Radeln im Artland: Im Zeichen des Drachens - DER SPIEGEL
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Radeln im Artland Im Zeichen des Drachens

Platt und beschaulich – das Artland nördlich von Osnabrück könnte man glatt langweilig nennen. Für Ruhe suchende Radler mit Sinn für alte Bauernkultur und Freude an einer parkähnlichen Landschaft ist das jedoch genau richtig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Quakenbrück - Braun-weiße Kühe zupfen friedlich Gras aus der Erde, die Chance, einen Fasan zu sehen, sind gut: Im Artland nördlich von Osnabrück finden Reisende die Ruhe, die sie suchen. Doch bei aller Beschaulichkeit steckt die Samtgemeinde, die sich aus den Orten Quakenbrück, Badbergen, Menslage und Nortrup zusammensetzt, voller kleiner Überraschungen.

Um diese zu entdecken, ist das perfekte Verkehrsmittel das Fahrrad: Gut ausgeschilderte Themenrouten wie die Giebel-, Kunst- und Gartentour leiten die Radler durch das Artland. Vor allem die Hauptattraktion der Gemeinde - die riesigen, einzeln stehenden Hofanlagen mit markanten Giebeln - lassen sich auf einem der Wege nacheinander anfahren. "Die meisten der Höfe wurden im 18. Jahrhundert gebaut", erläutert Heinrich Böning, Leiter des Stadtmuseums in Quakenbrück. Das älteste erhaltene Gebäude stamme von 1584. Markant ist nicht nur die Einzellage jedes Gehöfts, sondern auch die rechteckige Anordnung der Gebäude.

Ausdruck des bäuerlichen Selbstbewusstseins von damals - die fruchtbaren Böden und die Wasserläufe der Hase schufen beste Voraussetzungen für hohe Erträge - sind die prächtigen Schaugiebel. Sie täuschen mehrere Geschosse vor. Über die Jahre entstand ein regelrechter Wettstreit um die größten und prunkvollsten Giebel, was zu den Gefachen und Fronten führte, die heute noch zu bestaunen sind. Wer genau hinschaut, findet in einigen Giebeln, aber auch in historischen Möbeln oder Kirchenstühlen, eingekerbte Drachen.

Tag des offenen Denkmals

Das Furcht einflößende Fabeltier ist das Symbol der beschaulichen Region. Laut Heinrich Böning hat es sich seit der Renaissance gehalten - und sogar Einzug in die moderne Welt gefunden: Die Profibasketballer der Stadt Quakenbrück, die in diesem Jahr deutscher Vizemeister wurden, heißen aus dieser Tradition heraus "Artland Dragons". Wer einen Blick hinter die hübschen Giebel werfen will, kann dies am zweiten Septemberwochenende tun. Am Tag des offenen Denkmals öffnen im Artland rund 50 Höfe, Baudenkmäler und Restaurants ihre Tore.

Die Radfahrstrecken im Artland sind flach und führen meist auf kleinen, wenig befahrenen Straßen an den Höfen vorbei. Zwar haben häufig Handwerker, Künstler oder Architekten Hofanlagen für ihr Leben und Arbeiten erworben. Einige der großen Anlagen werden aber nach wie vor bewirtschaftet. Die Bauern haben verschiedene Strategien entwickelt, sich den heutigen Anforderungen an die Landwirtschaft anzupassen: Davon zeugen neue, etliche Meter lange Tiermastställe. Andere Landwirte haben sich auf Fremdenzimmer, Heuhotelangebote oder Direktvermarktung spezialisiert.

Mit dem Hofverkauf von Biobrot hat sich zwischen Groß Mimmelage und Menslage, abseits jeglichen Verkehrs, die Ökobäckerei Wieruper Hof ein neues Geschäft erschlossen. Gruppen, die sich , erhalten eine Brotzeit oder ein Ökofrühstück. Einkehr für erschöpfte Radler bietet die Familie Elting-Bußmeyer, die auf ihrem Hof in Badbergen/Vehs ein gemütliches Café eröffnet hat. Dort lässt sich bei einem Artländer Apfelkuchen verweilen.

Die Samtgemeinde Artland ist klein, misst nur 25 Kilometer in Ost-West-Richtung und 15 Kilometer vom Norden bis zum Süden. Radler können also bequem an einem der Orte absteigen und zu Tagestouren starten. Große Augen dürften sie machen, wenn sie auf der Kunstroute zwischen Menslage und Quakenbrück unterwegs sind. Da grast auf der Weide keine Kuh, sondern eine Herde Alpakas.

Von Petra Reinken, gms

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