Sonnenseiten: Perle der Sahara - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sonnenseiten Perle der Sahara

Im Norden Europas versteckt sich die Sonne hinter novemberdicken Regenwolken - doch die Oasenstadt Ghadames taucht sie in gleißendes Licht und heizt der zyprischen Hauptstadt Nikosia ein. SPIEGEL ONLINE stellt die schönsten Urlaubstipps seiner Redakteure vor - passend zur Jahreszeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ghadames in Libyen: Perle der Sahara

Im Nordwesten Libyens, rund 600 Kilometer von Tripolis, aber nur sieben Kilometer von der tunesischen und 14 Kilometer von der algerischen Grenze entfernt, versteckt sich einer der schönsten Kulturschätze Nordafrikas: die Oasenstadt Ghadames, die Perle der Sahara. Zwar zwang die libysche Regierung 1983 die rund 10.000 sesshaft gewordenen Tuareg, in Betonhäuser umzusiedeln, und vernichtete so quasi über Nacht eine Jahrtausende alte Stadtkultur.

Aber weil die Altstadt direkt zwischen der Neustadt und den immer noch bewirtschafteten Oasengärten liegt, durchqueren viele Einwohner noch heute täglich die engen, überdachten Gassen, die einem riesigen Tunnelsystem gleichen. Nur einzelne Licht- und Luftschächte durchbrechen die Gewölbegänge zwischen den über 1200 verschachtelten Häusern.

Diese labyrinthartige Bauweise schützte vor Sandstürmen, glich die extremen Temperaturschwankungen zwischen 55 und minus 8 Grad Celsius aus und diente als Schutz vor Angreifern. Denn Anfang des 9. Jahrhunderts liefen hier fünf Karawanenrouten zusammen, auf dem Markt wurden jährlich an die 30.000 Kamele verkauft. Das wichtigste Anbauprodukt ist noch heute die Dattel, aus der die Menschen Paste, Saft und sogar Parfum herstellen.

Anreise von Tripolis mit einer libyschen Reiseagentur, etwa "Safari Tourism Services" (www.safari-tourism-services.com) oder "Rose de Sable" (www.roselibya.com).
Bester Stadtführer ist Hischam Gaga (Tel. +218-484-62605).

Tipp von Florian Harms, Reiseredakteur, der im Wirrwarr der überdachten Gassen bei jedem Besuch erneut die Orientierung verliert


Zypern: Chill-out über einer geteilten Stadt

Wer an einem Juli-Mittag nach Zypern kommt, dem geht nach der Ankunft nur ein Gedanke durch den Kopf: heiß. Durch die Gassen der geteilten Hauptstadt Nikosia wabert schwül-warme Luftsuppe, die dunkle Flecken auf die T-Shirts der Passanten treibt. Wer kann, zieht sich zur Siesta hinter die geschlossenen Fensterläden seiner kühlen Wohnung zurück. Nicht jeder kann: Der griechische Soldat, der den Übergang zum türkisch besetzten Teil der Stadt bewacht, wischt sich die Stirn unter seinem warmen Barett, der Grenzer auf der anderen Seite der sogenannten Greenline bringt nur ein erschöpftes Gähnen zustande.

Und wohin flüchtet sich der ahnungslose Reisende, der sich gerade durch den griechischen Teil der Altstadt schleppt? Die Antwort " 86-90 Faneromenis Street" würde ihm noch nicht sehr weiterhelfen: Er stünde vor dem Gebäude der Bank of Cyprus. Biegt er jedoch in die Sokrates Street ein und seinen Kopf weit zurück, kann er es am oberen Rand seines Blickfeldes schon fast erspähen: das Restaurant Aerikon.

Gleich beim Betreten der Dachterrasse ist der Besucher sich seiner Rettung gewiss: Zu kühlender Chill-Out-Musik rauscht eine leichte Brise durch die Blätter der großen Topfpflanzen am Eingang. Der Blick schweift frei über Hausdächer, an Kirchtürmen und Minaretten vorbei, streift die griechische Flagge aus dieser Hälfte der Stadt und bleibt an zwei riesige Flaggen mit Halbmond hängen, die Zyperntürken auf die Berghänge auf der anderen Grenzseite gemalt haben. Doch hier oben wirkt die traurige Teilung der Insel weit entfernt. Und schließlich ist gerade Mittagszeit auf beiden Seiten des Grenzzauns.

Im Schatten des Vordaches hat die Wirtin des "Aerikon" schon den Tisch gedeckt und Wasser, kalten Weißwein und gekühlten Rotwein bereitgestellt. Dann serviert sie die traditionelle Mezé, eine Reihe kleiner Köstlichkeiten, von Halloumi-Käse über mit Minzhack gefüllte Weinblätter bis hin zu geschmortem Schweinefleisch, schließlich kandierte Früchte und Obst. Die Hitze im Körper verfliegt und weicht wohliger Schläfrigkeit. Und das ist der einzige Makel dieses kleinen Dach-Paradieses: Irgendwann muss jeder wieder hinunter. Es gibt keine Betten hier oben.

Restaurant Aerikon
86-90 Faneromenis Street / Ecke Socrates Street, 2.OG
Nikosia, Zypern
Tel: (00357) 22 848 198

Tipp von Roman Heflik, SPIEGEL-ONLINE-Reporter.

Alle Sonnenseiten