Pisten-Blog Abschied vom Skischuhschnallenschließgeräusch
Skitour in Frankreich: Abschied vom Schnee für einige Monate
Foto: Stéphanie SouronIn Warth sind die Bedingungen dieser Tage noch traumhaft, trotzdem ist ein Ende in Sicht: In den Alpen werden die ersten Talabfahrten geschlossen, die Ohrwärmer aus den Helmen gefriemelt und die Sonnenschirme auf den Terrassen der Skihütten aufgespannt.
Nachmittags fährt man mancherorts schon durch graue Pfützen - ein sicheres Zeichen dafür, dass der Winter langsam müde wird. Und wie immer, wenn das Ende naht, packt uns Skifahrer leise Wehmut. Mindestens sechs Monate, eher sieben oder acht, müssen wir warten, bevor wir wieder auf dem weißen Teppich fliegen dürfen. Das ist eine kleine Ewigkeit!
Was habe ich diesen Winter wieder im weißen Paradies erlebt: Ich habe meine erste 360-Grad-Drehung gemeistert (auf der Piste natürlich, nicht in der Luft) und die erste Tiefschneeabfahrt auf nur einem Ski absolviert (ungewollt). Bin im Nebel in ein monströses Schneeloch gefallen und im Montafon eine der steilsten Pisten der Alpen runtergefahren.
Habe in einem Tipi Rindersteaks gegessen, im Schneesturm Stullen verspeist und im Januar mit viel Tamtam Silvester auf der Piste gefeiert (weil man das wegen der vielen Russen neuerdings so macht). Ach, passé. Ich werde die Skischuhschnallenschließgeräusche vermissen. Sogar die kalten Hände und die blauen Flecken an der Wade vom klapprigen Sessellift, der zu schnell angerauscht kam, werden mir fehlen.
Bevor es jetzt zu sentimental wird, backe ich schnell einen Kaiserschmarren. Das hilft ja immer gegen das Fernweh nach den Bergen. Und das Rezept ist super , denn der Schmarren wird am Schluss in der Pfanne karamellisiert und ist dann außen knusprig und innen fluffig und weich. So einen habe ich diesen Winter leider nirgendwo bekommen.
Es bleiben also noch Projekte für die kommende Saison. Auf der langen Liste der noch zu erlebenden Skiabenteuer steht zum Beispiel die Sella Ronda in den Dolomiten. Die Riesenrunde um den Berg bin ich noch nie gefahren - der Ausblick soll fantastisch sein. Ich würde auch gerne von Val Thorens aus, dem höchst gelegenen Skiort Europas, die 600 Pistenkilometer der Trois Vallées erobern.
Und wenn mich der Mut nicht verlässt, probiere ich vielleicht auch mal "Speedriding". Besonders in den französischen Alpen sieht man seit einigen Jahren immer wieder Skifahrer, die mit einer Art Fallschirm in den Händen abseits der Piste fahren - und wenn eine Klippe kommt, springen sie einfach drüber und segeln ein paar hundert Meter den Berg hinunter. Wenn sie einen schönen Tiefschneehang sehen, setzen sie auf und fahren weiter.
Angeblich kann man die Grundlagen fürs Speedriding in zwei Wochen lernen. Im Skigebiet Les Arcs finden regelmäßig Einsteigerkurse für jedermann statt. Aber ob ich mich das nächstes Jahr traue? Abwarten.
Die beste Nachricht dieser Tage kommt ja vom Wetterdienst. Eine neue Kältewelle ist da. Vielleicht warte ich nach meiner Rückkehr aus Warth doch noch ein bisschen mit dem Einmotten der Skier. Über Ostern findet sich bestimmt noch ein Fleckchen mit Schnee. Und in Val Thorens drehen sich die Lifte bis zum 22. Mai.
Das Skifahren hat Stéphanie Souron schon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen - inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer keine Lösung.
Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und über alles, was im Winter draußen Spaß macht.