Kletterpfad im Sauerland: "Kyrill" zum Anfassen - DER SPIEGEL
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Kletterpfad im Sauerland "Kyrill" zum Anfassen

Katastrophentourismus, Naturspektakel oder Abenteuerspielplatz? Um das Ausmaß der Zerstörung von Orkan "Kyrill" nachzuempfinden, klettern Wanderer auf einem Pfad in Willingen über umgestürzte Bäume, riesige Wurzelteller und kleine Schluchten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Willingen - Orkan "Kyrill" fegte am 18. Januar 2007 über Deutschland hinweg. Bäume stürzten um, Strommasten knickten ein, der Bahnverkehr wurde eingestellt. "Kyrill" war der stärkste Orkan in Deutschland seit Lothar im Dezember 1999. 13 Menschen starben, der Schaden wurde auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt. Besonders heftig wütete der Sturm in Nordrhein-Westfalen und Hessen, insbesondere im Sauerland.

"Es war gewaltig", erinnert sich Helmut Kesper, Projektleiter für Wandern und Biken in dem Ort Willingen, an die Januarnacht. "Man hörte nur den Sturm wüten, es war wahnsinnig laut, erst am nächsten Morgen haben wir gesehen, dass die ganzen Bäume umgestürzt waren."

Auch acht Monate danach sind die Folgen von "Kyrill" in Willingen noch allgegenwärtig. Zu sehen sind noch immer umgestürzte Bäume, zersplitterte Stämme und kreuz und quer liegende Äste. Arbeiter ziehen dicke Stämme aus dem Wald. Doch während fieberhaft versucht wird, die Folgen zu beseitigen, gibt es seit zwei Wochen einen Themenpfad, der genau das Gegenteil zum Ziel hat: Es soll die Folgen von "Kyrill" bewahren und den Menschen die Möglichkeit geben, auf den Spuren des Orkans zu wandeln.

Der Pfad auf dem Ettelsberg ist 260 Meter lang. Die Besucher streifen durch ein Wirrwarr von Büschen, balancieren über Baumstämme, kriechen unter bis zu fünf Meter hohen Wurzeltellern hindurch. Auch eine kleine Aussichtsplattform gibt es. Der "Kyrill"-Pfad - Katastrophentourismus, Naturspektakel oder Mahnung gegen den Klimawandel? Für Kesper ist er in erster Linie eine Art Abenteuerspielplatz. "Man kann 'Kyrill' hier richtig anfassen", sagt er.

Doch all zu lange wird man mit dem Pfad die Erinnerung an "Kyrill" nicht aufrechterhalten können. "Auch der Pfad ist keine Sache für die Ewigkeit", sagt Kesper. "Ich schätze, wir können ihn zehn Jahre nutzen, ehe die Stämme verfaulen."

Der "Kyrill"-Pfad ist dem "Lothar"-Pfad aus dem Schwarzwald nachempfunden. Der "Lothar"-Pfad, der 1999 nach dem heftigen Orkan angelegt wurde, ist allerdings mit 900 Metern deutlich länger als der Weg in Willingen. Derzeit werde der "Kyrill"-Pfad von Besuchern regelrecht überrannt, sagt Kesper. Man plane, demnächst geführte Touren anzubieten, auf denen die Besonderheiten des Waldes erklärt werden sollen.

Die Waldfläche, auf der der Pfad errichtet wurde, war lange Zeit gesperrt, zu gefährlich war es, die Stellen zu betreten. Vier Wochen lang haben Touristiker die Strecken geprüft und teilweise bearbeitet, damit von dem Holzbruch keine Gefahr mehr ausgeht. Nun windet sich ein schmaler Pfad hindurch, kleine Holzbrücken, mit einem Geländer gesichert, führen über die unwegsamen Stellen.

Besondere Wandererfahrung ist für den "Kyrill"-Pfad nicht erforderlich. Aufgrund der etwas unwegsamen Streckenführung ist aber festes Schuhwerk angebracht. Den Pfad erreichen Spaziergänger bequem mit der Ettelsberg-Seilbahn vom großen Parkplatz an der Talstation aus.

Auf dem Ettelsberg befindet sich auch der Hochheideturm, dessen Aussichtsplattform 875 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Wer etwas Ausdauer hat, erklimmt den Turm über dessen 241 Stufen. Wem das zu anstrengend ist, kann auch einen Aufzug nutzen. Der Aufstieg wird mit einem guten Blick über die Bergwelt des Hochsauerlandes und des Waldecker Landes belohnt. Für Wagemutige befindet sich an der Nord-West-Seite des Turms eine 41 Meter hohe Outdoor-Kletterwand. Der Ettelsberg ist Ausgangs- und Zielpunkt vieler Wanderungen im Sauerland.

son/ddp

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