Hanse Sail: Abschied von der flotten Flotte - DER SPIEGEL
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Hanse Sail Abschied von der flotten Flotte

Die Hanse Sail Nummer 16 ist Geschichte. Über die Toppen geflaggt legten am Sonntag Großsegler und Traditionsschiffe von den Kaikanten in Rostock und Warnemünde ab. Zum letzten Mal in diesem Jahr standen Zehntausende Seh-Leute an den Molen und Stränden Spalier.
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Rostock - Vier Tage und drei Nächte lang hatten 300 Schiffe aus elf Ländern ein Millionen-Publikum angelockt. Unter Vollzeug segelten sich neben dem diesjährigen Star "Gorch Fock" auch die niederländische Brigg "Mercedes", die Dschunke "Kublai's Kahn II" von zwei Thüringer Weltumseglern sowie das ukrainische Kosakenschiff "Presviata Pokrova" in die Herzen der Besucher.

Mehr als 30 000 Sailbesucher ließen sich bei Mitfahrten den Wind um die Nase pusten. Bei Stärken von unter drei Beaufort zeigte sich der Wind auf See ungewöhnlich sanft: Zur Freude der weniger seefesten Mitsegler und zum Verdruss der Regattateilnehmer. Gute Manöver waren nach Angaben der Regattaleitung gefragt, um am Samstag das Schiff überhaupt über die Ziellinie zu bekommen.

Aber auch im Hafen belagerten "Landratten" die Schiffe. Ihr Interesse sei Balsam für die Kapitänsseele, gestand ein Skipper ein. Und die Gäste ließen sich bei "open ship" keine Gelegenheit entgehen, ein Steuerrad in die Hand zu nehmen, sich in eine Hängematte zu werfen oder einen Blick unter Lukendeckel zu riskieren. Aber wenn gewienerte Schiffsplanken auch Sturm und Salzwasser trotzen, Pumps haben sie nichts entgegenzusetzen. Auf der Kraweel "Lisa von Lübeck" wurden Besucher deshalb mit einer auf eine Planke geschriebenen Bitte darauf hingewiesen: "Nicht erlaubt sind Hunde und spitze Hackenschuhe".

Die Hanse Sail ist wie auch viele andere Seglertreffen in Europa gleichzeitig ein großes Förderprogramm für die historische Schifffahrt. Die meisten der alten Pötte bleiben nur dank Fördervereinen und zahlender Mitsegler in Fahrt, so etwa auch die Koggen. Ihre Teilnahme an der Hanse Sail in diesem Jahr war ein ganz besonderes maritimes Ereignis. Fünf Repliken dieser dickbäuchigen Frachtsegler aus der Hansezeit segelten Rostock an, so viele hatte noch kein anderes Seglertreffen auf der Schiffsliste. Für die "Wissemara" war die Tour in die Hansestadt gleichzeitig die Jungfernfahrt. Das Schiff entstand in den vergangenen Monaten in Wismar nach den Fund der so genannten Poeler Kogge.

Hanseatische Koggen sollen künftig in Rostock zu jeder Hanse Sail die Flaggen hissen. Auch die Hafensinfonie könnte Tradition werden. Das ungewöhnliche Klangerlebnis hatte in diesem Jahr seine Premiere. Kirchenglocken, Schiffssirenen und Nebelhörner stimmten taktgenau in ein Konzert von Trommlern und Posaunisten ein.

Hunderte Schiffe von 4 bis 140 Metern Länge, volle Straßen, See- und Luftwege - die Organisation der Hanse Sail klappte wie am Schnürchen. Die 200 000-Einwohner-Stadt Rostock ist an ihren maritimen Großveranstaltungen offenbar gewachsen. Auch deshalb wirft sie zum dritten Mal ihre Visitenkarte in den Bewerbertopf zur Ausrichtung einer Segelolympiade. 2016 oder 2020 wolle Rostock endlich Olympisches Segeln vor Warnemünde, gibt sich Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), lange Jahre selbst Chef des Hanse Sail Büros, siegesgewiss.

Von Katrin Schüler und Michaela Zin Sprenger, ddp