Essen strahlt: Papst als Lichtgestalt - DER SPIEGEL
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Essen strahlt Papst als Lichtgestalt

Die Essener haben den Kampf gegen die Winterdunkelheit aufgenommen: Schon zum 55. Mal leuchten während der Lichtwochen Bilder aus Tausenden von Glühlampen über den Fußgängerzonen - in diesem Jahr zum Thema Polen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Essen - Gegen die langen, dunklen Winterabende hat die Stadt Essen seit 55 Jahren ein viel besuchtes Gegenmittel: die Lichtwochen. Wer mit dem Zug in die größte Stadt des Ruhrgebietes reist, sieht schon von den Gleisen aus die vielen farbigen Glühbirnen und ist von den Bildern beeindruckt, die hoch über den Fußgängerzonen strahlen. Vom Willy-Brandt-Platz entlang der Kettwiger Straße bis hin zum äußersten Ende der Fußgängerzone, dem Berliner Platz, leuchtet die Essener Innenstadt in jedem Jahr in der Vorweihnachtszeit.

Die Tradition begann am 3. Dezember 1950: "Beleuchtete Tannen, Sterne, Glocken und Lichtgirlanden schmückten die Innenstadt", erzählt Heike Schupetta, die Sprecherin der Essen Marketing GmbH, die die Lichtwochen mit ihrem Rahmenprogramm jedes Jahr organisiert. Der Einzelhandel strahlte mit den Tausenden Glühbirnen um die Wette, die Stadt war regelmäßig so gut besucht, dass die Haupteinkaufsstraßen zeitweilig zum Einbahnsystem umfunktioniert werden mussten.

Fünf Jahre später bekamen die Lichtwochen ein jährlich wechselndes Thema. Von "Tausend und einer Nacht" 1956 über die "Olympiade des Lichts" 1962 bis hin zur Fitnesswelle Anfang der siebziger Jahre, als die Lichter unter dem Motto "Trimm dich" strahlten - die Macher der Lichtwochen haben sich immer am Zeitgeist orientiert. "Max und Moritz", "Wum und Wendelin" und "Ein Herz für Kinder" waren ebenso Themen wie "40 Jahre Bundesrepublik", wie das Motto 1989 lautete.

Aktuell bilden die Essener die Partnerländer aus der Europäischen Union am Nachthimmel ab. "2001 begann die Serie mit dem Nachbarland Niederlande", sagt Schupetta. Es folgten Großbritannien und Finnland, in diesem Jahr ist Polen an der Reihe. Doch die Lichtwochen sind nicht mehr nur 16 Kilometer Lichtschläuche und riesige Bilder aus rund 90.000 Glühbirnen - auch Theater, Musik und Kulinarisches aus dem jeweiligen Partnerland werden den Besuchern vorgestellt.

Die Lichtwochen, die im Oktober beginnen und diesmal bis zum 8. Januar dauern, bedürfen langer Vorbereitung: Bereits im Frühjahr werden die Motive mit den Partnerländern ausgewählt. In diesem Jahr haben sich die Veranstalter bei den zehn Lichtbildern für populäre Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II. und bekannte Orte und Landschaften aus dem Gastland Polen verständigt: Masuren soll ebenso als Lichtbild dargestellt werden wie die großen Städte des Landes.

Die Lichtwochen sind ein Ereignis nicht nur für die Menschen, die im Ruhrgebiet leben, sondern auch für Touristen: Ein Drittel der Besucher kommt aus den anderen deutschen Bundesländern, ein weiteres je aus den Niederlanden sowie aus Belgien und Luxemburg.

Von Verena Wolff, gms