Lappland: Keks gegen Rentierkuss - DER SPIEGEL
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Lappland Keks gegen Rentierkuss

Europas letzte Wildnis liegt nördlich des Polarkreises. Die endlose Weite von Finnisch-Lappland können Winterurlauber auf den Kufen eines Hundeschlittens erfahren, quer durch baumlose Fjälls, Tundra- und Wildmarkgebiete, über zugefrorene Seen und tief verschneite Wälder.
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Kittilä - Eddys blaue Augen faszinieren mich, auch die Grünen von Rasmus, die mich unverwandt anschauen. Dann sind da noch die Brüder mit den braunen Augen. Eddy, Rasmus, Einari und Epili - alle vier sind nur für mich da. Wir starten in die Winterlandschaft etwa 170 Kilometer nördlich des Polarkreises. Landschaftlich unterscheidet sich Lappland mit seinen baumlosen Fjälls, den Tundra- und Wildmarkgebieten deutlich vom restlichen Finnland. Es geht durch tief verschneiten Wald und über zugefrorene Seen. 15 bis 20 km/h sind gerade das richtige Tempo, die Entdeckungsreise durch das Reich der Rentiere und Samen zu genießen.

Es ist viel leichter als ich dachte, die vier Huskys in Schach zu halten. Obwohl sie am Morgen ausgeruht sind und lostoben, habe ich sie im Griff. Der Hundeschlitten verfügt sogar über eine Bremse. Die brauche ich vor allem, wenn es um die Kurven geht. Denn ich stehe ohne Bindung auf den Kufen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit und Weite. In Finnisch-Lappland ist man fast allein mit sich und der Natur. Auf einen Quadratkilometer kommen im Durchschnitt nur zwei Einwohner. In Deutschland liegt die Bevölkerungsdichte über hundertmal so hoch. Eingemummelt in einen dicken Overall und gefütterte Stiefel ist die Kälte nicht zu spüren. Es ist ohnehin ziemlich warm: nur 7 Grad Celsius minus. Die tiefsten Temperaturen wurden hier 1989 gemessen: minus 51 Grad Celsius.

"Herrn Jänskolainen" will mehr Keks

Vorn laufen die schnellsten Hunde, dahinter die stärksten. "Huskys sind gelehrig, ehrlich und arbeitswillig", erklärt Reijo. Er ist Inhaber des Huskyparks Kongäs und Züchter der hundert Hunde. Mit einem halben Jahr lernen die Huskys, im Gespann zu laufen, und mit einem Jahr werden sie schon für Hundeschlittenrennen eingesetzt. Reijo hat selbst an vielen Wettbewerben teilgenommen und bisher über 6000 Wettkampfkilometer zurückgelegt - unter anderem in Sibirien, Alaska, Grönland und Kanada. "Man muss das Leben der Wölfe kennen, um das Verhalten der Hunde zu verstehen, wenn man einen Wettkampf bestreiten will", sagt der drahtige Mann. Mit seinen Safaris versucht er, den Gästen einen Eindruck vom Leben in arktischen Gebieten zu vermitteln.

Zurück im Huskypark, wollen plötzlich alle beim "Küssen" mit "Herrn Jänskolainen" fotografiert werden. Ich verzichte auf "Kuss" und Foto. Das Rentier freilich hätte offensichtlich gern noch mehr Kekse von einem Mund stibitzt. Rentierhaltung ist der Haupterwerbszweig der Sámi, wie sich die arktischen Ureinwohner selbst nennen. Lappen gilt als Schimpfwort. Ihre traditionellen Siedlungsgebiete erstrecken sich von Russland und Finnland über Schweden bis nach Norwegen. Innerhalb der finnischen Landesgrenzen leben etwa 7000 Samen. Insgesamt gibt es schätzungsweise zehnmal so viel. In Finnisch-Lappland gibt es rund 200.000 Rentiere und genauso viele Menschen. Rentierfleisch ist eine Delikatesse und findet sich hier im Norden neben Fisch in allen Variationen auf der Speisekarte. Wird Lachs als Vorspeise gereicht, folgt Rentier als Hauptgericht und umgekehrt.

Gute Chance auf Nordlicht

Die Huskyfarm Kongäs liegt in der Nähe von Levi. Das einstige Fjälldorf hat sich in ein pulsierendes Skizentrum verwandelt und besitzt den einzigen Gondellift Finnlands. Bis zum nächsten Flughafen in Kittilä sind es nur 15 Kilometer. Die höchste Erhebung, der Fjäll, misst 531 Meter. Pisten und Loipen sind beleuchtet, wodurch die Landschaft in ein zauberhaftes Licht getaucht wird. Im Januar ist es hier nur etwa vier Stunden hell. Dafür gibt es eine Schneegarantie bis Anfang Mai und sportliche Höhepunkte wie den alpinen Skiweltcup im Slalomrennen der weltbesten Damen, der im Februar 2004 erstmals in Finnland ausgetragen wird.

Wintersport, Rentierküssen und Huskyschlittensafaris sind nicht die einzigen Erlebnisse, die den Lapplandbesucher erwarten. Die endlose Weite lässt sich auch mit einem Motorschlitten bewältigen, von denen allein im Levi-Gebiet manchmal tausend unterwegs sind. Diejenigen, die den besonderen Kick brauchen, suchen ihn auch bei einer Übernachtung im Eishotel. Die Chancen sind günstig, ein Nordlicht zu sehen. Eine Garantie freilich gibt es nicht. Die Lichterscheinung, die nur in den Polarregionen auftritt, kann genauso viel Helligkeit spenden wie der Vollmond. Intensität, Farbe und Form verändern sich blitzartig. Dieses Mal musste ich mich mit dem Leuchten blauer und grüner Augen begnügen.

Von Cornelia Höhling, ddp

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