Pitztaler Gletscher Das weiße Rauschen
St. Leonhard - Wer in Österreich hoch hinaus will, ist auf dem Pitztaler Gletscher in Tirol gut aufgehoben: Bis auf 3440 Meter Höhe befördert die Pitz-Panoramabahn Skifahrer und Snowboarder, nach Angaben des Tourismusverbands Pitztal so hoch wie keine andere Bergbahn in Österreich. Aber nicht nur das grandiose Bergpanorama rund um die Wildspitze, den mit 3774 Metern höchsten Gipfel Tirols, macht das Gletscher-Skigebiet zwischen Kaunertal und Ötztal zu einem echten Winter-Höhepunkt.
"Die Schneesicherheit ist ein entscheidendes Argument für die Leute, die von weiter her anreisen", sagt Willi Krüger von der Pitztaler Gletscherbahn-Rifflseebahn in St. Leonhard. Außerdem hat der Schnee auf dem Gletscher den Ruf, wegen der beständigen Temperaturen auf 3000 Metern Höhe besonders locker und leicht zu sein. Vor allem bei Neuschnee lohnt es sich, frühmorgens auf den Berg zu fahren, um den Pulverschnee auf den noch nicht präparierten Pisten zu genießen.
Insgesamt drei Skigebiete sind im Pitztal erschlossen: Am Eingang des Alpen-Hochtals liegen die Sonnenhänge am Hochzeiger mit Pisten auf 1450 bis 2450 Metern. Die Talstationen der Bergbahnen zum Skigebiet Rifflsee und auf den Pitztaler Gletscher finden sich am Ende des engen Tales.
Gut überschaubare Pisten
Skipässe werden entweder für das Innerpitztal, also Gletscher und Rifflsee, für den Hochzeiger oder für alle drei Skigebiete zusammen angeboten. Kinder unter zehn Jahren fahren kostenlos, wenn ein Elternteil einen regulären Skipass kauft. Das Gebiet am Hochzeiger ist mit 45 Pistenkilometern vor allem für Familien interessant. Auf den insgesamt etwa 20 Kilometer langen Pisten rund um den Rifflsee kommen auch sportliche Fahrer auf ihre Kosten.
Auf dem Gletscher findet sich im Jahresverlauf wechselndes Publikum ein. Die Skisaison dort hat bereits Mitte September begonnen, die letzten Skifahrer fahren Ende Mai über die Pisten. "Im Herbst schwingen sich hier Leistungssportler ein, Skischulen veranstalten Skilehrerfortbildungen," erklärt Willi Krüger. Im Dezember kommen die sportlich Aktiven, die schon vor Weihnachten auf die Piste wollen, im Frühjahr die Genussfahrer." Zur Hauptsaison tummeln sich aber auch Familien und Skischulen auf den breiten Pisten des Gletschers, die die Überschaubarkeit des Skigebiets schätzen.
Denn mit zwei Schleppliften, einem Übungslift, einer Sesselbahn und zwei Gondelbahnen ist das Skigebiet nicht gerade weitläufig. Zur Saison 2006/07 wurde der Sessellift am Gletschersee modernisiert, der steile Schlepplift Mittelbergjoch I wurde durch eine Achter-Gondelbahn ersetzt. Beide neuen Anlagen sollen Anfang Dezember in Betrieb genommen werden.
Mit der "Gletscher-U-Bahn", dem Pitzexpress, gelangen die Wintersportler durch einen finsteren Stollen auf den Gletscher in rund 3000 Meter Höhe. Dabei handelt es sich nicht etwa, wie es den Anschein hat, um eine Zahnradbahn. Die Züge werden an Seilen durch den Tunnel gezogen und überwinden in acht Minuten 1120 Höhenmeter.
Grandiose Aussicht
Wem der Trubel auf der Piste zu viel wird, findet etwas Ruhe in der Kappelle des weißen Lichts. Das Gotteshaus aus Carrara-Granit wurde von dem Tiroler Künstler Rudi Wach entworfen. "Das ist ein Punkt der Besinnlichkeit und inneren Einkehr, wie er in Tirol in den Bergen durchaus üblich ist", sagt Krüger.
Von der Bergstation des Pitzexpresses aus überblickt man die breiten Abfahrten des Skigebiets. Bei schönem Wetter blendet ein Meer von Eiskristallen die Sicht, die Gletscherspalten schimmern bläulich. Auf 30 Pistenkilometern tummeln sich Snowboarder und Skifahrer. Die breiten Pisten bieten viel Platz für weite Carving-Schwünge. Neben dem Brunnenkogel-Schlepplift kommen Snowboarder und Freestyler auf ihre Kosten. Hier finden sie Boarder Cross Park und Fun Park mit Halfpipe. Die Höhenloipe auf 2600 Metern ist rund sechs Kilometer lang.
Die längsten Abfahrten beginnen auf 3440 Metern an der Bergstation der Pitz-Panoramabahn auf dem Hinteren Brunnenkogel. Einmal dort oben angekommen, lohnt es sich, Skier oder Snowboard noch eine Minute abgeschnallt zu lassen und die Aussicht auf die Wildspitze und die umliegende Bergwelt zu genießen. Abwärts geht es von hier auf roten, also mittelschweren Pisten. Nur zwischen den gewalzten Abfahrten können sich Skifahrer und Snowboarder im Tiefschnee austoben.
Annika Graf, gms