Slowakei: Alpenfeeling in der Hohen Tatra - DER SPIEGEL
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Slowakei Alpenfeeling in der Hohen Tatra

Trotz des verheerenden Novembersturms, der über die Slowakei herfiel, konnte die Skisaison in der Hohen Tatra planmäßig starten. Das einstige DDR-Urlauberparadies ist unter westlichen Touristen ein preiswerter Geheimtipp.
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Bratislava - Lange Hänge mit einer optimalen Neigung versprechen Alpinskifahrern wunderbare Abfahrten. Weniger rasant als in den Alpen geht es hier zu, dafür zaubert man in den Bergen der Hohen und der Niederen Tatra perfekte Bögen in den Schnee. Weniger der durch Geschwindigkeit erhöhte Adrenalinspiegel steht beim Wintersport in den slowakischen Bergen im Mittelpunkt, sondern das familiäre Miteinander auf den Pisten. Und in traditionellen Wintersportorten wie Strbske Pleso, Tatranska Lomnica, Stary Smokovec, Zdiar und Jasna genießt man das schon seit vielen Jahren.

"Die Slowakei ist ein attraktives Urlaubsland gleich um die Ecke", sagt Ingrid Sorat, Leiterin der Deutschland-Vertretung der Slowakischen Zentrale für Tourismus. Doch kämen noch immer viele Westeuropäer ins Grübeln, wenn es darum geht, wo das kleine Land denn nun eigentlich liegt. War die Slowakei früher ein Teil der CSSR oder gehörte sie zu Jugoslawien? Es ist schon ein Kreuz mit der immer wieder vorkommenden Verwechslung mit Slowenien. "Damit müssen wir leben, doch unser Land hat mindestens genauso viel zu bieten wie unsere Fast-Namensvettern vom Südrand der Alpen", betont Sorat. Die Slowakei sei ein sehr kompaktes, überschaubares Reiseland, von dem man sich auch in wenigen Tagen einen Eindruck verschaffen kann.

Neun Skigebiete in der Hohen Tatra

Touristisches Aushängeschild ist neben der Hauptstadt Bratislava - die nur wenige Kilometer von Wien entfernt liegt - und den vielen Thermalkurorten die Hohe Tatra. Das als "kleinstes Hochgebirge Europas" bekannte Gebirge dominiert den Norden der kleinen Republik. Auf einer Fläche von nur 780 Quadratkilometern - von denen 550 auf die Slowakei, der Rest auf das Nachbarland Polen entfallen - gibt es hier 25 Gipfel mit über 2600 Metern Höhe. "Praktisch haben wir hier das gesamte Alpen-Repertoire auf kleinstem Raum", sagt die Tourismus-Direktorin: schroffe Felsen wie die höchsten Berge Gerlachspitze und Lomnitzspitze, einen spektakulären Kammweg, eine "Tatra-Magistrale" als beliebten Wanderweg, sanfte Täler, eine alpine Flora und Fauna mit Edelweiß und Murmeltieren - und natürlich ein Urlaubsangebot von Wandern im Sommer bis Skisport im Winter.

In der Hohen Tatra gibt es neun Skigebiete mit 58 Pistenkilometern, dazu finden Langläufer ein etwa 19 Kilometer langes Loipennetz vor. Die längste Piste führt zickzackförmig vom Lomnitzsattel nach Tatranska Lomnica. Auf dieser 4,8 Kilometer langen Strecke kann man die Schönheit des Skilaufens so richtig auskosten. Gleich in der Nachbarschaft der beiden Sprungschanzen von Strbske Pleso, die in den siebziger Jahren für eine Skiweltmeisterschaft errichtet wurden, liegt das "FIS Ski Areal". Am Abhang des Berges Solisko gibt es in jedem Winter nicht nur alpine Abfahrten, sondern auch Wettkämpfe und Schauvorführungen von Snowboardern und Skiakrobaten. Alle Wintersportzentren des kleinen Gebirges sind mit modernen Schlepp- und Sesselliften ausgerüstet. Rodelfreunde kommen auf einer mehr als drei Kilometer langen Bahn von Hrebienok bis Stary Smokovec auf ihre Kosten.

Ein Viertel der Bäume wurde zerstört

Als am 19. November 2004 ein Orkan die Hohe Tatra heimsuchte, schien die Wintersaison in Gefahr. "Der Sturm zerstörte mehr als ein Viertel des Waldbestandes, in einem 50 Kilometer langen und bis zu fünf Kilometer breiten Streifen fielen Fichten wie Streichhölzer um", erzählt Ingrid Sorat. Bis zu den zwanziger Jahren befanden sich dort ursprünglich Wiesen, die künstlich mit Fichtenwäldern aufgeforstet wurden, was sich jedoch als nicht widerstandsfähig erwies. Dennoch konnte Anfang Dezember die Skisaison in der Slowakei planmäßig starten. Alle Straßen sind in beiden Richtungen befahrbar, auch die Tatra-Bahn verkehrt - nur auf einem Abschnitt im Schienenersatzverkehr - planmäßig, alle Seilbahnen sind in Betrieb und die Wanderwege zu den Berghütten benutzbar.

"Die Skiorte in der Hohen Tatra sind durchaus verschieden", so Ingrid Sorat. In Strbske Pleso - dem höchstgelegenen Wintersportzentrum der Hohen Tatra - gibt es für anspruchsvolle Skisportler die Abfahrtspiste von Predné Solisko, Langlaufloipen führen entlang der "Tatra-Magistrale" zu den Bergseen. Ein Gratis-Skibus bringt Skiläufer vom zentralen Parkplatz direkt bis zu den Liften.

Familiärer und auch für Kinder geeignet ist das Skigebiet von Stary Smokovec und Hrebienok. Abenteuerlustige können hier unter Anleitung Skialpinismus und Eisklettern ausprobieren. Die längste und steilste Abfahrtsstrecke der Slowakei liegt bei Tatranska Lomnica, direkt unterhalb der mit einer Kabinenseilbahn erreichbaren Lomnitzspitze. Bekannt für seine folkloristischen Traditionen und traditionelle bäuerliche Architektur ist Zdiar unterhalb des Kalkgebirges der Weißen Tatra, wo sich auch ein leichtes Skigelände für Anfänger befindet. Angenehmes Skilaufen und ein herrlicher Ausblick auf den Berg Krivan erwartet Besucher in der kleinen Ortschaft Podbanské.