Platz genaugenommen den ganzen Tag nicht. "Die Mitspieler sinken bis zu den Knien ein im Elbschlick, das macht einen grazilen Sport nicht mehr möglich", gibt Behrendt zu. Hauptberuflich ist er Redakteur bei der "Brunsbütteler Zeitung", wie sämtliche Organisatoren und Helfer ist er für das Festival ehrenamtlich tätig.
Die Idee zu dem Event, das inzwischen bis ins Ausland bekannt ist, entstand durch einen Unfall. Als ihr Boot bei Ebbe im Watt steckenblieb, vertrieben sich ein paar Matrosen die Wartezeit auf den Tidenhub mit einem Fußball. Die Partie war weder ein ästhetisches noch ein besonders sauberes Vergnügen, machte jedoch riesigen Spaß. Heute zieht die daraus entstandene "Wattolümpiade" um die 6000 Zuschauer jährlich an.
Fahrradschlauch mit Aalgeruch
Potential für eine Erweiterung des Programms sieht Behrendt reichlich: "Alle Sportarten, die man an Land macht, kann man auch auf dem Watt spielen. Da sieht das dann nur viel bescheuerter aus." Viele Sportler unterschätzten zunächst die Platzverhältnisse und kämen mit falscher Ausrüstung. "Gummistiefel gehen gar nicht, die saugen sich sofort fest", sagt Behrendt. Bewährt hätten sich alte Turnschuhe, die mit Klebeband so fest wie möglich am Fuß befestigt werden. "Das sagen wir den Leuten aber nicht, weil es ja immer schön ist, wenn sie aufs Maul fliegen - sie fallen ja weich!"
Eine der populärsten Sportarten des Wettbewerbs ist der Aal-Staffellauf. Dabei kommen Fahrradschläuche als Meerestierersatz zum Einsatz, die mit Reis gefüllt werden und durch eingeschaltete Vibratoren zum Leben erweckt werden. "Eigentlich wollten wir echte Aale verwenden, aber nach einem Anruf bei Greenpeace haben wir uns dagegen entschieden", sagt Behrendt. Jetzt sei immerhin der Geruch authentisch. Der örtliche Fischhändler sammelt schon Tage vor Festivalbeginn Reste, um den Schlauch mit einem Fischsud zu imprägnieren. "Der Geruch ist absolut echt, da ist man froh, wenn man das Ding an den Mitspieler weitergegeben hat."
Er hat wenig Bedenken, dass bei dem Gestampfe und Getrample der Mannschaften die Umwelt leidet. "Das Watt ist schon tot" - sobald die Flut kommt, seien kaum noch Spuren vom Wettkampf zu sehen. "Ich denke, da schwimmen viel schlimmere Dinge in der Elbe als der eine oder andere Schuh, der bei uns mal verloren geht."
Wattolümpiade , 30. August 2009, Brunsbüttel.
Weltmeisterschaft der Bartträger
Ist es ein "Kinnbart Musketier", ein "Vollbart Garibaldi" oder doch eher ein "Kaiserlicher Schnauzer"? In insgesamt 17 Kategorien treten die Teilnehmer der Weltmeisterschaft des Verbandes Deutscher Bartclubs (VDB) im hessischen Gründau an.
Die pomadenreichsten Kinn-Kunstwerke sind traditionell in den "Freestyle"-Kategorien zu bewundern, wo die Gesichtsbehaarung der Teilnehmer besonders eindrucksvolle Dimensionen annimmt. Auch der passende Hut ist ein Muss, um den extravaganten Looks den letzten Schliff zu geben.
Bartträger-Weltmeisterschaft,19. September 2009 in Gründau-Lieblos in Hessen , Anmeldeschluss ist der 18. August
Tübinger Entenrennen
Bereits zum elften Mal wird in diesem Jahr eine Quietscheentenparade für reichlich gelbe Farbtupfer auf dem Neckar sorgen. Etwa 6000 gelbe Plastiktiere entkommen hier kurzzeitig ihrem Schicksal im beengten Badewannengefängnis und dürfen sich in den Weiten des Flusswassers austoben. Nach etwa 45 Minuten erreichen die ersten Teilnehmer die Ziellinie.
Das Ganze ist zwar kleiner als die bekannten Duck-Race-Veranstaltungen in Singapur oder London. Ein spektakulärer Anblick ist es trotzdem, wenn zum Start ein Lkw das ganze Plastik von einer Brücke kippt.
Tübinger Entenrennen, 10. Oktober 2009, Tübingen, Neckarinsel
Deutsche Meisterschaft im Fingerhakeln
Zwei Hände, ein Lederband - Fingerhakeln ist eine Mischung aus Tauziehen und Wrestling und bayerische Volkssportart. An einem massiven, am Boden festgeschraubten Tisch sitzen sich die Kontrahenten gegenüber. Sobald der Kampfrichter mit dem Kommando "Beide Hakler - fertig - zieht!" den Wettbewerb freigibt, versuchen sie, den anderen über den Tisch zu ziehen.
