Douro-Tal Die goldene Generation
Der Frühling ist eine schöne Zeit, um an den Douro zu fahren. Auch der späte September mit seinem warmen, dem Teint schmeichelnden Licht und seinem spätsommerlichen Duft von getrockneten Kräutern und Gräsern sowie gärendem Most. In der Zeit dazwischen aber ist es zu heiß, danach zu nass. Es kann nämlich trostlos regnen am Douro.
Dann sieht man von der Landschaft nichts was tragisch wäre. Denn das Douro-Tal im Norden Portugals ist nicht nur Unesco-Weltkulturdenkmal, sondern auch das spektakulärste Weinanbaugebiet der Welt: 250.000 Hektar Granit- und bröckeliges Schiefergestein, aufgetürmt zu steilen Hügeln und Bergen, in die Terrassen unterschiedlichster Formen gezirkelt sind. Hier oberhalb des in Spanien entsprungenen und in den Atlantik fließenden Douro stehen Reben auf rund 40.000 Hektar.
Drei Jahrhunderte lang haben Portweine die Douro-Region berühmt gemacht. "Heute prägen vor allem so genannte Tafelweine das Renommée unseres Gebiets", sagt Dirk Niepoort, Vorreiter der neuen Qualitätsbewegung am Douro. Tafelweine! Eine unglückliche, etwas despektierliche Bezeichnung für nicht angereicherte, trocken ausgebaute Weine. Sie wurden traditionellerweise aus jenen Trauben bereitet, die für den Port nicht gut genug waren. "Claret for boys, Port for men", lautet eine alte Redensart sie darf indes als überholt gelten. Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1986 dürfen Trauben- und Weinerzeuger ihren Portwein eigenständig vermarkten und exportieren allerdings unter teils sonderbaren Auflagen, etwa einer Mindestproduktion von 150.000 Flaschen.
Junge Weinbauern erneuern das Douro-Gebiet
Daher sind vor allem kleinere Betriebe auf die seriöse Erzeugung von trockenen Rotweinen umgestiegen, die seit knapp zehn Jahren unter der Herkunftsbezeichnung Douro DOC firmieren. Einige von ihnen zählen zur absoluten Weltklasse, ganz vereinzelt auch Weißweine so etwa Niepoorts 1997er Redoma Reserve, die an große Puligny-Montrachet erinnert.
Es sind vor allem junge Weinmacher, die das Douro-Gebiet zu einem Jungbrunnen der Erneuerung gemacht haben, und sie sind miteinander befreundet, so unterschiedlich ihre Weine auch sein mögen. "Jeder gute neue Wein, über den man im Ausland spricht, tut dem Gebiet und damit auch uns allen gut, es macht uns bekannter", sagt Niepoort. Wer die jungen Neuerer treffen will, hat am großen Esstisch seiner Quinta do Nápoles beste Chancen. Hier stecken sie häufig die Köpfe zusammen.
Heute sitzt dort neben einigen Winzerkollegen auch Jorge Moreira, ein Mittdreißiger, der sieben Jahre lang als Önologe und Agronom für Real Compañia Velha arbeitete, einen der größten Weinerzeuger am Douro, und seit zweieinhalb Jahren für die seitdem stark verbesserten Tafelweine der Quinta de la Rosa in Pinhão verantwortlich ist.
Heute schenkt er den am Tisch anwesenden Kollegen seinen eigenen Wein ein: Poeira, einen mineralisch strukturierten Rotwein mit reifen Tanninen und feinem Cassis- und Lakritzschmelz. "Das ist der 2001er, mein erster Jahrgang", erzählt er, stolz über die Begeisterung, die sein Tropfen hervorruft, "er stammt von einem steilen Nordhang im Pinhão-Tal." Dort hat er vor drei Jahren 3,5 Hektar Land gekauft, gut zwei davon mit alten Reben bestockt, die anderen wurden gerade neu bepflanzt.
