Kurzfristig und ungeplant: Ein Trip in die Metropole Berlin - DER SPIEGEL
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Kurzfristig und ungeplant Ein Trip in die Metropole Berlin

Die deutsche Hauptstadt scheint vor allem für junge Leute ein attraktives Reiseziel zu sein: Jeder zweite Berlin-Besucher aus dem Ausland ist nach einer Befragung der Tourismuszentrale Berlin unter 35 Jahre alt.
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Der Trend im Reiseverhalten der Gäste aus dem In- und Ausland sind immer kurzfristigere Buchungen: Mehr als 60 Prozent aller Reisenden entscheiden sich nach dieser Befragung acht Wochen vor Reisebeginn, 40 Prozent sogar innerhalb einer Frist von vier Wochen. Zu diesem Ergebnis kam eine Gästebefragung der Tourismuszentrale in Berlin.

Die Hälfte aller ausländischen Reisenden kommt laut dieser Umfrage mit dem Flugzeug in die Hauptstadt, während 80 Prozent der Gäste aus dem Inland entweder mit dem Auto oder mit der Bahn nach Berlin fahren. Mehr als die Hälfte der ausländischen Gäste macht in Berlin Urlaub. Nur knapp 20 Prozent sind auf Geschäftsreise.

Insgesamt sind knapp die Hälfte der ausländischen Besucher junge Leute, bei den Reisenden aus Deutschland macht dieser Anteil mehr als ein Drittel aus. Nach der Befragung der Tourismuszentrale ist jeder zweite Besucher aus dem Ausland unter 35 Jahre alt.

Als besonders positiv bewerten die Berlin-Gäste in der Umfrage die kulturelle Vielfalt und die Atmosphäre in der Hauptstadt. Dazu kann auch der "Tag des offenen Denkmals" beitragen: Besucher können am kommenden Wochenende die meisten Denkmäler in Berlin, auch ohne vorherige Anmeldung, besichtigen. Die Veranstalter erwarten in diesem Jahr einen Besucherrekord.

"Das Programmheft wird uns förmlich aus den Händen gerissen", sagte Christine Wolf, Koordinatorin beim Landesdenkmalamt. Im vergangenen Jahr waren bei schlechtem Wetter etwa 60 000 Besucher gekommen. Bei der 10. Auflage haben die Besucher mit 260 verschiedenen Denkmälern ein so großes Angebot wie nie zuvor.

Unter den Negativ- Punkten listen die Reisenden das Wetter, den Schmutz sowie Verkehr und Baustellen auf. Besonders Touristen aus den Japan, den USA und Italien klagten über Graffiti und Müll. "Die Stadt muss sauberer werden", erklärte Tourismuschef Hanns Peter Nerger.

Für diese Erhebung der Tourismuszentrale wurden zwischen April 2001 und April rund 2000 persönliche Interviews in Hotels, Einkaufsstraßen und an Sehenswürdigkeiten der Stadt geführt. Der Fragebogen ist standardisiert und wird in mehreren europäischen Städten verwendet.

Aber dennoch sind die Prognosen insgesamt eher negativ: Hauptstadt-Tourismus wird voraussichtlich auch im Jahr 2002 weiter auf Talfahrt bleiben. "Wir schließen vermutlich mit einem einstelligen Minus ab", sagte Tourismuschef Peter Nerger. Es gebe keinen Hinweis, dass sich die Krise im Tourismus entschärfe. Für 2003 seien derzeit keine seriösen Prognosen denkbar. "Ich kann auch nicht ausschließen, dass es weiter abwärts geht", sagte der Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH. "Im Moment kann man nur sagen: Wir müssen da durch."

Marketingoffensiven machen keinen Sinn

Besonders schmerze die Stadt der Rückgang im Inlandsgeschäft. "Wir leben, wenn überhaupt, noch ein bisschen vom Ausland", resümiert Nerger. Nach dem 11. September hatte die Berliner Tourismuszentrale vor allem auf ein verstärktes Marketing innerhalb Deutschlands gesetzt, weil die Zahl der Reisenden aus dem Ausland stark zurückging. Marketingoffensiven hätten jedoch derzeit keinen Sinn. "Es gibt ein diffuses Verunsicherungsgefühl beim Verbraucher. Wir erreichen ihn nicht", sagte Nerger. Nach dem 11. September sei nun der drohende Irak-Krieg ein weiterer Negativ-Faktor. "Dann ist es in der Branche zappenduster."

Nach ersten, noch nicht geprüften Studien im Auftrag der Deutschen Zentrale für Tourismus sei der Markt für Städtereisen um 20 Prozent eingebrochen. Auch die Folgen des Hochwassers werden nach Ansicht Nergers im kommenden Jahr negative Auswirkungen auf den Städtetourismus haben. "Die Menschen müssen Geld in ihre Häuser und Geschäfte investieren", sagte er. Als erstes fielen damit Zweit- Reisen beispielsweise nach Berlin in den Plänen von Familien weg. "Den Sommerurlaub wird man sich vielleicht leisten, die Städtereise nicht mehr."

Die Zahl der Übernachtungen in Berlin ging im ersten Halbjahr 2002 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp vier Prozent auf gut fünf Millionen zurück. Die Zahl der Übernachtungen bei Reisenden aus dem Inland sank um knapp sechs Prozent, die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste stieg dagegen um mehr als zwei Prozent. Drastisch sank dabei die Zahl der Übernachtungen bei Gästen beispielsweise aus den USA um 9,4 Prozent. Größter ausländischer Wachstumsmarkt ist derzeit China mit einem Plus von 66 Prozent und einem erwarteten Anstieg für die Zukunft.