Auch wenn ein Duell meist nur wenige Sekunden dauert, ist das Spektakel aus manch dörflichem Bierzelt nicht mehr wegzudenken. Für klare Regeln sorgt dabei der Landesverband bayerischer Fingerhakler, der etwa Mull, Pflaster oder Watte zum Abfedern der Last verbietet.
Jährlich wechselnde Orte, Termin 2009: Garmisch-Partenkirchen, 15. August, Festzelt der Partenkirchener Festwoche
Brot und Spiele in Trier
Gladiatorenkämpfe im Amphitheater, Soldaten in Sandalen auf der Porta Nigra: Deutschlands bedeutendstes Römerfestival findet jedes Jahr in Trier statt, der ehemals größten römischen Stadt nördlich der Alpen. Mehr als 20.000 Besucher trinken Honigwein und lassen sich in die Geheimnisse antiker Handwerkskünste einweihen. Unter den Schaustellern ist auch ein Zahnarzt, der Mutigen auf Wunsch vorführt, wie man von 2000 Jahren mit entzündeten Kauleisten umging - früher war eben doch nicht alles besser.
Brot und Spiele in Trier, 14. bis 16. August, Trier
Arschleder-Weltmeisterschaft
Diese Wintersportart gibt es nur im Erzgebirge: Beim "Arschleder Wettruscheln" rauschen die Teilnehmer auf einem Lederfetzen einen Schneehang ins Tal hinab.
Seinen Ursprung hat dieser rasante Zeitvertreib im Silberbergbau - dort schützten die Arbeiter ihre Hosen mit dreieckigen Lederstücken, die auch das Sitzen bequemer machten und beim Rutschen in abschüssigen Schächten gute Dienste leisteten.
Arschleder-Weltmeisterschaft in Neudorf , nächster Termin: Februar 2009
Stoalupfn-Meisterschaft
Die besten Sportler bewegen Brocken von mehr als 300 Kilogramm Gewicht: Beim Stoalupfn, dem traditionellen bayerischen Steinheben, ist pure Kraft gefragt. Ziel ist es, den Brocken über die 100-Zentimeter-Marke zu wuchten. Das hat eine jahrhundertealte Tradition, und zahlreiche Legenden entstanden um große Stoalupfer der Vergangenheit.
So soll Herzog Christoph von Bayern im 15. Jahrhundert einen 200-Kilo-Fels meterweit geworfen haben, der heute den Eingang der Residenz schmückt. Und der Metzger Hans Steyrer soll im 19. Jahrhundert nur mit dem Mittelfinger 254 Kilogramm gelupft haben. Er ging mit seinen Hebekünsten sogar auf Europa-Tournee.
Internationale Deutsche Meisterschaft der Männer und Frauen im Stoalupfn, Dachau, 16. August 2009. Weitere Termine auf der Homepage des Landesverbandes .
Rasenmäher-Weltmeisterschaft
Ein Wettrennen für fahrbare Rasenmäher lockt jährlich Tausende Besucher auf die Elbinsel Krautsand. Was als "Weltmeisterschaft" präsentiert wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als eher lokaler Wettbewerb. Schließlich kamen die drei Erstplatzierten im Jahr 2009 aus Krautsand, Ochtrup und Nümbrecht, allesamt Orte, die nicht allzu weit von der Wettkampfarena entfernt liegen.
Seit 1997 wird der Wettkampf einmal jährlich ausgetragen. Insgesamt 15 Kilometer müssen die frisierten Gefährte in 50 Runden an Schlammlöchern vorbei und durch Pfützen absolvieren.
Rasenmäher-Weltmeisterschaft, 13. Mai 2010, Elbinsel Krautsand
Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer
Die Anforderungen sind alles andere als niedrig: Wer zur Weltspitze der Hirschrufer gehören will, muss mit seinem Jagdhorn beispielsweise einen "jungen suchenden Hirsch" oder ein "Duell von zwei Hirschen, die sich ein Rufduell liefern" imitieren können. Das waren zwei der Disziplinen bei der diesjährigen Europameisterschaft der Hirschrufer in Dortmund.
Seit mehr als zehn Jahren wird bei der Deutschen Meisterschaft auf der Messe "Jagd & Hund" in Dortmund fleißig geröhrt und gebrüllt. Man will nicht unbedingt Nachbar eines Wettbewerbers in der Trainingsphase sein, doch auf der Bühne ist das urtümliche Brunftschrei-Spektakel höchst unterhaltsam.
Meisterschaft im Hirschrufen, 2. bis 7. Februar 2010 auf der Messe "Jagd & Hund" , Dortmund
Buspulling-Wettbewerb
Halten Sie es für ein Vergnügen, zu fünft mit einem Seil einen 16 Tonnen schweren Reisebus durch die Gegend zu ziehen? Dann sollten Sie sich für dieses Festival auf dem historischen Stadtmarkt von Wolfenbüttel . Immerhin 1000 Euro warten als Lohn auf das Siegerteam, das sein Gefährt am schnellsten über die 30 Meter lange Wettbewerbsstrecke ziehen kann.