Staubsaugerschlauch auf dem Etikett
Jorge möchte Konzentration und Kraft des Mostes mit Eleganz und Harmonie vereinen. "Da wir hier im Sommer ein sehr heißes Klima haben, ist dieser Stil wohl nur mit Nordlagen und penibler Weinbergarbeit möglich. Deshalb achte ich auf ein gleichmäßiges Ausreifen der Trauben." Auf dem Etikett ist ein Staubsaugerschlauch abgebildet, denn Poeira heißt Staub "der liegt hier während der Ernte in der Luft", erklärt Jorge. Ein Besuch auf seinem eigenen Weingut? "Da gibts ein Problem", sagt Jorge. Das da wäre? "Ich habe gar kein Weingut." Eine Garage? "Nicht mal die."
Der Poeira wird in den lagares großen offenen Maischebottichen aus Granit befreundeter Winzer gemacht und lagert an verschiedenen Orten in französischen Barriques. Jorges eigenes Gut, das zugleich sein Wohnhaus sein wird, ist noch immer ein Rohbau. Die Bauarbeiter haben die Dachkonstruktion falsch daraufgesetzt, und jetzt geht erst einmal nichts mehr voran. Die ersten drei Poeira-Jahrgänge sind in der Lodge von Jorge Borges im benachbarten Val de Mendiz entstanden der noch reifende Poeira 2004 sowie seine beiden Vorgänger lassen vermuten, dass hier einer der künftigen Superweine des Douro heranwächst.
Auch die schöne Spanierin Susana Estéban trifft man mit etwas Glück am Tisch von Dirk Niepoort. Zwar hat man sie inzwischen als Önologin der Quinta do Crasto wahrgenommen, kaum aber als Weinmacherin der Quinta da Casa Amarela. Noch nicht, denn die Fassprobe ihrer 2003er Reserva der Wein stammt aus einer 80-jährigen Nordost-Lage zählt mit seiner dunkelbeerigen, mineralischen Frucht und seiner eleganten Gerbstoffstruktur zu den feinsten Neuerscheinungen am Douro.
Ganz anders, aber nicht minder beeindruckend ist der maskuline Aneto 2002, das charaktervolle Erstlingswerk der stillen Gebrüder Montenegro. Der in einer heißen Süd-Höhenlage zwischen Pinhão und Tua reifende Rotwein ist kraftvoll, konzentriert und von wilder Aromatik. Kräuterwürzig sind auch die ausgezeichneten Portweine der Quinta do Infantado von João Roseira. Seine Weißen aber auch seine Rotweine, allen voran Montevalle und Montevalle Reserva verkörpern Klasse, vor allem aber Authentizität.
Richtung Spanien steigen Temperatur und Trockenheit
Die natürlichen Ressourcen sind der größte Trumpf der Douro-Region. Jenseits der 1400 Meter hohen Serra do Marão, die das Gebiet vor atlantischen Einflüssen schützt, steigen in Richtung Spanien Temperatur und Trockenheit. Der Baixo Corgo von Régua bis zum Nebenfluss Corgo ist als westlichste Douro-Unterzone noch relativ kühl und feucht. Der Cima Corgo, Zentrum des Douro-Weins, bietet optimale Temperaturen und Niederschlagmengen, während das obere Douro-Tal (Douro Superior), das bis zur spanischen Grenze reicht, schon ein wüstenähnliches Klima aufweist.
Das terroir zeigt unzählige Varianten. Zu diesen natürlichen Grundvoraussetzungen kommt ein gelungener Mix aus traditionellen und modernen önologischen Methoden. Neben den lagares, in denen die Trauben entrappt oder auf den Kämmen mit Füßen oder robotic lagares mazeriert werden und teilweise darin auch vergären, stehen computergesteuerte Edelstahltanks, neben alten Korbpressen aus den sechziger Jahren moderne pneumatische Pressen.
