Luftverkehr: Dem Himmel so nah - DER SPIEGEL
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Luftverkehr Dem Himmel so nah

Noch kurz vor dem Abflug heiraten? Pater Maader, der dienstälteste Flughafenpfarrer Deutschlands hat schon alles erlebt. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Das kleine Büro auf der Empore in Halle B im Frankfurter Flughafen ist voll mit Marienbildern und Kreuzen. Mittendrin lebt der katholische Pater Walter Maader, dienstältester Flughafenpfarrer Deutschlands. Seit fast 30 Jahren kümmert er sich um Passagiere.

Christen, Juden und Moslems finden in einem Flughafen mit rund 49 Millionen internationalen Passagieren Zeit zum Innehalten und Beten. Die Airport-Seelsorger helfen gestressten Vielfliegern, ängstlichen Urlaubern, Flüchtlingen - unabhängig von deren Glaubensrichtung.

Auch die rund 62.000 Beschäftigten des Flughafens gehören zu dieser ungewöhnlichen Gemeinde. Jeden Morgen um 9.00 Uhr liest Pater Maader für alle eine Messe. "Danach kommt im Laufe des Tages immer wieder Neues auf mich zu", sagt der 72 Jahre alte Mann. Ein Obdachloser, der sechs Mark für Zigaretten schnorrt - und sie jedes Mal bekommt. Blinde, Kinder und ältere Menschen, die bis zum Check-in begleitet werden. Bestohlene, die dringend telefonieren müssen, Arme, die Essen und ein Bett brauchen. Um sie alle kümmern sich der Geistliche, die Sozialarbeiter des ökumenischen Sozialdienstes und 40 Ehrenamtliche.

Taufe zwischen Koffern

Flughafenpfarrer gibt es an fast jedem internationalen Flughafen. Die größte Dienststelle Deutschlands ist Frankfurt, danach folgt München. An den Airports in Berlin werde dagegen "der seelische Beistand durch Geistliche nicht gesucht", sagt Sprecherin Ute Kalauch. In Düsseldorf soll es vom 1. Juli an einen Gedenkraum geben - zum Andenken an die Opfer des Großbrandes von 1996. "Ein ständiger Seelsorger ist aber nicht vorgesehen", sagt die Medienbeauftragte Fatima Moravitz. In Dresden wurde jüngst eine Flughafenkapelle eingeweiht.

In Frankfurt können Menschen vor dem Abflug heiraten oder ihr Kind taufen lassen. "Das ist jedes Mal wieder schön", sagt Pater Maader. An Ruhestand denkt er deshalb noch lange nicht.

Maike Wessolowski, dpa