Lübecker "Eisarschregatta": Wo ein Mann noch ein Mann sein kann - DER SPIEGEL
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Lübecker "Eisarschregatta" Wo ein Mann noch ein Mann sein kann

Es gibt sie noch - die kleinen Rückzugsorte, wo Männer unter sich sein können und Frauen keinen Zutritt haben. Und wenn dabei auch der Hintern abfriert und das Ganze etwas lächerlich wirkt: Wieder einmal quetschen sich gestandene Segler in kleine Optimisten und messen ihre Kräfte auf der "Eisarschregatta" in Lübeck.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lübeck - Schon seit 35 Jahren zwängen sich an jedem ersten Sonnabend im Dezember ausgewachsene Männer in voller Seglermontur in die kleinen Jugendboote, die "Optimisten", um auf der Wakenitz eine Regatta zu segeln. "Eisarschregatta" heißt diese Wettfahrt ebenso derb wie zutreffend.

Am 6. Dezember ist es wieder so weit. Rund hundert unerschrockene Mannsbilder werden aus ganz Deutschland anreisen, um bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ihr Mütchen und auch edle Körperteile zu kühlen. "Denn bei dieser Regatta gehört das Kentern zur Tagesordnung", sagt Organisationsleiter Günter Arndt vom Lübecker Yacht-Club, der diese unter Seglern berühmte Veranstaltung ausrichtet.

Sorgen, dass sich die harten Männer einen Schnupfen zuziehen könnten, hat er nicht: "Ich habe aber noch nie gehört, dass sich einer dabei erkältet hat, denn die meisten Segler tragen Neoprenanzüge", sagt Arndt. In den 35 Jahren ist die Eisarschregatta denn auch nur viermal wegen Eisgangs ausgefallen.

Einen verkühlten Hintern riskieren dürfen jedoch nur Männer, und davon nur solche, die schon älter als 25 Jahre sind. Immer wieder hat es Vorstöße von Seiten der Seglerinnen gegeben, zu dem Spektakel auch Frauen zuzulassen. Aber die Herren des "Eisarschgilde" genannten Organisationskomitees sind immer hart geblieben. Eine sofort einleuchtende Begründung ist auch zur Hand: "Wenn wir auch Frauen zulassen würden, hätten wir vermutlich schnell mehr Teilnehmer, als wir organisatorisch bewältigen können", sagt Arndt.

Ob Frauen sich aber tatsächlich um die Trophäe schlagen würden, ist zweifelhaft: Dem Gewinner winkt passend zum Motto der Veranstaltung eine Kreation, die wohl nur bei einem Männerstammtisch entworfen werden konnte: die rosarote Nachbildung eines Kinderpopos. Als Modell musste der Sohn des Initiators der Regatta herhalten, es handele sich um einen Originalabguss, versichert Arndt. Ob das stimmt, ist heute nicht mehr nachzuprüfen, und vielleicht ist das auch besser so. Der Sohn ist inzwischen im besten Mannesalter und war selbst Jahre lang begeisterter Teilnehmer der Wettfahrt.