Deutschland-Reise Neuer, alter Glanz
In der Schelfstadt zum Beispiel, mit der Herzog Friedrich Wilhelm 1705 seine Residenz vor den Toren der Altstadt erweiterte, fallen die frisch renovierten Fachwerkhäuser ins Auge. Das Viertel, in dem sich viele kleine Cafés und Kneipen etabliert haben, wird vom barocken Turm der Schelfkirche überragt. Gleich daneben steht die vorbildlich sanierte neugotische Fassade der Ersparnisanstalt von 1857, in der sich heute eine Filiale der Schweriner Sparkasse befindet.
Die Stadt zu Fuß erkunden
Schwerin ist eine Stadt, die am besten zu Fuß erkundet wird. Vom Dom, der sich mit seinem weithin sichtbar aufragenden und spitz zulaufenden Turm fast 120 Meter hoch in den Himmel bohrt, hat man einen sehr guten Überblick über die Stadt. 220 schmale Stufen, über die sich Auf- und Absteigende gleichzeitig zwängen müssen, führen in eine Höhe von 50 Metern. Ganz Schwerin ist von hier oben zu sehen, und schlagartig wird klar, warum Schwerin auch die Stadt der Wälder und Seen genannt wird. Allein sieben Seen gehören zum Stadtgebiet. Dazu wurde ein künstliches Gewässer angelegt: Der Pfaffenteich gilt als Schwerins "Binnenalster".
Geburtsort der ältesten Stadt Mecklenburgs, das im Jahre 1160 von Heinrich dem Löwen das Stadtrecht erhielt, ist das auf einer Insel im Schweriner See liegende Schloss. Heute hat der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern seinen Sitz in dem märchenhaften Gebäude, das nach dem Vorbild des Renaissance-Schlosses Chambord an der Loire im 19. Jahrhundert durch den Schinkelschüler Demmler völlig umgestaltet wurde. Ein Teil des Inneren ist als Schlossmuseum öffentlich zugänglich. Besonders prächtig ist der Thronsaal mit dem goldenen Thronsessel.
Tradition der Schauspielkunst
Über die Schlossbrücke erreicht man den Alten Garten, der auch als "Schwerins gute Stube" bezeichnet wird. Die Gebäude des Mecklenburgischen Staatstheaters und des Staatlichen Museums bilden die imposante Kulisse. Lang ist die Tradition der Schauspielkunst in Schwerin: Conrad Ekhof gründete hier 1753 die erste Schauspiel-Akademie Deutschlands. Eine Bronzebüste auf dem kleinen Platz zwischen Theater und Museum erinnert an den "Vater der deutschen Schauspielkunst". Ende des 19. Jahrhunderts begeisterte das Haus vor allem Wagner-Freunde, und in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts machte Schwerin mit den Faust-Inszenierungen von Christoph Schroth international Furore.
Wer die breite Freitreppe zum Portikus des benachbarten Staatlichen Museums hinaufsteigt, wird überrascht sein über das, was das größte Kunstmuseum Mecklenburg-Vorpommerns in seinen Mauern alles beherbergt. Rund 3600 Exponate gehören zum Bestand, darunter wertvolle Gemälde von Lucas Cranach, Thomas Gainsborough, Max Liebermann und Lovis Corinth. Außerdem hängen hier berühmte holländische und flämische Meister: Rubens, Rembrandt und Hals. Vom Rembrandt-Schüler Carel Fabritius gibt es auf der ganzen Welt nur noch acht handsignierte Werke. Deutschlands einziges - "Die Torwache" - ist in Schwerin zu bewundern.
Außergewöhnliche Opernereignisse
Und wie bereits vor zwei Jahren mit "Aida" wird man im Alten Garten auch in diesem Sommer ein außergewöhnliches Opernereignis erleben könne. 2001 steht - anlässlich Verdis 100. Todestag - die Oper "Nabucco" mit internationalen Solisten und 350 Mitwirkenden auf dem Programm. Verfolgen kann man die insgesamt 24 Vorstellungen auf einem der 2500 Plätze, aber auch von einer schwimmenden Loge aus - einem Schiff der "Weißen Flotte", das neben dem Schloss seine Anlegestelle hat.
Detlef Berg, gms