Schwäbische Bäderstraße Ein wenig deutsche Karibik
Bad Buchau/Bad Wörishofen - Langsam taucht der nackte Körper in die braune Masse ein. Wie flüssiger Schokoladenpudding umhüllt sie den Badenden, bis auch der letzte Quadratzentimeter Haut verschwunden ist. Denn in der Metallwanne wartet kein Schaumbad, sondern flüssiges Moor. Nur der Kopf ragt jetzt noch aus diesem wärmenden Mantel heraus. Moor und Thermalquellen sind an der Schwäbischen Bäderstraße allgegenwärtig, neun Kurorte liegen entlang der 160 Kilometer langen Route, die von Überlingen am Bodensee in Baden-Würtemberg bis nach Bad Wörishofen in Bayern führt.
Bis vor wenigen Jahren bestimmte der Kurtourismus die Städte, doch seit etwa zehn Jahren suchen die Bäder einen neuen Weg. "Medical Wellness" heißt der Trend. Geboten werden entspannende Anwendungen mit medizinischem Nutzen. Die Moorbäder, wie sie zum Beispiel in der "Waldseetherme" in Bad Waldsee verabreicht werden, entspannen die Muskulatur und sollen unter anderem bei Rheuma helfen. Das flüssige Moor ist 40 bis 42 Grad Celcius heiß und gibt diese Wärme langsam an den Körper ab. Die Wirkstoffe aus dem Torf sollen sich positiv auf die Haut auswirken. Deshalb heißt es nach dem Moorbad auch: nur abspülen, nicht einseifen.
Das Moor wandert anschließend dorthin zurück, wo es hergekommen ist, nämlich ins Ried. Dort verlandet es, um in vielen Jahren vielleicht wieder in eine Moorwanne gefüllt zu werden. Wer sehen möchte, wie sein Badezusatz in der Natur aussieht, kann in Bad Wurzach die größte intakte Hochmoorfläche Deutschlands bestaunen. Das "Moorbähnle" fährt in einer 30-minütigen Rundfahrt durchs Ried.
Im Wackelwald schaukeln die Bäume mit
Während sich rechts und links die Bäume im schwarz-glänzenden Wasser spiegeln, erzählt Franz Renner, ein Mitarbeiter des Naturschutzmuseums, die Geschichte des Moors: Bis 1996 wurde hier Torf abgebaut. Seit 1989 ist das Wurzacher Ried mit dem Europadiplom ausgezeichnet und gilt als besonders schützenwert. Mehr als 200 Kilometer Rad- und Wanderwege laden auf den freigegebenen Strecken zu Touren ein. Auch ein Torf-Lehrpfad ist in Planung.
Auch den Wackelwald in Bad Buchau gäbe es ohne das Moor nicht. Hier wachsen Kiefer, Fichte, Faulbaum und Moorbirke - einen festen Stand haben sie nicht immer. Die Bäume stehen auf Moorboden, der aus der Verlandung des Federsees entstand. Bei jedem Schritt gibt der weiche Untergrund nach. Wer am Wegesrand in die Luft springt, fühlt sich fast wie beim Trampolinspringen. Die Bäume wackeln mit, bleiben aber stehen.
Ebenso wichtig wie das Moor sind an der Schwäbischen Bäderstraße die Thermalquellen. Das schwefel- und fluoridhaltige Wasser sprudelt aus einer Tiefe von bis zu 1800 Metern an die Erdoberfläche und ist bis zu 65 Grad heiß. Groß angelegte Thermalbäder gibt es mittlerweile in fast jedem der neun Orte. In Bad Saulgau fließt das gesunde Wasser sogar aus dem Duschhahn.
Palmen und exotische Pflanzen wachsen unter der Kuppel
An den Endpunkten der Schwäbischen Bäderstraße liegen die beiden größten Thermen. In Überlingen bietet die "Bodensee-Therme" nicht nur einen herrlichen Ausblick auf den See, sondern auch preisgekrönte Architektur. Die Saunawelt hat das "größte Tauchbecken der Welt" - den Bodensee selbst. Bad Wörishofens "Südseetherme" soll dagegen die Karibik nach Deutschland holen. Unter der 18 Meter hohen Glaskuppel wachsen Palmen und andere exotische Pflanzen. Die Gäste schwimmen in 34 Grad warmem Wasser und genießen darin einen Drink an der Poolbar.
Kaltes Wasser ist dagegen ein Muss bei der Kneipp-Therapie. Im Storchenschritt geht es durch den eiskalten Bach in Bad Grönenbach, bis die Beine kribbeln. Dann schnell raus aus dem Wasser und abtrocknen. Sebastian Kneipp stellte bei seinem Aufenthalt in der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts die besondere Heilwirkung des Wassers fest. Doch die Kneippheilbäder wollen das Erbe des Pfarrers nicht aufs Wasser reduzieren. Kneipp entwickelte eine Ganzheitstherapie, die auch in Bad Grönenbach angewandt wird und aus fünf Säulen besteht: Wasser, Bewegung, ausgewogene Ernährung, bewusste Lebensführung und Heilpflanzen sollen die Heil- und Abwehrkräfte im Körper wachrufen.
Auch in Bad Schussenried können sich die Gäste die Kehlen durchspülen. In Deutschlands erstem Bierkrugmuseum stehen nicht nur mehr als 1300 Bierkrüge in den Regalen vom kleinen Kinderbecher über die Oktoberfest-Jahreskrüge bis zum Jugendstil-Schmuckstück. In der Brauerei-Schenke wird das hauseigene Bier aufgetischt - und das schmeckt zu ein paar schwäbischen Maultaschen besonders gut.
Nicole Jankowski, gms