Onlinebuchung: Aufwind mit Verspätung - DER SPIEGEL
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Onlinebuchung Aufwind mit Verspätung

Die Reisebuchung im Internet findet auch in Deutschland immer mehr Zuspruch. Die meisten Angebote stammen indes aus der gleichen Datenbank.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Etwa 230 Millionen Mark wurden im Jahr 2000 über das Internet umgesetzt - das sind im milliardenschweren Reisemarkt kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Trotzdem versuchen immer mehr Anbieter an dem kleinen Reisemarkt Online zu partizipieren. Beim Flugbuchungssystem "Info-Flyway" der Lufthansa scheint die Rechnung aufzugehen - trotz verhältnismäßig hohen Linienflugtarifen und komplizierter Navigation der Website. Die Lufthansa rechnet damit, dass bis zum Jahr 2005 etwa 25 Prozent der Flugreisen über Internet vertrieben werden. Zur Jahresmitte startet das "Online Travel Portal", mit dem die Kranich-Linie in den Internet-Reisemarkt einsteigt und nicht nur Flüge verkaufen will.

Das Internet-Reisebüro auf Kundenfang

Der B2C-Reisemarkt ("Business to Consumer"-Markt) befindet sich - mit starker Verspätung - im Aufwind. Obwohl die erhofften Renditen in den Entwicklungsjahren nicht eingelöst werden konnten, gründeten viele meist kleinere Reisebüros eigene virtuelle Filialen. Beratung und Tickettransfer durch Spezialisten auch im Internet - daran hängen die Erwartungen der Reisebürobranche.

Und die Aussichten für den Direct-Marketing-Vertrieb von Reisen scheinen gut zu sein. Die Website einer virtuellen Reisebüro-Filiale, die bei einer Suchmaschine oder einem Webkatalog gelistet ist, kann manch findigen Surfer dazu bringen, den Städtetrip, das Last-Minute-Angebot oder das Pauschalpaket online zu buchen.

Zudem können die virtuellen Reisebürofilialen dem potenziellen Internetkunden einfach den Zugriff auf datenbankgestützte Buchungsdaten überlassen und ihm die Infoarbeit aufhalsen, die zuvor von geschulten Reisebüromitarbeiter geleistet wurde.

Buchbare Reisen en masse aus einer Datenbank

Das Norderstedter Unternehmen "Buchungsmaschine.de" beliefert virtuelle Reisebüros und Portale mit datenbankgesteuerten Webseiten von buchbaren Reisen und Charterflügen. Deren Spezialdatenbank "Tourfinder" ist inzwischen von zahlreichen Internet-Reisebüros, Portalen oder reisemarktfremden Anbietern wie Internet-Auktionshäusern oder Shopping-Malls lizenziert und in einschlägige Webauftritte eingebunden.

Abrufbar sind über den "Tourfinder" Last-Minute-, Kurzfrist-, Charterangebote sowie ein Online-Preisvergleich. Von den 17.000 Voll-Service-Reisebüros in der Bundesrepublik nutzen rund 2000 den IT-Service des Norderstedter Unternehmens. Die Folge: Ein Großzahl surfender Kunden trifft immer wieder auf dieselbe Datenbank, die sie nach der Abfrage dann mit den gleichen Resultaten konfrontiert.

Durch den Einsatz der "Buchungsmaschine.de"-Datenbank suggerieren viele mit Reisen handelnde Websites eine Vielfalt, die bei Lichte besehen auf Pauschal-, Last-Minute- und Charterflug- ("Nur Flug")-Angebote ganz bestimmter touristischer Reiseveranstalter zusammenschrumpft.

Oft sind es die gleichen bekannten Reiseziele, Urlaubsorte und Hotels des Massentourismus, die aus der Tour-Finder-Datenbank gefiltert werden. Spezialreiseveranstalter sind nicht in diesen Datenbanken vertreten. Um auf deren Websites zu kommen, um Angebote und Preise abzufragen, müssen Suchmaschinen und Webkataloge bemüht werden.

Direktbuchung ist Trumpf im Internet

Datenbankabnehmer der "Buchungsmaschine.de" sind vor allem mittelständische Reisevermittler mit Internetauftritt. Die Einbindung der vorgefertigten Tourfinder-Webmaske der "Buchungsmaschine.de" hat aber ihren Preis. Neben einer Monatspauschale sind drei Mark pro erfolgter Buchung über die eingebundene Datenbank von "Buchungsmaschine.de" fällig. Mancher Reisebüroinhaber, der mit einer virtuellen Filiale den Weg ins Internet sucht, wird wohl kaum daran vorbeikommen, die Dienstleistung des Norderstedter Unternehmens in Anspruch zu nehmen.