Schwarzwald: Mit Wellness aus der Krise - DER SPIEGEL
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Schwarzwald Mit Wellness aus der Krise

Früher mussten sich die Tourismus-Manager im Schwarzwald keine Gedanken über den Ansturm der Gäste machen: Ärzte und Krankenkassen sorgten mit der Verschreibung von Kuren für Nachschub. Heute sind besondere Attraktionen nötig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bad Krozingen/Freudenstadt - Die Gäste blieben vier bis acht Wochen, und dazwischen stieß meist noch die übrige Familie für die eine oder andere Woche dazu. Die Kassen in den Kur- und Urlaubsorten klingelten sommers wie winters, wenn die Skifahrer die Wanderurlauber ablösten. Diesem beschaulichen Dasein haben die Gesundheitsreformen ein Ende bereitet.

Den Rückgang bei den Übernachtungszahlen zwischen 1990 und 1998 beziffert Hubert Matt-Willmatt vom Schwarzwald-Tourismusverband in Freiburg auf 25 bis 30 Prozent. Dabei hängen von der Wirtschaftskraft des Tourismus in der Region mehr als 100.000 Arbeitsplätze ab.

Doch nicht nur die Reformen, auch das veränderte Urlauberverhalten hinterließ Spuren: Wurden früher zwei Wochen Ferien im Schwarzwald ein halbes Jahr im Voraus gebucht, wird heute erst der Wetterbericht am Donnerstagabend abgewartet und dann das Zimmer fürs Wochenende bestellt.

Inzwischen gehen die Übernachtungszahlen im Schwarzwald auch durch die umfangreichen Wintersportangebote wieder leicht nach oben. 18 Millionen Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr gezählt. Das ist ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dazu kommen geschätzte fünf bis sechs Millionen Gäste, die in kleineren und damit nicht gewerblichen Einrichtungen übernachtet haben.

Von den mehr als hundert Liftanlagen und mehreren hundert Kilometern gut gewarteter Loipen werden viele Wintersportler in den Schwarzwald gelockt. Als besonders attraktiv gelten die Skifernwanderwege, die den Wanderer durch die reizvolle Landschaft führen. Freunde des Rodelsports kommen am Hasenhorn bei Todtnau auf ihre Kosten.

"Die Zeiten der langfristigen Planbarkeit sind vorbei", sagt Michael Krause, Fremdenverkehrsmanager von Freudenstadt im Nordschwarzwald. Er hat wie die Kollegen in vielen anderen Schwarzwald-Gemeinden die Zeichen der Zeit verstanden und nicht mehr marktgerechte Angebote radikal umgestellt. "Natürlich gibt es den klassischen Kur- und Gesundheitsaufenthalt noch, und wir möchten auch nie darauf verzichten", betont Rolf Rubsamen von der Kur- und Bäderverwaltung in Bad Krozingen, wo seit Anfang des Jahrhunderts heilkräftige Mineral-Thermalquellen sprudeln.

Der Anteil der kurzfristigen Aufenthalte hat auch am Fuß des Südschwarzwalds zugenommen. Von dort sind es meist nur wenige Kilometer bis zum Belchen oder Feldberg, wo die Gäste ausgiebig in naturnaher Schwarzwald-Landschaft wandern oder Ski fahren können. Die müden Muskeln können sie anschließend in einer der vielen Wellness-Einrichtungen pflegen lassen. Dazu haben die Tourismus-Manager in vielen Gemeinden spezielle Wochenend-Angebote eingeführt, die auf die Bedürfnisse gestresster Stadtmenschen zugeschnitten sind.

So sorgen auch Gesundheits-, Wellness- und Aktivangebote für einen Wiederanstieg der Besucherzahlen. In der Bad Krozinger Beauty-Aktiv-Woche "Schön sein leicht gemacht" bekommen die Gäste neben kosmetischen Behandlungen, Massagen und Bädern auch Muskelaufbautraining und Aqua-Fitness im "Vita-Classica". Für im Arbeitsleben überbeanspruchte Führungskräfte bietet sich die "Beauty-Relax-Woche" an: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Entspannung, außerdem gibt es Tipps und Tricks rund um die Hautpflege.

Um auch in Zukunft den Bedürfnissen der Gäste Rechnung tragen zu können, wird derzeit in Bad Krozingen das Multi-Millionen-Projekt "Kurmittel und Wohlfühlhaus" mit einem japanischen Luxusbad, der "Atlantis Wellenwanne" und einem Bewegungsbad mit Unterwassermusik gebaut. Auch viele private Hoteliers bieten inzwischen ganze Wohlfühl-Pakete an, mit wohlklingenden Namen wie "Beauty und vital", "Schön und fit" oder "Intensivwochen für Ihre Gesundheit, Vitalität und Schönheit".

Unterstützung erhalten die Tourismus-Manager im Schwarzwald vom Landrat des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald, Jochen Glaeser: "Die schöne Landschaft und die interessantesten Angebote bringen nichts, wenn der Service nicht stimmt."

Von Joachim Mangler