Schlittenhunde-WM Das große Hecheln
Frauenwald/Suhl - Hans-Jürgen Ebert ist Wintersportfan durch und durch. Doch von den spannenden Wettkämpfen am Eröffnungswochenende der Olympischen Spiele in Turin wird der 53-Jährige aus Suhl wohl nur am Rande etwas mitbekommen. Denn in Frauenwald im heimatlichen Thüringer Wald fordert zur gleichen Zeit eine andere hochkarätige Sportveranstaltung seinen ganzen Einsatz.
Frauenwald: Erste Schlittenhunde-WM in Deutschland
In der 1100-Seelen-Gemeinde nahe dem Rennsteig wird von Freitag bis Sonntag ebenfalls um Bestzeiten und Medaillen gekämpft. Frauenwald ist an diesen drei Tagen Schauplatz der ersten Schlittenhunde-Weltmeisterschaft auf deutschem Boden. 130 Musher (Schlittenhundeführer) aus 20 Nationen nehmen mit ihren Hunden in unterschiedlichen Gespanngrößen den Kampf um zwölf WM-Titel auf.
Mehr als 1000 Schlittenhunde der Rassen Siberian Husky, Alaskan Malamute, Samojede und Grönlandhund rennen dann mit ihren Mushern und einer Geschwindigkeit von teils über 30 km/h durch die Thüringer Wälder und bringen einen Hauch von Alaska in mitteleuropäische Gefilde. "Deutschland stellt mit 36 Mushern das größte Team und gehört neben Polen und den skandinavischen Ländern zu den heißesten Medaillenanwärtern", sagt Ebert, der selbst seit mehr als einem Jahrzehnt Schlittenhundesport betreibt.
10.000 Besucher in Frauenwald erwartet
Für ihn als WM-Organisationschef und Vorsitzenden des Schlittenhundesportclubs Thüringen, seine rund hundert Vereinsmitstreiter und die große Helferschar aus dem Gastgeberort Frauenwald geht mit der Ausrichtung der Titelkämpfe ein Traum in Erfüllung. "Dass wir die Weltmeisterschaft bekommen haben, bestätigt uns in unserer bisherigen gemeinsamen Arbeit", sagt er. Und fügt hinzu: "Es hat sich international herumgesprochen, dass hier am Rennsteig auf anspruchsvollen Strecken qualitativ hochwertige Rennen stattfinden."
Während der über einjährigen WM-Vorbereitung konnten die Organisatoren auf die Erfahrungen aus vier Deutschen Meisterschaften und einer Europameisterschaft bauen, die in den zurückliegenden Jahren bereits in Frauenwald stattfanden. Etwa 250 freiwillige Helfer werden diesmal unter anderem an der Strecke, an den Zeitmessern, auf Parkplätzen und an Verpflegungspunkten im Einsatz sein, um die WM-Tage für die Sportler und die erwarteten 10.000 Besucher zum unvergesslichen und stressfreien Erlebnis zu machen. Die Schlittenhunde-Gespanne nehmen Freitag bis Sonntag jeweils von 10 Uhr bis 15 Uhr ihre rasanten Fahrten auf.
Und immer der Traum von Alaska
Auch am Rande der Strecke ist einiges los. Zur Eröffnung erleuchten 50 Holzfeuer den Weg zur Ortsmitte, wo die Fahnen der 20 Nationen gehisst sein werden. Im Anschluss gibt's von Gastronomen des Ortes zur Frauenwalder Suppennacht etwas auf die Löffel.
Ebert geht bei den WM-Läufen diesmal nicht selbst mit seinen Siberian Huskys an den Start. Er schickt Sohn Falk mit berechtigten Medaillen-Hoffnungen ins Rennen. Seit 1988 frönen die Eberts dem Schlittenhundesport. Ersten Rennen in heimatlichen Gefilden folgten bis heute viele anspruchsvolle Touren in ganz Europa. Seit zwei Jahren hat der Suhler Musher sein Herz an Langstreckenrennen verloren. 320 Kilometer in Schweden oder die doppelte Distanz zum Nordkap in Finnland haben ihm und seinen Hunden schon alles abverlangt.
"Dabei Mensch und Tier in vollkommener Einheit zu erleben, ist ein wunderbares Gefühl", schwärmt der Südthüringer. Einen ganz großen Traum hat Hans-Jürgen Ebert aber noch. Mit Sohn Falk und den Huskys möchte er einmal in Alaska auf große Tour gehen.
Von Steffi Seidel, ddp