"Was die Sortenvielfalt angeht, sind wir die reichste Nation der Welt", sagt der jung gebliebene Mittsechziger Francisco "Vito" Olazabal von der Quinta do Vale Meão, dessen eigener, überwiegend aus Touriga Nacional und Tinto Roriz bereiteter, äußerst gehaltvoller Quinta-Wein aus dem heiß-trockenen Douro Superior zu den großen Rotweinen Europas zählt. Offiziell zugelassen sind rund 90 Sorten, mit zum Teil höchst originellen und eigenwilligen Charakteristiken.
Keine Ahnung, was genau auf der Parzelle wächst
Die Rebstöcke oft von Ehrfurcht gebietendem Alter stehen zumeist im gemischten Satz, was sie erbringen, ist nie vorhersehbar und lässt sich daher auch nicht planen und wiederholen. Erst in den siebziger Jahren begann man damit, die einzelnen Sorten überhaupt zu qualifizieren. Seitdem gelten insbesondere Touriga Nacional, Tinta Roriz (Tempranillo) und Tinta Barrocca als die Superstars und werden wie auf der hypermodernen Quinta do Crasto zuweilen sogar sortenrein ausgebaut. Einfache Traubenerzeuger es gibt am Douro mehr als 33.000, die meisten von ihnen besitzen weit weniger als einen Hektar Rebfläche haben auch heute keine Ahnung, was genau auf ihrer Parzelle wächst.
Etliche Winzer pflanzen heute jedoch sortenspezifisch neu, was ihnen eine für jede Sorte möglichst punktgenaue Lese ermöglicht. Der Nachteil: Man entreißt dem Boden die wertvollen alten Reben, nimmt dem Wein damit seine natürliche Komplexität und konzentriert sich bei den Neuanlagen möglicherweise auf die angeblich besten und profitabelsten Sorten. Doch gerade das Wilde, Unnahbare und Geheimnisvolle macht die Faszination des Douro-Rotweins aus.
Deutsch-portugiesische Produktion
"Die alten Weinberge können die großartigsten, aber auch die schlechtesten, weil unreifen, überreifen oder faulen Trauben liefern", sagt Jorge Serôdio Borges. Der sympathische Mann mit der ruhigen Stimme war bis vor einem Jahr Önologe von Dirk Niepoort, arbeitet aber jetzt für den deutschen Geschäftsmann Dieter Hanns Bohrmann auf der Quinta do Passadouro. Pikanterweise hatte Niepoort einst diese über beste Lagen verfügende Quinta für Bohrmann entdeckt und als verantwortlicher Port- und Rotweinmacher bekannt gemacht. Die Zukunft sieht der investitionsfreudige Deutsche vor allem in einer trockenen Rotwein-Reserva aus einer alten Süd-Einzellage.
Mit Jorge Borges hat er einen Mann verpflichtet, der bereits mit den Niepoort-Weinen sein Können bewiesen hat, auch wenn er als Techniker mit dem intuitiv arbeitenden Freigeist Dirk Niepoort stets um die bestmögliche Machart ringen musste. Grenzenlose Freiheit genießt Jorge bei seinem eigenen, "Wine & Soul" genannten Projekt, das vor knapp zwei Jahren den vielbeachteten "Pintas" mit verführerischem Charme und fruchtiger Eleganz hervorbrachte.
Jorge erzeugt diesen 2001 erstmalig vinifizierten Spitzenwein zusammen mit seiner Frau Sandra Tavares da Silva. Der Wein stammt aus einer etwa 1,5 Hektar großen Südlage im Val de Mendiz. Die Rebstöcke knapp 30 Varietäten sind 70 bis 80 Jahre alt, äußerst penible Selektion ist nötig. Die nehmen Sandra und Jorge selbst vor, im Weinberg wie am Sortiertisch.
Jeder Stock, dessen Ergebnisse unbefriedigend sind, wird bei nächster Gelegenheit ausgerissen und durch einen neuen ersetzt. Die Trauben werden entrappt und in traditionellen lagares mit Füßen mazeriert und möglichst kühl und langsam vergoren. Der Ausbau erfolgt 12 bis 15 Monate in zumeist neuen französischen Barriques. Schon die beiden ersten "Pintas" waren beeindruckend, aber der 2003er verspricht nochmals eine Steigerung von Konzentration und Fruchtsüße.
