Interaktive Reportage Schießende Scheunen
Diese Tour hatte es in sich: Nachdem Reporter Jörg Pfeiffer mit seinem alten Bus bereits von Berlin über Norddeutschland ins Ruhrgebiet vorgedrungen war, erkundete er in den vergangenen vier Wochen die Schweiz. Dabei war er nicht alleine: SPIEGEL-ONLINE-Leser und die Mitglieder der Reise-Community km42 konnten alle Abenteuer am Bildschirm verfolgten: Pfeiffers Versuche, in Basel Schwyzerdütsch zu lernen, die verschlungenen Wege einer E-Mail durch Zürichs Innenstadt, die rätoromanischen Rapper in der Surselva, die kurioserweise bellenden Schafe und fünf weitere Video-Beiträge, die alle über die km42-Website abgerufen werden können.
"Die Schweiz ist ein herrliches Land mit offenen, freundlichen Menschen", resümiert Pfeiffer seine Erlebnisse der vergangenen Wochen. "Ich kann alle Deutschen, die in die Schweiz ziehen, bestens verstehen." Allerdings ist selbst im Land der Eidgenossen nicht alles Gold, was glänzt. "Wer in die Schweiz kommt, sollte das besser ohne Auto tun", sagt unser Reporter. "Es ist nämlich in weiten Teilen des Landes nicht möglich, kostenlos den Wagen zu 'parkieren'. In Zürich ist es ganz übel: Da geht ohne Anwohnerparkausweis gar nichts. Und selbst wenn man dann für die Parkuhr bezahlt, muss man sein Auto innerhalb von zwei bis fünf Stunden 'umparkieren'. Oder man beißt in den sauren Apfel und macht es so, wie es mir eine Politesse vorgeschlagen hat: 'Parkieren Sie am besten irgendwo außerhalb der Stadt und nehmen Sie dann die Tram.'"
"Ich-nehme-einen-Kaffee-mit"-Pantomime
Auch die Schweizer Sprachkultur ist für Außenstehende nicht immer unkompliziert. "Es stimmt nicht, dass alle Schweizer drei Sprachen beherrschen", sagt Pfeiffer. "Der Besitzer eines Campingplatzes in Genf, wo ich Halt machte, verstand mich zum Beispiel nicht. Ich wollte einen Kaffee zum Mitnehmen, und da mir das französische Wort dafür gerade nicht einfiel, versuchte ich es mit 'zum Mitnehmen' und dann mit 'take away'. Jeder, der einmal in der deutschsprachigen Schweiz oder in einem englischsprachigen Land war, kann doch damit etwas anfangen. Er nicht, er verstand nur 'gare'". Verdursten musste unser Reporter aber nicht: Nachdem er mit Händen und Füßen eine spontane 'Ich-nehme-einen-Kaffee-mit'-Pantomime aufgeführt hatte, bekam er seinen Schwarzen.
Neben Sprachverwirrungen hat Pfeiffer in der Schweiz ein gewisses, an Mittelmeerländer erinnerndes Laisser-faire angetroffen etwa in der Toilette des Forschungszentrums CERN in Genf: "Als ich morgens ankam, war das Licht auf der Herrentoilette kaputt. Komplett ausgefallen, man sah die Hand vor Augen nicht. Viele Herren haben dann mit dem Handy versucht, sich bis zum Klo vorzuleuchten. Aus manchen Kabinen schimmerte es bläulich. Andere sind einfach zu den Damen gegangen. Am Abend war es immer noch so. Am nächsten Tag auch. Ich war insgesamt drei Tage dort und habe die Herrentoilette nie im Hellen gesehen. Aber egal, es war sehr lustig, all den Top-Wissenschaftlern auf der Damentoilette zu begegnen."
Sie können kein Hochdeutsch? Umso besser!
Für alle deutschen Auswanderer, die zum Arbeiten in die Schweiz ziehen, hat Pfeiffer einen Tipp: "Wenn Sie in die Schweiz gehen, achten Sie auf Ihre Sprechweise. Viele Deutsche kommen hier als forsch, über-selbstbewusst und zu extrovertiert rüber - und dabei sprechen sie nur Hochdeutsch. Wenn Sie also Dialekt können, egal welchen, sprechen Sie ihn. Alles, nur kein Hochdeutsch. Denn Hochdeutsch wird hier auch als 'Richtigdeutsch' oder sozial höher stehendes Deutsch gewertet, was bei den Schweizern einen gewissen Unmut hervorruft. Und den will man ja nicht auf sich ziehen - dafür ist es hier viel zu schön!"
So ist es. Und mancherorts haben schöne Orte in der Schweiz sogar ein überraschendes, abenteuerliches Innenleben. Beweis gefällig? Sehen Sie sich den letzten Beitrag der km42-Schweiz-Tour an!
har