Radwandern Blütenmeer und Wasserwege
Kudelstaart - Kurz hinter dem Örtchen Cruquius, am Kanal des Haarlemermeer-Polders, lässt Tourleiter Bram Schilperoord die Radler anhalten: "Seht ihr die Blumen drüben hinter den Bauernhöfen? Das sind die ersten Tulpenfelder des heutigen Tages". Knallrot und leuchtend-gelb heben sich tausende Blüten vom braunen Boden ab.
Vier Tage ist die 16-köpfige internationale Gruppe - Amerikaner, Engländer, Italiener, Deutsche und Slowenen -unterwegs: Von Amsterdam über Haarlem, Heemstede und Hillegom, Lisse und Leiden, Woubrugge, Wetering nach Kudelstaart und Alsmeer. Tagsüber wird ein paar Stunden geradelt, am späten Nachmittag finden die Gäste ihr Hotelschiff bereits am nächsten Zwischenstopp vor.
Die schwimmende Herberge heißt "Jelmar" und ist ein ehemaliger Frachtkahn. Seit sechs Jahren fährt die Schifferfamilie Koers Touristen auf dem Wasserweg durch die Niederlande. Übernachtet wird in kleinen Zwei-Bett-Kabinen, die alle über eine eigene Dusche und Toilette verfügen. Das Frühstück wird im hellen Salon der "Jelmar" gemeinsam eingenommen. Und abends bringt Schifferfrau Geke Koers sogar Drei-Gänge-Menüs auf den Tisch.
Der Besuch des Keukenhofes bei Lisse gehört zu den Höhepunkten der Rundreise. Mehr als sieben Millionen Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Krokusse bieten mit prächtigen Farben und verschiedenen Blütenblättern unter jahrhundertealten Buchen ein eindrucksvolles Bild. Der Keukenhof hat jedes Jahr nur rund sechs Wochen geöffnet. Mit seiner Blütenpracht gilt er als Aushängeschild der holländischen Blumenzwiebelzüchter und als "schönstes Schaufenster der Region".
Auf verschlungenen Pfaden geht es gemächlich durch die Blumenzwiebelregion Bollenstreek, bis die Universitätsstadt Leiden am Horizont auftaucht. Am Rande der Altstadt hat die "Jelmar" schon angelegt. Holland wie aus dem Bilderbuch steht auch am folgenden Tag auf dem Programm. Tourleiter Schilperoord führt die Radwanderer zur Broekdijk-Windmühle. Auf steilen Stiegen geht es bis hoch in den Mühlenkranz. Hier ist man den mächtigen Flügeln der Windmühle ganz nah, die sich kraft des Windes drehen und dabei mit dem Schöpfwerk das Land ringsum entwässern.
Blumenauktion in Alsmeer
Während für die Tulpentour vier Tage angesetzt sind, dauern die anderen Touren unter dem Motto "Mit Boot und Bike durch die Niederlande" meist acht Tage. Saison ist von Mitte April bis Mitte September. Ob Süd- oder Nordholland, die Provinz Seeland oder und auf der Fährroute von Halbinsel zu Halbinsel, dank des großen Angebots lässt sich fast jeder Winkel des holländischen Königreichs auf diese Art und Weise erkunden.
Als schwimmendes Hotel sind die Schiffe schon nachmittags vor Ort. Wer nicht radeln mag, der kann tagsüber an Bord bleiben und die Frühlingslandschaft vorüberziehen sehen. Am letzten Tag der Tour müssen die Radler besonders früh aus den Federn: Von dem verschlafenen Örtchen Kudelstaart aus strampelt die Gruppe schon morgens um 7.00 Uhr nach Alsmeer zur Blumenauktion. Täglich werden hier an die 18 Millionen Schnittblumen versteigert. Das größte Blumenhandelszentrum der Welt hat eine Fläche von rund 140 Fußballplätzen.
Von Alsmeer aus sind es per Schiff nur noch ein paar Stunden nach Amsterdam. Schiffer Albert-Jan Koers steuert das Hotelschiff sicher durch das Labyrinth der Kanäle und Grachten bis ins Zentrum der Großstadt. Wie von Geisterhand klappt Brücke um Brücke nach oben und lässt die "Jelmar" passieren. Sogar die Straßenbahnen stoppen. Schiffe haben hier Vorfahrt - sehr zur Freude der 16 Reisenden an Bord.
Von Bernd F. Meier