"Preise werden nicht nach Qualität festgelegt"
Auch für die Weine der Quinta do Vale Doña Maria von Cristiano van Zeller, einem der umtriebigsten Männer am Douro, ist Sandra Tavares verantwortlich. Cristiano hat im windgeschützten Tal des Rio Torto ein echtes Kleinod aufgebaut. Die in einem Steilhang stehende, vor einigen Jahren noch an den Portweinkonzern Graham verpachtete Quinta ließ er auf den neuesten technischen Stand bringen. Die zehn Hektar umfassenden, 40 bis 60 Jahre alten Rebanlagen mit etwa 20 Sorten in steilen Süd-Südost-Terrassen wurden nach und nach verdichtet und erneuert.
Neu gepflanzt hat er auch Syrah. "Wir werden hier mit einem kleinen Anteil Syrah etwas Einzigartiges schaffen", sagt der stattliche Cristiano van Zeller. Ihm gehörte auch die für ihren Portwein berühmte Quinta do Noval, bevor er sie 1993 an den im Weingeschäft sehr aktiven Versicherungskonzern AXA verkaufte. Auch bei der Quinta do Vallado spielt Cristiano mit: Er erledigt den Weinvertrieb.
Gemeinsam mit José Maria da Fonseca aber erzeugt er einen neuen, auch beim Blindtest von "Der Feinschmecker" im Oktober 2004 auf Anhieb erfolgreichen Douro-Rotwein namens "Domini Plus" und er schimpft wie ein Rohrspatz auf die seltsamen Bestimmungen der verschiedenen Institute, die für die Weingesetze im Douro-Tal zuständig sind.
"Noch immer werden die Preise für Trauben nur nach Marktgesichtspunkten festgelegt, nicht aber nach deren Qualität." Wenn die Welt keinen Portwein kaufe, werde weniger Rebfläche für Portweintrauben zugelassen, erklärt van Zeller. "Aber nur diese Trauben erzielen Preise, die den enorm hohen Arbeits- und Kostenaufwand im Weinberg einigermaßen ausgleichen." Der Rest bringe derart lächerliche Preise, dass sich kein Winzer ins Zeug lege, um die Qualität seiner Trauben zu verbessern. "Wir könnten am Douro noch weitaus mehr große Weine machen als bislang", ist er überzeugt, "denn gemessen am Potenzial dieser Region gibt es zur Zeit noch relativ wenig Weine von internationaler Spitzenklasse."
Produktionsgenossenschaft Lavradores
Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist das im Jahr 2000 ins Leben gerufene Projekt Lavradores de feitoria. Olga Martin, Ehefrau von Jorge Moreira, erläutert die clevere Idee: 15 Quintas aus allen drei Subzonen des Douro haben sich zu dieser Gruppe zusammengeschlossen. Keiner dieser Traubenerzeuger, lavradores, könnte auf eigene Rechnung Wein erzeugen, obwohl jeder auch über einige hervorragende Lagen verfügt. Als Teilhaber an dem Projekt aber haben die lavradores mittelfristig die Möglichkeit, weitaus mehr Geld zu verdienen, als wenn sie ihre Trauben weiter an die hartherzig zahlenden shippers, die Handelshäuser in Porto, verkaufen würden.
Außerdem wird Know-how gebündelt, um konkurrenzfähig zu produzieren man sieht es in der topmodern ausgerüsteten Kellerei in Sabrosa, für die der junge Önologe João Brito e Cunha verantwortlich zeichnet. Eine zehnköpfige Kommission entscheidet, welcher Wein zu welcher der drei Linien passt. Als "Douro" werden fruchtig-leichte, kommerziell gemachte Weine verkauft, dann folgt die Kategorie "Três Bagos" sowie die Spitzenqualität "Single Quinta". Der "Grande Escolha" schließlich ist eine Assemblage aus den allerbesten Fässern der drei Subzonen und gehört in einem Jahr wie 2001 zu den großartigsten roten Douros. Ein weiteres Plus: Die Lavradores-Weine sind konkurrenzlos erschwinglich: der"Grande Escolha" kostet um 33 Euro. Preis für die Top-Cuvées der Konkurrenz: um 70 Euro.
