Davos Willkoma bin ünsch
Davos/Klosters - "Willkoma bin ünsch! - Willkommen bei uns" - so begrüßen die Menschen im Prättigau ihre Gäste. Auch Martina Schmidt, Skilehrerin in Klosters, empfängt mit genau diesen Worten die Teilnehmer eines Langlaufkurses. "In den Bergen der Silvretta und des Rätikon finden Wintersportbegeisterte ein reiches Betätigungsfeld", schwärmt Schmidt von ihrer neuen Heimat, der Ferienregion Klosters-Davos im Schweizer Kanton Graubünden.
Davos und Klosters: Schlitteln und Spurten
Erst vor wenigen Jahren hat sie ihre Stadtwohnung gegen ein Apartment im beschaulichen Klosters eingetauscht. Immer wieder ist sie fasziniert von der Winterlandschaft: "Schauen Sie nur, wie der Schnee nach einer frostklaren Nacht am Morgen in der Sonne glitzert", sagt sie.
Viele Gäste schätzen vor allem die Verschwiegenheit des intakten Dorfes. Prinz Charles zum Beispiel geht seit 1978 regelmäßig in Klosters auf die Piste. "Er mag unser Bergdorf so sehr, dass er seinen Landsleuten manchmal droht, hierher auszuwandern" sagt die Skilehrerin lachend. Seit Jahrzehnten wohnt der britische Thronfolger in einem kleinen Familienhotel, dem "Walserhof".
Mit geübtem Blick prüft Martina Schmidt, ob alle Skibindungen fest geschlossen sind. Dann gibt es noch einige Hinweise zur Technik des Langlaufs, und schon geht es los. Mit kräftigen Schwüngen startet sie in die frisch gespurte Loipe, die vom Sportzentrum Klosters zur Alp Novai am Talende und zur Alp Garfiun führt. Zumeist verlaufen die Loipen parallel zum Fluss Landquart und weisen nur wenige Steigungen auf. "Die Strecken sind ideal für Anfänger und Familien", sagt Schmidt.
Hund mit Sonnenbrille
Zwischen Monbiel und der Alp Garfiun sind an Sonnentagen auch viele Spaziergänger unterwegs. "Gedanken wollen, wie Kinder und Hunde, dass man mit ihnen im Freien spazieren geht", dichtete Christian Morgenstern. Für Hunde gibt es sogar eine spezielle Hundeloipe. Einige der Vierbeiner tragen wie ihre Besitzer eine Sonnenbrille auf der Nase. Eine gemächliche Art, sich durch die Winterlandschaft zu bewegen, ist eine Fahrt mit dem Pferdeschlitten. Eingekuschelt in Decken und Schaffelle können sich die Touristen durch die Winterlandschaft zu den schönsten Plätzen der Region kutschieren lassen.
Etwas mehr Action verspricht Erwachsenen und Kindern der Bau eines Iglus. Unter Anleitung wird auf der Wiesner Alp das Haus aus Schnee und Eis errichtet. Wer mag, kann dort oben ein zünftiges Fondue zubereiten. Und ganz Abgehärtete übernachten im Iglu. Die meisten Besucher sind allerdings begeisterte Abfahrtsläufer. Sie schätzen die schneesicheren Pisten von Klosters, dessen touristische Entwicklung um 1870 um begann. Damals wurden die ersten Hotels gebaut.
Mit der Eröffnung der Teilstrecke der Rhätischen Bahn von Landquart bis Klosters setzte die rasche Entwicklung zum internationalen Tourismusort ein. Heute fahren die roten Züge weiter bis nach Davos. Doch nicht nur die Rhätische Bahn verbindet Klosters und Davos, sondern auch zahlreiche Lifte, mit denen die Skigebiete beider Orte erschlossen werden. Mit einem Regionalpass erhalten die Skiläufer das Eintrittsticket zu mehr als 320 Kilometern Pisten in sechs Skigebieten.
"Die Abfahrten von Davos und Klosters gehören zu den skifahrerischen Leckerbissen der Alpen", meint Christian Neureuther. "Am Gotschnagrat laufen einem angesichts der Neigung kalte Schauer über den Rücken, am Madrisa dagegen gleiten sie sonnenverwöhnt, baumlos, harmonisch dahin", sagt der bekannte Skiläufer. Auch die Snowboarder finden hier ihr Dorado. Am Jakobshorn gibt es sogar zwei Half-Pipes und eine richtig gute Szene.
