Reisehorror: "Dabei rammte ich einen Wegweiser..." - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Reisehorror "Dabei rammte ich einen Wegweiser..."

Eine nicht rechtzeitig ausgewechselte Batterie, Dunkelheit, Berufsverkehr und ein bisschen Regen. SPIEGEL-ONLINE-Leser Heinz-Rüdiger Bellmann weiß, was dabei herauskommen kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es begab sich unlängst in Hannover, genauer: am Flughafen derselben Stadt und zwar nach Ankunft dort von einer längeren Reise. Mein Wagen hatte im Parkhaus gestanden - eine Woche - und mir war sofort klar, warum die Zentralverriegelung nicht an allen Türen schnappte, als ich mit dem Schlüssel die Fahrertür entriegelte: Die Batterie war tot, Folge meiner eigenen Unachtsamkeit; schon Wochen zuvor war ich morgens liegen geblieben, ein Nachbar hatte mir Starthilfe gegeben.

Der "Gelbe Engel", der zu rufen gewesen war, sah mich etwas von der Seite an, nachdem er sein dienstliches Starterkabel wieder abgeklemmt hatte und der Motor wieder lief.

Dass hier etwas nicht stimmte, war schon beim bloßen Hinhören offenkundig: Irgendetwas säuselte, pfiff - irgendjemand tippte später auf die Lichtmaschine. Ich fuhr also auf die nächtliche Autobahn, Kurs Richtung Küste. Es war kalt im Wagen, denn an ein anständiges Heizen war nicht zu denken, seitdem ich zuvor an einer roten Ampel den waghalsigen Versuch unternommen hatte, das Gebläse anzuschalten und der Motor auf der Stelle auszugehen drohte.

Irgendwann fing es an zu regnen. Die Scheibenwischer bewegten sich nur langsam, als seien sie altersschwach. Überhaupt begann das ganze Auto zu spinnen: Beim Blinken erstarrten die Wischer. Dafür blinkten aus unerfindlichen Gründen nun beide Scheinwerfer. Alles Wischen von Innen half nichts: Die Scheiben beschlugen immer mehr, während der Regen immer heftiger wurde - ich sah praktisch nichts und fuhr zudem im dichten Berufsverkehr. Zeitweise war der Mittelstreifen meine einzige Orientierung.

Später fiel auch noch die Instrumentenbeleuchtung aus und irgendwann protestierten die anderen Verkehrsteilnehmer gegen das wenige Licht, das vorn wie hinten noch geblieben war. Ganz klar ist mir bis heute nicht, wieso zu allem Überfluss kurze Zeit später der Kühler explodierte und mir daraufhin eine ordentliche Dampfwolke den Rest der Sicht nahm. Die rettenden Meter zur Ausfahrt bewältigte ich mit heruntergekurbeltem Seitenfenster und herausgestrecktem Kopf.

Leider konnte ich so die Nähe zum rechten Straßenrand nicht mehr richtig einschätzen. Dabei rammte ich einen Wegweiser und ruinierte dadurch die komplette rechte Fahrzeugseite. Dummerweise wurde mein Missgeschick von einer Polizeistreife beobachtet. Als der Alkoholtest negativ ausfiel, schienen die beiden Herren die Welt nicht mehr zu verstehen.