"Ich mag Weine mit grünen Noten"
Entscheidend an der Gesamtkonzeption von Lavradores mitgewirkt hat Dirk Niepoort, für dessen Ideen seine eigenen Firmen offenbar nicht ausreichen. Der charismatische Mann ist ein echter Networker. Wo immer sich am Douro etwas Neues tut er ist beteiligt. Niepoorts eigene Weine sind zudem seit Jahren stilbildend. Eine britische Weinzeitung kürte ihn im vergangenen Herbst treffend zum most influential winemaker des Douro.
Tatsächlich behält er sein autodidaktisch erworbenes Wissen und seine Erfahrungen ebenso wenig für sich wie seine Ansichten. "Ich mag Weine mit grünen Noten, weil es oft die interessanteren, finessenreicheren sind", sagt er, "Weine, die nur aus sehr reifen oder überreifen Trauben gemacht werden, sind selten elegant und niemals frisch, sondern nur modisch, kitschig und stinklangweilig." Seine These: Frische, Eleganz und Harmonie bekommt man am Douro am ehesten in alten, gemischten Anlagen und zwar am besten in solchen mit Nordausrichtung.
Sein kraftvoll strukturierter "Batuta" bestätigt seine These. Auch sein Wein namens "Charme" ist überragend ein in runden lagaresmit den Rappen eingemaischter, dann spontan vergorener, sehr burgundisch wirkender Rotwein von würziger, subtiler Tiefe und seidiger Eleganz.
Zum richtigen Zeitpunkt lesen und abpressen
Ist das Vergären mit Stielen und Kernen nicht riskant? "Ja, aber die Domaine de la Romanée-Conti im Burgund macht es schließlich auch." Das Beispiel dieses berühmten Weinguts zeige doch, dass es möglich ist, elegante und ausgewogene Gewächse mit fester Tanninstruktur zu machen.
Man müsse eben zum richtigen Zeitpunkt lesen und abpressen, sonst werde der Wein hart, aggressiv und unharmonisch. Und der richtige Zeitpunkt ist klar definiert: "Wenn ich die Trauben oder den Wein probiere und sage: jetzt!" Angesichts solch intuitiver Entscheidungen musste ein Önologe wie Jorge Borges, der am liebsten alles unter Kontrolle hat, wohl einfach die Reißleine ziehen und eigene Verwirklichung suchen.
Niepoorts Weine sind, einmal abgesehen vom köstlichen neuen "Fabelhaft" einer geschmeidigen Cuvée verschiedener Lagen aus dem Cima Corgo eher verhalten im Duft, im Geschmack kompromisslos trocken, gerbstoffbetont, mineralisch und streng. Erst nach fünf und mehr Jahren der Lagerung entfalten sie ihre unnachahmliche Klasse und subtile Eleganz. Einzig der fruchtige Riesling von Rebstöcken aus 800 Meter Höhe ist schon jung trinkreif.
Traumnoten in US-Weinzeitschriften
Die modernsten Rotweine, fruchtsüß und technisch ausgefeilt, kommen von den Quintas do Crasto, Vallado und Vale Meão. Die heute von Tómas und Miguel Roquette geführte Quinta do Crasto ist schon der umwerfenden Aussicht wegen einen Besuch wert auch wenn hier momentan viel gebaut wird. Die Quinta wird gerade vergrößert, um den Ruhm weiter zu mehren. Der Stil der Weine ist modern, international. Traumnoten in amerikanischen Weinzeitschriften zeigen, dass er in der Neuen Welt hervorragend ankommt. Überreife, süße Frucht sowie eine dichte, vom Holz beeinflusste Struktur prägen die Weine der Quinta do Crasto.
