Schmalspurbahn in Serbien: Die Kutsche des Hellsehers - DER SPIEGEL
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Schmalspurbahn in Serbien Die Kutsche des Hellsehers

Die rentabelste, effektivste und pünktlichste Bahn Serbiens steht unter Dampf: Die Schmalspurbahn "Sargan 8" fährt nach vielen Jahren der Stilllegung wieder durch die Märchenlandschaft des Westens - liebevoll restauriert im historischen Stil.
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Belgrad - "Eine eiserne Kutsche voller Passagiere wird auf einer eisernen Straße durch Sargan fahren", prophezeite Mitar Tarabic, lange bevor an Eisenbahnen überhaupt zu denken war. Und er hatte Recht: Der Koloss startete am 2. Februar 1925, überwindet das schwierige Gelände des Sargan-Berges auf einer Strecke in Form einer Acht und wird daher kurz und bündig "Sargan 8" genannt. Ursprünglich führte die 760-Millimeter-Schmalspur-Strecke von Belgrad über Sarajevo nach Dubrovnik. Die Fahrt dauerte damals zwei Tage und zwei Nächte.

Doch damit nicht genug. Der Nostradamus Serbiens hatte eine weitere Eingebung. Er sah voraus, dass sie nach langer Zeit wiederentdeckt werden und von den Fahrgästen nur zum Vergnügen benutzt würde. So die Überlieferung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Tatsächlich "spurt" sie wieder, die Schmalspurbahn "Sargan 8". Nach ihrer Stilllegung 1974 und einer Unterbrechung von rund 25 Jahren wurde zumindest eine Rundstrecke von etwa 15 Kilometern Länge rekonstruiert. Abfahrts- und Zielort des historischen Zuges ist Mokra Gora. Touristen drängeln sich auf dem nostalgischen Bahnhof in 567 Meter Höhe. Die schwarze Dampflok glänzt in der Sonne. Es gibt keine Tonbandansage, keine Aufforderung über den Lautsprecher, nur einen Pfiff - und die Lok wälzt sich mit Getöse vorwärts. Dicke schwarze Wolken vernebeln für kurze Zeit die Sicht auf dem offenen Perron.

Pausen zum Fotografieren

Der Schaffner in schmucker Uniform kontrolliert schon die Billets, als noch das Stationsschild "Mokra Gora" zu erkennen ist. "Der Name 'nasser Berg'", sagt er, "geht auf die Wasserfälle und die vielen, zum Teil heilkräftigen Quellen zurück." Es sollen 150 sein. Erst kürzlich wurde wieder eine neue entdeckt. "Am Bahnhof Jatare auf 705 Metern", kommt er ins Erzählen, "wurde noch nie auch nur eine Fahrkarte gelöst. Da steigt keiner ein."

Das Pfeifen der Lok übertönt das Gespräch. Das Ungetüm taucht in einen Tunnel ein. Zahlreiche Tunnel, Brücken und Viadukte mussten gebaut werden, um das schwierige Gelände des Sargan-Berges zu überwinden. "Alexander I." ist mit 1666 Metern der längste der 22 Tunnel, die fast alle wieder fertig gestellt sind. Unüberhörbar schnauft die "Sargan 8" durch die märchenhafte Landschaft des serbischen Westens, an den südöstlichen Hängen des Tara-Gebirges und den nordwestlichen Hängen des Zlatibor-Gebirges.

Unentwegt klicken die Fotoapparate, vor allem an den Kurven. Während der rund zweistündigen Fahrt gibt es immer wieder Unterbrechungen, weniger zum Blumenpflücken als zum Fotografieren. Neben der Wiedererrichtung der Gleisanlagen wurden auch sämtliche Bauten und Nebenanlagen saniert beziehungsweise im alten Stil neu errichtet. Restaurants in den Bahnhöfen laden zur Rast.

Aussichtspunkte geben den Blick frei auf eine unberührte Natur voller Überraschungen und Kontraste. Mit etwas Glück lässt sich auf einem Plateau das "Küstendorf" erkennen. Nicht nur Bahnnostalgikern und Touristen hat es die "Sargan 8" angetan. Auch der mehrfach in Cannes preisgekrönte Filmregisseur Emir Kusturica war von ihr und der Region fasziniert.

Noch eine zweite historische Schmalspurbahn

Eine Schranke versperrt uns die Weiterfahrt. Der Bahnhofswächter kurbelt sie mit der Hand nach oben. Zur originalgetreuen Rekonstruktion gehören auch die Schranken und k.u.k. Signale. Manchmal wird die historische Dampflokomotive durch eine Diesellok ersetzt. Durch die geringe Spurweite können extrem enge Kurven gefahren werden. Die "Sargan 8" überwindet auf den rund 15 Kilometern bis Sargan Vitasi (810 Meter) einen Höhenunterschied von gut 240 Metern. Der Stationshund erwartet schon den Zug und überwacht das Umspannen der Lok. Als es weitergeht, begleitet er den Zug schwanzwedelnd ein Stück. Am Ende des Bahnhofsgeländes bleibt er brav stehen.

"Sie ist die rentabelste, effektivste und pünktlichste serbische Bahn", sagt Milic Simic stolz. Der Tourismusverantwortliche hat große Pläne. Er spricht von einem Militärflughafen in der Nähe, der ausgebaut werden soll, und von originellen Unterkünften für die Gäste an den Bahn-Stationen. Aber schon jetzt ist die "Sargan 8" ein Touristenmagnet. Immerhin ist Mokra Gora der einzige Ort in Europa, der neben dieser 760-Millimeter-Bahn noch eine zweite funktionierende historische Schmalspurbahn hat - mit einer Spurweite von nur 600 Millimeter. Viele Besucher machen einen Abstecher nach Kremna, wo der Weissager Tarabic lebte, dessen Familie schon vor ihm über mehrere Generationen durch seherische Fähigkeiten aufgefallen war.

Von Cornelia Höhling, ddp

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