Kulturgut: Das Geheimnis der Laubenpieper - DER SPIEGEL
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Kulturgut Das Geheimnis der Laubenpieper

Leipzig ist nicht nur die Stadt von Thomaskirche, Gewandhaus, Buch und Wissenschaft. Leipzig ist auch die Hauptstadt der deutschen Kleingärtner. In einer Dauerausstellung illustriert das Deutsche Kleingärtnermuseum die annähernd 200-jährige Geschichte der Bewegung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Leipzig - Besuch hatte das Kleingärtnermuseum schon aus aller Welt. Für Museumsleiterin Brigitte Düsterwald ist das nicht verwunderlich. Schließlich ist das Museum wohl das einzige seiner Art weltweit, wie sie sagt. "Wir zeigen, wie das Kleingärtnerwesen entstanden ist, wie es zu so großer Bedeutung gelangen konnte und sich bis zum heutigen Tag entwickelt hat."

Den Standort im Westen Leipzigs haben die deutschen Kleingartenverbände mit Bedacht ausgewählt. Auf 100 Quadratmetern ist das Museum im Vereinshaus des ältesten deutschen Schrebervereins untergebracht. Auch heute trage Leipzig noch den Beinamen "heimliche Hauptstadt der Kleingärtner", erklärt Brigitte Düsterwald. So steht heute rund ein Viertel aller deutschen Kleingärten in Sachsen. Mit 43.000 Gärten auf 490.000 Einwohnern hat Leipzig die höchste Kleingartendichte in Deutschland.

Herzstück der Anlage des "Kleingärtnervereins Dr. Schreber" ist die Wiese vor dem Vereinshaus. Historische Spielgeräte verdeutlichen hier den Ursprung der Schreberbewegung. Nicht Obstbäume und Rabatten, sondern die Gesundheit der Kinder standen einst im Zentrum der Überlegungen des Orthopäden Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808 bis 1861).

"Die Industrialisierung verhinderte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr, dass die Menschen in Kontakt mit der Natur kamen", erklärt Brigitte Düsterwald. So sei die Idee der Gärten entstanden, die nach dem Arzt aus Leipzig benannt wurden. Sein Name wurde später zum Synonym für Kleingärten im ganzen Land.

Bei den Schreberanhängern zunächst nur angenehme Nebenerscheinung, waren die Gemüsegärten andernorts lebenswichtig. Davon zeugt der erste Teil der Ausstellung, in dem auch die Ursprünge der Arbeiter- und Armengärten erläutert werden. "In den Armengärten konnten sich die Menschen in der Not nach den Napoleonischen Kriegen selbst Nahrungsmittel anpflanzen", erklärt Brigitte Düsterwald.

Auch die Entwicklung der Berliner Laubenkolonien und der Ursprung der Eisenbahnergärten, der Industrie- und Bergarbeitergärten haben am Anfang der Ausstellung ihren Platz.

Einen besonderen Stellenwert hatten die Kleingärten auch später in der Geschichte. In der DDR etwa dienten sie einerseits der Erholung, da die Bewohner der großen Neubausiedlungen keine eigenen Gärten am Haus hatten. Andererseits waren sie für viele ein einträgliches Geschäft. Der Staat kaufte Obst und Gemüse der Kleingärtner zu Preisen auf, die weit höher als in den Kaufhallen lagen.

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur Daten und Fakten aus der Geschichte der Bewegung. Sie vermittelt auch ein Bild von Freud und Leid des Kleingärtner-Alltags. Besonders stolz ist Brigitte Düsterwald auf die Exponate aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Aus ganz Deutschland haben die Museumsbetreiber alte Gartengeräte, Vereinsfahnen, Gründungsurkunden, Jubiläums- und Festschriften zusammengetragen. Auch Dokumente über den Vereinigungsprozess des Kleingartenwesens nach 1990 und Modelle von Gartenanlagen sind zu sehen. So lassen sich etwa die Unterschiede eines typischen DDR-Kleingartens zu einem Gegenstück aus dem Westen ablesen.

Im zweiten Teil der Führung dreht Brigitte Düsterwald mit den Besuchern eine Runde durch die denkmalgeschützte Anlage. Wichtigste Station ist der Museumsgarten mit einer Laube aus dem Jahr 1880. Wie in der damaligen Zeit führt ein schnurgerader Rosenweg vom Eingangstor entlang der Rabatten zum Gartenhäuschen. Die Einrichtung stammt aus der Zeit um die Jahrhundertwende.

Das Museum ist das ganze Jahr über von Dienstag bis Donnerstag zwischen 10.00 und 16.00 Uhr geöffnet. Gruppenführungen sind nach Anmeldung aber auch außerhalb dieser Zeiten möglich. Erwachsene zahlen 2 Euro Eintritt, Kinder 50 Cent.