Flughäfen Bewaffnete Flugbegleiter?
Berlin/Frankfurt am Main/Brüssel - Passagiere, die an deutschen Flughäfen einchecken, müssen sich in Zukunft auf längere Abfertigungsprozeduren einstellen. Die Deutsche BA weist ihre Passagiere bereits darauf hin, dass auf Grund der verstärkten Sicherheitskontrollen die Check-in-Schalter ab sofort bereits 60 Minuten statt bisher 30 Minuten vor Abflug geschlossen werden. Das bedeute, dass sich die Passagiere spätestens 90 Minuten vor dem Abflug auf dem jeweiligen Flughafen einfinden sollten, hieß es in einer Mitteilung.
Rainer Lingenthal, Sprecher des Bundesinnenministeriums, bestätigte, dass verstärkte Identitätskontrollen sowohl bei der Ausstellung von Flugscheinen, als auch beim Einchecken bereits "bei vielen Flügen üblich sind". Die Deutsche Lufthansa wollte die Details der neuen Sicherheitsvorkehrungen nicht nennen.
Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) hat auf Sicherheitslücken bei Inlandsflügen hingewiesen. Nach den Worten des DRV-Präsidenten Klaus Laepple ist die Kontrolle bei Inlandsflügen ungenügend: "Gebucht wird über Internet, bezahlt per Kreditkarte am Automaten. Ein Ausweis muss bei Inlandsflügen nicht vorgelegt werden. Sie werden praktisch nirgends mehr registriert".
Pilotenvereinigung Cockpit: Schärfere Kontrollen des Bodenpersonals
Cockpit-Sprecher Georg Fongern forderte, das Bodenpersonal stärker zu überprüfen. Die aktuellen Festnahmen in New York zeigten, dass hier gehandelt werden müsse, auch wenn dies zu Lasten der betrieblichen Abläufe gehe. Außerdem sollten die Sicherheitsstandards von internationalen und nationalen Flügen angeglichen werden. Gerade auf kleineren Flughäfen bestehe heute die Gefahr, dass Inlandsfluggäste unkontrolliert in den internationalen Bereich kommen könnten. Dem sei nur mit strengeren Kontrollen zu begegnen.
Eine extreme Verschärfung der Gepäckkontrollen und die Mitnahme bewaffneter Flugbegleiter, wie es die israelische Fluggesellschaft El Al praktiziert, lehnte Fongern jedoch ab. Dies sei nicht auf Deutschland übertragbar, weil damit der Flugverkehr lahm gelegt würde. Er bezweifelt auch, dass Panzertüren zum Cockpit die Terroristen wirksam aufhalten könnten.
Bundesverkehrsminister: Kein nationaler Alleingang
Bereits am Freitagabend will sich Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) nach Angaben seines Sprechers in der kurzfristig anberaumten Sonderkonferenz der EU-Verkehrsminister für ein "neues Regelwerk" einsetzen, das an die geänderte Sicherheitslage angepasst wird. Nationale Alleingänge könne es hierbei nicht geben.
Sein Ministerium hat bereits angeregt, den Zugang zum Cockpit von Verkehrsflugzeugen zu erschweren. Unter Fachleuten sind in diesem Zusammenhang unter anderem schusssichere Türen, etwa aus Panzerglas, mit besonderen Verschlussmechanismen im Gespräch. Zudem sollen die Sicherheitskontrollen am Boden überprüft werden. Darüber hinaus hatte die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Loyola de Palacio die EU-Regierungen am Donnerstag aufgefordert, den Weg für eine einheitliche europäische Flugsicherung freizumachen.