Metropolitan light: Die Silberpfeile der Bahn - DER SPIEGEL
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Metropolitan light Die Silberpfeile der Bahn

Ab sofort fährt der Metropolitan mit vier Klassen. Dem Zug für Geschäftsreisende zwischen Hamburg und Köln wurde eine preiswerte Wagenklasse angehängt. Mit günstigen Tarifen sollen Privatreisende in die "Traveller"-Waggons gelockt und die Auslastung erhöht werden.
Von Till Bartels
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer für eine Fahrt mit dem Metropolitan ein Ticket reservieren wollte, hatte schon immer die Qual der Wahl: Statt der üblichen zwei Wagenklassen durften sich Reisende zwischen drei Premium-Bereichen entscheiden, die mit der 1. Klasse vergleichbar sind: "Office" (mit großen Tischen, Laptop-Anschlüssen und störungsfreiem Handy-Empfang), "Silence" (gedämpftes Licht, Audioprogramm per Kopfhörer, keine Telefonate per Handy) und "Club" (individuelles Videoprogramm und Vis-à-vis-Anordnung der Sitzplätze). Jetzt ist das Konzept um einen vierten Bereich ergänzt worden. "Traveller" nennt sich die neue Klasse. Dazu wurden zwei Waggons umgebaut und der Sitzabstand verändert: Statt drei gibt es im Traveller-Bereich vier Sessel pro Sitzreihe.

Die abgespeckte Version wendet sich an eine neue Zielgruppe: preisbewusste Privatreisende. Auf die am Platz servierten Snacks und die Business-Funktionen wurde beim "Metropolitan light" verzichtet. Aber trotz des um ein Drittel reduzierten Grundpreises gibt es in der Traveller-Klasse das Metropolitan-Ambiente: warmes Birnbaumholz, viel Edelstahl und schwarze Sitze. Eine Tageszeitung, alkoholfreie Getränke und Platzreservierung sind weiterhin im Fahrpreis inbegriffen.

Der Metropolitan gilt als der schönste Zug der Bahn - nur kaum einer kennt die komfortable Städteverbindung zwischen Elbe und Rhein. Die beiden silbergrauen 180 m langen Zugpaare pendeln seit August 1999 bis zu vier Mal täglich zwischen Hamburg und Köln, mit nur einem Halt in Essen und Düsseldorf. Im Gegensatz zum Intercity mit über vier Stunden Fahrzeit legt der Metropolitan die 425 Kilometer lange Strecke in nur 3 Stunden und 20 Minuten zurück. Für die Reise ist ein besonderer Fahrschein mit Platzreservierung erforderlich. Die Buchung erfolgt per Anruf im eigenen Callcenter (Tel. 01805 - 905 805) oder als Anfrage über die gerade neugestaltete Internetseite.

"Montagmorgen und am Freitagnachmittag sind wir richtig voll," sagt ein Steward und nennt das Problem beim Namen: die stark schwankende Auslastung. Denn die Züge am späten Vormittag und am Wochenende sind häufig leer.

Seit seiner Jungfernfahrt im August 1999 gilt der Metropolitan als Insidertip unter Geschäftsreisenden. Wer mit ihm einmal gefahren ist, schwört auf ihn. Das Konzept der Metropolitan Express Train GmbH, ein Unternehmen der Deutschen Bahn Gruppe, scheint aufgegangen und hat 40 Prozent der Reisenden vom Flugzeug auf die Schiene gelockt. Längst hat der Metropolitan seine eingeschworene Fan-Gemeinde. Personal und Stammkunden kennen sich und nicken einander beim Wiedersehen freundlich zu. Der Kreis ist klein, man bleibt unter sich.

Mit Sprüchen wie "guter Espresso fliegt nicht", kostenlosen Tageszeitungen, Getränken und kleinen Gerichten wirbt der silberfarbige Luxuszug für sich. Ungewöhnliche Details wie selbstreinigende Toilettenbrillen, der Rufknopf für das Servicepersonal über jedem Sitz und ein Humidor für den stilvollen Zigarrenverkauf an Bord sorgen für Aufsehen. Den ICE setzt die Bahn auf dieser Route bewusst nicht ein.

Für das edle Interieur ist das Hamburger Architektenteam Gerkan, Marg und Partner verantwortlich. Sogar an einen Babywickeltisch wurde gedacht. Nur der Selbstbedienungsterminal eines Autoverleihers wurde wieder abgeschafft. "Der wurde kaum benutzt", so das Personal am Leihwagenschalter im Essener Hauptbahnhof.

Bewährt hat sich das "virtuelle Ticket". Bei der telefonischen Buchung wird der physische Fahrschein überflüssig. Per Kreditkarte oder Abbuchung wird der Ticketpreis gezahlt, der Kunde braucht sich nur seine Sitzplatz- und Wagennummer für die Fahrt zu merken. "Etwa 30 Prozent unserer Fahrscheine werden auf diesem Wege gebucht," so Metropolitan-Geschäftsführer Christian Brambring.

Neu ist auch die Preispolitik. Die einfache Fahrt in den Bereichen Office, Silence und Club kostet 206 Mark, im Traveller-Bereich 138 Mark. Das günstigste Weekend Special gibt es für Bahncard-Inhaber bereits ab 145 Mark (hin und zurück). Ab dem 30. September gilt eine Ermäßigung für Bahncard-Inhaber der 2. Klasse nur noch im Traveller-Bereich.