Ebenso modern, aber mehr Douro-typisch und nicht so offensichtlich nach dem Geschmack des US-Weinkritikers Robert Parker gemacht sind die Rotweine der Quinta do Vallado, seit 1818 im Besitz der Familie Ferreira. Unter der Führung von Guilherme Álvares Ribeiro und seines Neffen Francisco Ferreira wurde die Quinta komplett umstrukturiert und stieg innerhalb von nur zehn Jahren zu einem der besten "Tafelwein"-Produzenten des Douro auf. Wesentlich verantwortlich dafür ist Weinmacher Francisco "Xito" Olazabal. Der Schwerpunkt des Guts liegt auf Rotwein die Reserve ist ganz vortrefflich , doch 2004 kamen auch die ersten Ports auf den Markt: zwei exzellente Tawnys.
Vergoren in Edelstahltanks, gelagert in Barriques
Auf seiner elterlichen Quinta do Vale Meão gelingen Xito Olazabal und Vater Vito ganz andere Weine als auf Vallado. Sie sind nicht weniger modern, wirken aber aufgrund der anderen Klima- und Bodenverhältnisse im oberen Douro-Tal wärmer und charaktervoller. Hier, nahe der spanischen Grenze, wo die Lagen wesentlich flacher sind und näher am Fluss liegen, schwanken die Temperaturen nur wenig, und der Boden enthält neben verwittertem Schiefer auch Granit, Lehm, Muschelkalk, Kies und Quarzite. Sicher ist auch dies ein Grund für die große Komplexität und Eleganz der Meão-Weine, die zur absoluten Spitzenklasse nicht nur in Portugal zählen.
Alle Weine werden in traditionellen lagares gepresst, abends auf althergebrachte Weise mit den Füßen, am Tage und nachts vom automatischen "Robo". Vergoren werden die Moste in Edelstahltanks, in französischen Barriques bekommen die Weine Schliff.
Der Vorteil eines robotic lagar? "Er ist ebenso effektiv wie ein Mensch", sagt Xito Olazabal schmunzelnd, "wird aber nicht müde, und man muss ihn nicht ständig beaufsichtigen." Bis 1997 verkaufte der Winzer seine Trauben an das traditionelle Portweinhaus Ferreira, das daraus den heute noch famosen roten Tafelwein der Marke "Barca Velha" erzeugte.
Die Wellen schlagen hoch
Doch das Douro-Gebiet erneuert sich nicht nur von innen heraus. Außer den deutschen Winzer-Kämpen Bernd Philippi, Werner Näkel und dem im vergangenen Jahr verstorbenen Bernhard Breuer ihr 2000er Quinta da Carvalhosa Reserva gewann überlegen die "Feinschmecker-Douro-Probe hat weitere internationale Weinprominenz das Potenzial des Douro erkannt und investiert kräftig Zeit und Geld.
Bruno Prats, Ex-Eigentümer von Château Cos dEstournel, einem 2ème Grand Cru in St-Estèphe, erzeugt gemeinsam mit Portwein-Mogul Charles Symington den großartigen "Chryseia", und Jean-Michel Cazes unter anderem Besitzer von Château Lynch-Bages und Les Ormes de Pez im Bordelais schuf in Zusammenarbeit mit der jungen spanischen Weinmacherin Susana Estéban auf der Quinta do Crasto einen vielversprechenden Rotwein im Bordeaux-Stil. Und gerade erst hat AXA-Chef und Pichon-Baron-Eigentümer Christian Seely zehn Millionen Euro für ein heruntergekommenes, aber mit alten Reben bestocktes 450-Hektar-Gut am Douro-Ufer gezahlt. Schon bald wird hier ein Luxushotel stehen, etwas später sollen dann Vintage Port sowie rote Tafelweine der High-end-Klasse folgen.
Am Douro schlagen also auch in Zukunft die Wellen hoch.