Castorp kurte literarisch
Anders als das ursprüngliche Klosters präsentiert sich Davos als größter Ferienort der Alpen mit städtischem Flair. Die im Landwasser-Hochtal gelegene Kur- und Kongressstadt hat rund 13.000 Einwohner und mehr als 22.000 Gästebetten. Mit ihrem gesunden Klima war die höchst gelegene Stadt Europas (1560 Meter) noch vor 100 Jahren ein einziges Sanatorium für Lungenkranke. Thomas Mann hat diese Welt in seinem Roman "Der Zauberberg" beschrieben. Die wenig schmeichelhaften Schilderungen des Sanatorienlebens kratzten am guten Ruf des mondänen Luftkurortes.
Dabei beteuerte Thomas Mann selbst, dass im Roman vieles erfunden ist und das Werk "wohl nur ganz nebenbei als Davos-Roman gelesen werden darf". Längst ist Davos kein Kurort mehr für Tuberkulosekranke. Die schöne Hochgebirgslandschaft inspirierte auch noch andere Künstler. Der Maler und Grafiker Ludwig Kirchner kam 1917 nach Davos und arbeitete hier bis zu seinem Freitod im Jahre 1938. Das Kirchner-Museum, 1992 zu Ehren des deutschen Expressionisten erbaut, erregt auch in architektonischer Hinsicht Aufsehen. Der "Kristall aus gläsernen Kuben", entworfen von den jungen Architekten Gigon und Guyer, beherbergt mit mehr als 500 Werken die größte öffentliche Kirchner-Sammlung überhaupt.
Fünf weitere Museen öffnen ihre Pforten für Besucher. Skilehrer Wilhelm Bartli empfiehlt vor allem das Wintersportmuseum: "Dort wird die Entwicklung der verschiedenen Wintersportarten dargestellt." Die Besucher erfahren, dass in Davos bereits 1873 erste Versuche auf Skiern unternommen wurden. Doch nicht nur Skifahren war damals ein Thema, schließlich verfügt Davos über eine der größten und schnellsten Natureisbahnen der Welt, auf der viele Eisschnelllauf-Rekorde aufgestellt wurden.
Schlittelvergnügen ohne Ende
Zu den attraktivsten Veranstaltungen gehört bis heute der Spengler-Cup, bei dem Eishockey-Teams aus mehreren Ländern um den begehrten Pokal kämpfen. Im Jahr 2005 findet das Turnier vom 26. bis zum 31. Dezember statt. "Davos ist auch die Wiege des Schlittensports", erzählt Bartli. Der Davoser Wagner Emanuel Heinz-Friberg, der 1865 die ersten Schlitten gebaut hat, gilt als Vater des berühmten Davoser Schlittens, der heute in aller Welt verbreitet ist. Der Schlitten war aus Holz, hatte hochgezogene Kufen mit Stahlbändern und eine Sitzfläche, die aus fünf Latten bestand.
Davos und Klosters protzen mit 24 Kilometern Schlittelbahnen. Zwei Strecken führen von der Schatzalp ins Tal. Die 300 Meter über Davos gelegene Sonnenterrasse wird über einen Schrägaufzug erreicht. In rasantem Tempo geht es hinunter ins Tal, und auch am Abend ist dem Schlittelvergnügen kein Ende gesetzt: Auf farbig beleuchteten Bahnen können die Gäste bis 23 Uhr abwärts sausen und sich dann ins Nachtleben von Davos stürzen.
Wer es ruhiger mag, kann in die Umgebung der Seitentäler von Davos eintauchen. "Diese Mischung aus städtischem Unterhaltungsangebot und lebhaftem Ferienbetrieb sowie Stille und Abgeschiedenheit in den wildromantischen Seitentälern und auf den Bergen macht den Reiz von Davos aus", sagt Bartli.
Architekten sind es, die Davos noch weiter nach vorn bringen wollen. Auf der Schatzalp, einem etwas vernachlässigten Ort mit großer Vergangenheit, soll bis 2010 ein modernes Turmprojekt mit Eigentumswohnungen und einem Luxushotel verwirklicht werden. Bereits am 9. Dezember diesen Jahres wird ein ebenso mutiges Projekt, die Umfahrungsstraße Klosters, eröffnet, zu der die geschwungene Sunnibergbrücke gehört.