Bergsteigen Krach um Handylärm
München - Der Deutsche Alpenverein (DAV) dagegen glaubt, dass Handys sich auf Bergtouren zunehmend als Lebensretter entpuppen.
"Das Handy gehört nicht auf den Berg", sagt Messner. "Am Matterhorn ruft Erwin die Elke an und erzählt, wie toll es ist." Es sei "ein Höllenlärm da oben", berichtet Messner von einer Besteigung des 4478 Meter hohen Schweizer Wahrzeichens.
Der Rekord-Bergsteiger, der vor 20 Jahren erstmals ohne Sauerstoffgerät den Mount Everest erklomm, hat seine Gründe: "Das Handy schafft Scheinsicherheiten durch die Möglichkeit, jederzeit die Bergwacht zu rufen." Bergsteiger würden sich mit Handy rasch überschätzen. Die Zahl der Todesopfer in den Bergen sei zwar zurückgegangen. Aber es gebe mehr schwere Unfälle. "Und eine Mitschuld trägt das Handy", behauptet Messner.
Der DAV kontert und beruft sich dabei auf seine jüngste Bergunfallstatistik. "Wir haben so wenig tödliche Unfälle wie nie zuvor", sagt der Sicherheitsexperte des Alpenvereins, Pit Schubert. Immer mehr Verunglückte überlebten ihre Unfälle, weil durch den Einsatz von Handys schnell Hilfe alarmiert werden könnte.
Mehr als die Hälfte der Unfälle würden über mobile Telefone gemeldet. Der Alpenverein empfiehlt deshalb auf seiner Internetseite: "Für den Notfall: Handy mitnehmen und die alpenweite Notrufnummer 112 wählen." Thomas Urban, Notrufexperte des DAV, sagt, die Alternative zum Handy sei doch, dass Unfallopfer sterben.
Die Zahlen geben beiden Seiten Recht: Seit 1952 ging die Zahl der tödlichen Unfälle gemessen an der Menge der Bergsportler kontinuierlich zurück. Vor 50 Jahren seien von 10.000 Bergsportlern jährlich drei Menschen tödlich verunglückt, derzeit stürze statistisch gesehen nur einer von 10.000 jährlich in den Tod, erläutert Pit Schubert.
Die Zahl der Unfälle insgesamt ist aber gestiegen. In den sechziger Jahren verunglückten am Berg etwa 300 DAV-Mitglieder, derzeit sind es jährlich fast 500.