Nordsee: Wind, Wellen und Watt - DER SPIEGEL
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Nordsee Wind, Wellen und Watt

Schlank räkelt sich Wangerooge in der Nordsee. Die östlichste der ostfriesischen Inseln ist auch eine der kleinsten: Von der Westspitze aus ist schon die Nachbarinsel Spiekeroog zu sehen - und auch das Festland ist so nah, dass man bei Ebbe zu Fuß an die friesische Küste laufen könnte.
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Wangerooge - Verkehrsschilder gibt es nicht viele, dafür aber einige auffallende: der Hinweis "Handkarren und Fahrräder verboten" findet sich gleich mehrfach. Von Autos ist nicht die Rede - die fehlen auf der Insel. Wenn es in der Zedelius-Straße, der "Hauptschlagader" Wangerooges, mal zum Stau kommt, dann nur, weil Bollerwagen, Kinderkarren, bummelnde Urlauber oder Kinder auf Kickboards das Vorwärtskommen behindern.

Wer auf die Insel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer reisen möchte, muss zunächst nach Harlesiel, einem kleinen Ort an der Küste. Die Anreise mit dem Schiff ist gemächlich: Von der Küste bis zum Inselzentrum sind die Passagiere gut eineinhalb Stunden unterwegs. Den größeren Teil der Zeit beansprucht die Fähr-Überfahrt, den Rest die Reise mit der Inselbahn.

Mit kaum messbarer Geschwindigkeit zuckelt die Lok mit ihren kleinen Waggons durch die Insellandschaft, so dass die Ankommenden ausgiebig Gelegenheit haben, sich mit Wangerooges Farbpalette vertraut zu machen: In Weißgrau schweben die Möwen über dem hellen Ocker der Dünen. Lila blüht von Juli bis September der Strandflieder in den Salzwiesen entlang der Bahnstrecke. Rot und weiß geringelt ragt im Westen der neue Leuchtturm in den Himmel.

Viele Besucher zieht es gleich nach der Ankunft ans Meer: Die Strandpromenade, an der auch einige der Hotels und das Kurhaus zu finden sind, verläuft parallel zur Wasserlinie. Ein Strandabschnitt ist extra zum Baden ausgewiesen. Heiß begehrt sind die Strandkörbe, die sich Urlauber am besten schon vor der Anreise reservieren lassen sollten. Um so manchen Strandkorb bauen fantasievolle Mütter und Väter ganze Sandburganlagen, in der Hoffnung, Schaufeln, Backformen, Badetücher und Strandschlappen auf diese Weise besser zusammen halten zu können.

Unbedingt zu empfehlen ist eine Wattwanderung, bei der kundige Insulaner erklären, wie oft die Salzwiesen überflutet werden, wo der Wattflieder blüht oder warum die See vor Wangerooge als Schiffsfriedhof gilt. Wer Wangerooge etwas umfassender erkunden möchte, ist gut beraten, sich Fahrräder auszuleihen. Kinderanhänger sind problemlos zu bekommen.

Am Deich entlang, vorbei an mannshohen Hagebutten, Kiefernbüschen und blühendem Löwenzahn führt eine der für Radfahrer empfehlenswerten Strecken ans Westende der Insel, wo etliche Schullandheime zu finden sind und der Westturm, in dem die Jugendherberge untergebracht ist. Auch der neue Leuchtturm ragt hier in den Himmel - zu besichtigen ist er allerdings nicht.

Dafür bietet sich ein Besuch im Alten Leuchtturm an, der sich im Zentrum des Inseldorfs findet. 1856 in Betrieb genommen, gab er bis 1969 den zahlreichen Schiffen Orientierung, die an Wangerooge vorbei Kurs auf die Wesermündung nehmen. Inzwischen ist er eine der wichtigsten Insel-Sehenswürdigkeiten: Mehr als eine Million Besucher wurden in den vergangenen 30 Jahren gezählt. Zu seinen Füßen steht die letzte Dampflok der Inselbahn, Baujahr 1929, die bis in die Späten fünfziger Jahre im Einsatz war - und 353.000 Kilometer hinter sich hat.

Wer nach einem anstrengenden Nachmittag am Strand mit Blick aufs Meer etwas entspannen möchte, der tut das traditionell im Café Pudding: Familie Folkerts serviert dort seit 1949 Kaffee und Kuchen - und Ostfriesentee natürlich, in kleinen flachen Tassen.

Andreas Heimann, gms

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