Gotha Am Nordrand des Thüringer Waldes
1875 schlossen sich in Gotha zwei konkurrierende Linksparteien in der Gaststätte "Tivoli" zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zusammen, der Vorgängerin der heutigen SPD. Das Gebäude dieses Treffens dient seit einigen Jahren als Gedenkstätte der Partei und kann besichtigt werden. Es liegt nicht unweit von dem die Stadt überragenden Schloss Friedenstein aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Im Museum des Schlosses ist unter anderem der "Gothaer Tafelaltar" aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu besichtigen. "Er ist mit 160 Einzeldarstellungen der bildreichste deutsche Altar", sagt Museumsdirektor Bernd Schäfer. Er verweist auch auf die etwa 40.000 Blatt umfassende Grafiksammlung: "Wertvolles Kernstück hier ist deutsche Druckgrafik aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Arbeiten von Albrecht Dürer und Lucas Cranach sowie weiteren Künstlern."
Die Kunstsammlungen und die Bestände der Landesbibliothek mit mehr als einer halben Million Bücher gehen auf den ersten Herzog Gothas, Ernst I., genannt "der Fromme" zurück, der das imposante Schloss Friedenstein errichten ließ. Er und seine bis zum Sturz der Monarchie 1918 regierenden Nachfolger sorgten auch für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.
1757 ging eine Porzellanmanufaktur in Betrieb, Justus Perthes eröffnete seine "Geographische Anstalt" und trug damit entscheidend zur Entwicklung der Kartographie bei. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gründete der Kaufmann und Unternehmer Ernst Wilhelm Arnoldi jeweils die erste Handelsschule, Feuerversicherung und Lebensversicherung in Deutschland. Auch das erste Krematorium des Landes wurde in Gotha gebaut.
Das Rathaus aus dem Jahr 1574 auf dem Hauptmarkt dominiert das Stadtzentrum. Es steht wie die umliegenden Bürgerhäuser des 17. Jahrhunderts unter Denkmalschutz. In einem von ihnen wohnte der Maler Lucas Cranach, der die Tochter eines Ratsherrn der Stadt geheiratet hatte. Gothas Touristikamt verweist auch gern auf einen anderen Besucher: Martin Luther, der sich im Augustinerkloster aufgehalten hat. Ein anderes bedeutendes Gotteshaus ist die spätgotische Margarethenkirche am Neumarkt.
Die etwa 50.000 Einwohner zählende Stadt im Norden des Thüringer Waldes auf der Verkehrsachse zwischen Eisenach und Weimar eignet sich als Standort für viele Ausflüge. Beliebt sind Fahrten mit der Thüringerwaldbahn, einer Überlandstraßenbahn, zum Schaubergwerk Marienglashöhle oder zum knapp 22 Kilometer entfernten Kurort Tabarz am Fuße des 916 Meter hohen Inselberges.
Oder mit der normalen Bahn ins fast ebenso weite Bad Langensalza. "Besonders sehenswert ist die Altstadt", meint Edda Gerlach, eine Hotelmanagerin. Hier fühlte sich ein anderer Dichter wohl: Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), der das biblische Epos "Messias" verfasste.