Hotels: Datenträger im dunklen Anzug - DER SPIEGEL
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Hotels Datenträger im dunklen Anzug

Hotels stellen sich immer mehr auf das Internet-Zeitalter ein. Neueste Idee: Der "Technology Butler", der streikende Laptops wieder startet, den rettenden Adapter besorgt und abgestürzten Programmen zu neuen Höhenflügen verhilft.
Von Helge Sobik
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im dunklen Anzug eilt Amit Arora (25) im vornehmen Ritz-Carlton Schlosshotel Berlin über die tiefen Teppiche der Flure zum Hilfseinsatz. Sekunden vorher hat ein Gast nach den Diensten des "Technlogy Butlers" verlangt, nachdem sein tragbarer Drucker sich weigerte, die neuen E-Mails auszuwerfen. Ein paar Handgriffe nur braucht Arora, um die Software neu zu konfigurieren und das bockige Gerät zu starten. Der Hotelangestellte im Edelzwirn ist seit seinem zwölften Lebensjahr Computer-Freak, der geschäftsreisende Manager aus den USA dankbar für die schnelle Hilfe.

Den prompten Service wird er auf keiner Rechnung finden: eine kostenfreie Dienstleistung des Hauses - ein Service, den die Luxushotelkette in allen Häusern weltweit ins Leben gerufen hat und rund um die Uhr bietet, um den Bedürfnissen der IT-Geschäftsreisenden optimal gerecht zu werden.

"Vier- bis fünfmal am Tag werde ich gerufen", erzählt Arora, der ansonsten in der Verkaufsabteilung des Hotels arbeitet - "Tendenz steigend". Der Hightech-Butler hilft bei allen Computerproblemen und technischen Fragen - ob beim Anschließen von Computer und Modem und Anpassen an nationale Standards, beim Zugang ins Internet, beim Abrufen und Senden von E-Mails, beim Ausdrucken von Dateien oder etwa dem Einrichten neuer Software. Hinweisschilder auf den Zimmerschreibtischen machen auf den neuen Service aufmerksam.

Dabei ist der Technology Butler niemand, der sonst Spiegeleier aufs Zimmer trägt, sondern ein speziell ausgebildeter IT-Experte des Hauses - ein Datenträger der besonderen Art. Weiß auch er mal nicht weiter, wird telefonisch Rat eingeholt - bis hinauf zum Systems Manager der Hotelkette, dessen Dienstsitz Dubai ist.

"Auf Wunsch verbinden wir gerade die englischsprachigen Gäste auch direkt mit Fachleuten in den USA", so Arora. Und: "Es gab noch nie eine Situation, wo den Gästen nicht am Ende geholfen werden konnte." Vorbei jedenfalls sind die Zeiten, als Hotels in Technik-Notfällen allenfalls die Adresse des nächstgelegenen Fachhändlers parat hatten. "Wir lernen selber durch den täglichen Umgang mit neuester Hightech viel", erzählt Arora, "denn oft haben Gäste fabrikneue Geräte dabei, die man vorher noch nirgends gesehen hat. Gerade bei Reisenden aus Skandinavien geht mir das immer wieder so."

Bei Four Seasons hilft der "CompCierge"

Gleichwohl, die meisten Anfragen sind bodenständig: Wie lautet die lokale AOL-Einwahlnummer? Funktioniert das Telefon mit Ton- oder Pulswahl? Können Sie mir den passenden Adapter leihen? Kein Wunder, dass alle großen Namen der internationalen Luxushotellerie sich auf die neuen Bedürfnisse der Reisenden binnen kürzester Zeit eingestellt haben: Hyatt International hat bereits im September letzten Jahres die ersten "Technology Concierges" ausgebildet und bietet deren Dienste mittlerweile weltweit kostenlos an. Bei Four Seasons hilft der "CompCierge", bei Inter-Continental der "CyberAssist Coordinator".

"Immer mehr Gäste arbeiten im Zimmer und bringen ein ganzes Arsenal an Technik mit, das installiert werden muss" hat Marco Metge (25) als Technology Concierge im Park Hyatt Hamburg beobachtet. Amerikanischen Studien zufolge sind es bereits neun von zehn Geschäftsreisenden, die unterwegs die Finger über die Tastatur des Laptops jagen. Und nicht mal das eigene Gerät muss es sein, denn auch Leih-Computer halten die Luxusherbergen inzwischen für ihre Business-Kunden bereit.

Die schönste Stilblüte aus dem Arbeitsalltag von Amit Arora im Ritz-Carlton Schlosshotel Berlin: "Eine ältere Dame aus New York wollte ihren Kindern einen elektronischen Urlaubsgruß schicken, hatte zuvor noch nie eine eMail geschrieben, besaß obendrein keine E-Mail-Adresse und bat uns um Hilfe. Wir haben ihr eine kostenlose Yahoo-Adresse eingerichtet, ein Foto eingescannt, das die Dame vorm Brandenburger Tor zeigt und es als E-Mail-Anhang an die überraschten Verwandten geschickt. Die Reisende war ganz gerührt, als sie erfuhr, die E-Mail-Adresse mitnehmen, auch von zu Hause aus benutzen und obendrein ihr Leben lang behalten zu können. Aus New York schrieb sie ein paar Tage später eine Dankes-Mail ans Hotel."