Lech Catwalk über den Hexenboden
Lech am Arlberg ist eines der exklusivsten Skigebiete in den Alpen. Aber nicht alle Gäste kommen, um ihre Pelzmäntel spazieren zu tragen. Lech hat den großen Vorteil, dass hier fast immer Schnee liegt, zuweilen so viel, dass man weder hin- noch wegkommt. Und das lockt jedes Jahr von Oktober bis April zahlreiche Wintersport-Begeisterte.
Vor 100 Jahren wedelte der Pfarrer von Warth zum ersten Mal die Arlberger Hänge hinunter. Heute bringen 84 Bergbahnen und Lifte die Gäste bis auf 2800 Meter Höhe. Auf 260 Kilometer präparierten Pisten oder 180 Kilometer Abfahrt im freien Gelände schwingen Ski- und Snowboardfahrer dann wieder talwärts. Auch weniger Geübte dürfen sich nahezu überall hoch wagen und das berauschende Panorama genießen.
Der perfekte Skitag beginnt mit einer Gondelfahrt den Rüfikopf hoch auf 2350 Meter. Der gut gelaunte Gondelbegleiter erklärt zum x-ten Mal, wo sich ein gewisser Harry Egger nahezu senkrecht ins Tal zu stürzen gedenkt, um seinen eigenen Geschwindigkeitsrekord von nahezu 250 Sachen auf Skiern zu brechen. Die Gondel schwebt gemächlich über die Gefahrenstelle hinweg. Von hier oben führen auch blaue Pisten ins Tal, für jedermann machbar.
Über zwei sonnige Bergrücken hinweg geht die Tagestour weiter zum Hexenboden. Schon vom Sessellift aus ist zu erkennen, dass hier gute Skifahrer unterwegs sind. Junge und Alte, Männer wie Frauen wedeln steile Hänge hinab, und es ist eine wahre Freude, die Carver bei ihren extremen Kurvenfahrten zu beobachten. Es drängt sich die Frage auf, wie eng so ein Radius auf Skiern eigentlich sein kann.
Wer ausdauernd genug versucht hat, es den Profis gleich zu tun, und schließlich doch noch seine Ideallinie gefunden hat, auf den wartet im Bergrestaurant ein warmer Apfelstrudel. Auch Schnitzel werden geboten und köstliche Suppen, aber es gibt nun mal nirgends so wunderbare Mehlspeisen wie in Österreich.
Nach der Stärkung geht's die gegenüberliegende Talseite hoch aufs Madloch. Die zweite Hälfte des Tages sei den Skirouten gewidmet, die weit abseits der Liftanlagen kilometerweit ins Tal führen. Die Strecken sind allesamt markiert, niemand braucht Angst zu haben, sich im Hochgebirge zu verirren oder sich in Lawinengefahr zu begeben. Zwischendurch tun sich Buckelpisten auf, die mehr oder weniger elegant überwunden werden wollen. Hier stören keine Seilbahnen und Sessellifte den Blick und es kommt das berauschende Gefühl auf, man wäre alleine mit sich und der Natur.
Wer die Skirouten und Tiefschneeabfahrten in Lech getestet hat, kann sich wahrlich Schlimmeres vorstellen, als hier eingeschneit zu werden. Nur das Geld könnte knapp werden für den, der es sich noch verdienen muss.
Mit viel Glück lässt sich eine Unterkunft für 50 Euro pro Person am Tag ergattern. Normal ist eher der doppelte Preis. Der Skipass für eine Woche kostet rund 200 Euro. Wer Skier und Schuhe ausleiht, ist mit 30 Euro am Tag dabei. Da klingt ein Hütten-Kaiserschmarrn für zehn Euro fast bescheiden. Aber eines ist klar: Bei schönem Wetter ist der Skispaß in Lech jeden einzelnen Cent wert.
Allerdings scheint das Problem mit der Urlaubsfinanzierung in Lech nicht weit verbreitet. Am Tag der Abreise packt eine schöne Rothaarige bei herrlichstem Sonnenschein ihre Skier ins Auto ihres Begleiters. Auf die Frage, ob sie das traumhafte Wetter nicht noch ausnützen wolle, antwortet sie gelassen: "Ach, wir überlegen, ob wir nächste Woche wiederkommen."
Mal eben. Die 750 Kilometer aus Hannover. Ins teuerste Skivergnügen Österreichs. Die Dame weiß, wie man sich's schön macht.