Antholz: Ski-Jagd für jedermann - DER SPIEGEL
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Antholz Ski-Jagd für jedermann

Im Fernsehen erzielen Biathlonwettbewerbe traumhafte Einschaltquoten. Wie schwer es tatsächlich ist, nach rasanter Langlauffahrt ein ruhiges Händchen zu behalten, kann man jetzt im Biathlonzentrum Antholzertal testen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?



Antholz - Biathlon gilt als ausgesprochen fernsehtauglich. Skiläufer jagen durch die Loipe, Gewehrschüsse klicken und die kleinen schwarzen Zielscheiben klappen szenenstark um, wenn der Schütze trifft. Bei wichtigen Weltcup-Rennen oder Weltmeisterschaften schlagen die Einschaltquoten sogar die anderer Wintersportarten wie Skispringen oder Abfahrtslauf. Dennoch beherrscht kaum ein Laie die Sportart der "Skijägerei". Im südtiroler Antholztal werden jetzt Biathlon-Kurse für jedermann angeboten.

"Wer hat noch nie auf Langlaufski gestanden?", lautet die erste Frage von Skilehrer Willi Messner von der Langlaufskischule Antholzertal, die den Biathlon-Schnupperkurs anbietet. Die, die sich melden, schickt er erst einmal mit einem Kollegen für ein paar Trockenübungen in die Loipe. Und wer sich schon einigermaßen elegant auf den langen Brettern bewegen kann, darf an den Schießstand. Wichtig ist dort zuerst die richtige Lage: Der Körper sollte in sich gerade sein, aber schräg zum Ziel liegen. Gar nicht so einfach, sich in die richtige Position zu bringen ohne die langen Ski abzuschnallen.

Atmung ist alles beim Schießen

Immerhin 3,8 Kilogramm wiegt das Kleinkalibergewehr, das erfahrene Betreuer, darunter der mehrfache Biathlon-Weltmeister Willi Pallhuber, den Neulingen schließlich in die Hand drücken. Das Zielen scheint einfach: Im Kreis des Diopterkorns erscheint die Scheibe, und wenn die sich ungefähr in der Mitte befindet, sollte man abdrücken können.

"Halt - erst richtig atmen", empfiehlt Pallhuber, "entweder beim leichten Einatmen schießen oder die Luft anhalten". Wer diesen Rat beherzigt, trifft. Tatsächlich sind die Schießergebnisse sehr gut: vier oder sogar fünf Scheiben erledigen die meisten und sind entsprechend stolz. Was macht es da schon, dass wir auf die größeren Scheiben mit 11,5 Zentimeter Durchmesser schießen, die für die Profis das Ziel im Stehendschießen sind. Könner wie Frank Luck, Sven Fischer und Ricco Groß zielen im Wettkampf im Liegen auf Scheiben, die mit 6,5 Zentimeter Durchmesser fast nur halb so groß sind.

Als wesentlich schwieriger erweist sich schließlich das Schießen im Stehen. Immer schwerer werden die Gewehre, immer schlechter die Trefferquote. Während sich die Urlauber auf zwei für sie reservierten Schießständen mit den Übungen abmühen, herrscht nur drei Bahnen weiter links Hochbetrieb. Dort trainieren die Damen-Nationalmannschaften aus Weißrussland und Lettland für die nächsten Weltcup-Wettbewerbe und die Weltmeisterschaften.

Der Puls rast, die Arme zittern

Einen Blick für die Amateure haben die Profis kaum übrig, nur wenn mal jemand beim Antritt nach dem Schießen aus Versehen mitten im Weg steht, wird er mit einem energischen "Hopp!" aus der Spur gerufen. Nachdem so ziemlich jeder im Liegen wenigstens einmal die Scheibe getroffen hat, wird es ernst im winterlichen Zweikampf.

Jetzt werden Laufen und Schießen miteinander kombiniert. Die Schnupper-Biathleten werden auf die rund 250 bis 300 Meter lange Strafrunde im Stadion von Antholz geschickt - eine Distanz, die sonst nur bei Fehlschüssen zusätzlich zurückgelegt werden muss. Jeder hastet so gut er kann durch die klare Winterluft und kommt mehr oder weniger außer Atem wieder am Schießstand an.

Nun heißt es, die beschleunigte Atmung wieder zu beruhigen und auch den Puls zu kontrollieren. Prompt geht der erste Schuss vorbei, doch je mehr die Urlauber trainieren, desto besser klappt es. Gute Skiläufer legen zwischen den Schießen schließlich auch eine größere Runde von etwa 2,5 Kilometer Länge zurück.

Am Abschluss des Schnupperkurses steht schließlich ein Wettkampf. Die Kursteilnehmer erhalten Startnummern und werden nach geraden und ungeraden Ziffern in zwei Staffeln eingeteilt. Wer gewinnt, ist dabei eigentlich egal, denn jeder Teilnehmer erhält schließlich von Skilehrer Messner ein Abzeichen. Und wahrscheinlich wird nun jeder die Biathlon-Übertragungen im Fernsehen mit anderen Augen sehen.

Ditmar Hauer, ddp

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