Slowenien: Europa in Miniatur - DER SPIEGEL
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Slowenien Europa in Miniatur

Wer Abwechslung liebt und weite Strecken scheut, für den ist Slowenien ein ideales Ziel. Strandurlauber kommen an der Küste im Südwesten auf ihre Kosten, die Städte im Landesinneren warten mit architektonischen Schätzen auf. Wahre Slowenien-Liebhaber zieht es jedoch zum Wandern in die schroffe Bergwelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ljubljana - Der typische Slowenien-Urlauber trägt Wanderstiefel und Rucksack und liebt die Natur. Unter "Outdoor"-Fans ist das kleine Land mit seiner schroffen Bergwelt und der geheimnisvollen Karst-Landschaft schon länger ein heißer Tipp. Die Masse der Touristen hält es bislang zwar mit den Nachbarn Österreich oder Italien. Mit dem EU-Beitritt am 1. Mai könnte die Beliebtheit Sloweniens bei europäischen Wanderurlaubern aber steigen, auf Bergwegen und in den Hütten wird es dann möglicherweise enger.

"Ein amerikanischer Journalist schrieb mal, Slowenien sei Europa in Miniatur", sagt Janez Repansek, Direktor des slowenischen Fremdenverkehrsbüros in München. "Das trifft es ziemlich gut." In dem Land lassen sich auf kurzen Wegen ganz unterschiedliche touristische Ziele erreichen - von der Kultur und Architektur in den Städten Maribor und Ljubljana über die Bergwelt im Norden bis hin zum Meer im Südwesten. Was nur wenige wissen: Slowenien liegt mit einem Küstenstreifen von immerhin 47 Kilometern am Golf von Triest.

"Damit sind wir noch kein Land für einen ausgedehnten Strandurlaub", räumt Repansek ein. Doch da viele Küstenhotels inzwischen über ein Salzwasser-Schwimmbad verfügten, sei ein Trip zur slowenischen Küste vor allem in der Nebensaison eine Alternative zu Italien oder Kroatien. Dank des milden Klimas sei rund um die Küstenstädte Piran und Koper von März bis Mitte November Saison.

Wanderwege sind vorzüglich ausgebaut

Hauptattraktion des Landes sind aber die Berge - besonders der 2864 Meter hohe Triglav an der österreichischen Grenze im Nordwesten. Eine Tour zu seinem Gipfel setzt einige Bergsteiger-Erfahrung voraus.

Wer es gemütlicher angehen möchte, ist im mehr als 83.000 Hektar großen Triglav-Nationalpark gut aufgehoben. Mit seinen Schluchten, kargen Hochebenen und reißenden Wasserfällen zählt der Park zu den schönsten naturbelassenen Arealen der Alpen. Trotz der urwüchsigen Landschaft ist die Region mit zahlreichen Schutzhütten, markierten Wegen und gesicherten Klettersteigen gut erschlossen. Deshalb zieht es auch die meisten Slowenen in den Park. Die Besteigung des Triglav ist eine Sache der nationalen Ehre.

Nicht ganz so hoch und majestätisch, jedoch einsamer und beschaulicher sind die Gipfel rund um die Städte Bled und Kranjska Gora. Auch in diesen Regionen ist das Netz der Wanderwege vorzüglich ausgebaut, auf den Berghütten werden deftige Suppen und herzhafte Brotzeiten serviert. Ab und zu trifft man auch auf eine Gruppe von Mountain-Bikern oder waghalsigen "Rafting"-Fahrern, und bei gutem Wetter tanzen am Himmel die bunten Schirme der Paraglider.

Unterricht auf den berühmtesten Schimmeln der Welt

Für die Tourismusbranche sind laut Repansek deutsche Urlauber am wichtigsten, gefolgt von Italienern und Österreichern. Bereits seit Jahren kommen stetig mehr Urlauber ins Land - außer während des Kosovo-Krieges Ende der neunziger Jahre. 2003 zog es 1,3 Millionen Touristen nach Slowenien, fünf Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Die Zahl der Besucher werde weiter steigen, sagt Repansek. Für Massentourismus sei Slowenien allerdings nicht geeignet.

In der Nähe der italienischen Grenze liegt Sloweniens "Unterwelt", ein weit verzweigtes Fluss- und Höhlensystem in der zerklüfteten Landschaft des Karst. Rund um die Schauhöhle Postojnska jama, durch die sogar ein kleiner Besucherzug rollt, können Touristen an mehreren Stellen in die Erde steigen. Ruhiger geht es in den Grotten von Skocjan zu. Seit 1986 gehört diese Höhle, durch die der Fluss Reka fließt, zum Unesco-Naturerbe.

Auf dem Karst grasen die berühmtesten weißen Pferde der Welt, die Lipizzaner, vielen aus der Wiener Hofreitschule bekannt. In dem südwestlichen Zipfel von Slowenien werden die edlen Rösser seit mehreren hundert Jahren im Gestüt von Lipica gezüchtet. Für Besucher gibt es Führungen durch die Ställe und Dressurvorführungen, erfahrene Reiter dürfen auf den Rassepferden auch Unterricht nehmen.

Auch für Winterreisen interessant

Das Essen ist in Slowenien vor allem eines: reichhaltig. In der deftig-bäuerlichen Küche ist bis heute die wechselhafte Geschichte des kleinen Landes erhalten geblieben, das zeitweise zu Italien und Österreich gehörte. Zu den Spezialitäten zählen Njoki - eine Variante der österreichischen Nockeln - und die Buchweizenspeise Zganci.

Die Suche nach Gasthöfen, Restaurants oder Hotels gestaltet sich als unproblematisch, denn Slowenien ist touristisch gut erschlossen - und selbst für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Auch die Verständigung klappt meist gut, da viele Slowenen Deutsch oder Englisch sprechen. Die Hauptwandersaison in den Bergen beginnt um Ostern herum und dauert bis Mitte Oktober. Mehrere Skigebiete und Langlaufloipen machen Slowenien auch als Winterreiseziel interessant.

Von Andrea Löbbecke, gms