Sozialbericht: Bahn bummelt beim Stellenabbau - DER SPIEGEL
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Sozialbericht Bahn bummelt beim Stellenabbau

Bei der Deutschen Bahn AG werden auch nach 2006 Stellen wegfallen. In den kommenden Jahren aber sollen zunächst weniger Stellen abgebaut werden als ursprünglich geplant.
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Berlin - "Es wird auch über unsere mittelfristige Planung hinaus Personalabbau geben", sagte Bahn-Personalvorstand Horst Föhr am Montag in Berlin bei der Vorstellung des Sozialberichts des Unternehmens. Die Bahn weigert sich, ihre Gesamtpläne für den Personalabbau zu nennen.

Der Personalbedarf hänge stark mit dem Wettbewerb etwa im Regionalverkehr zusammen, heißt es. Ziel der Bahn ist es nach früheren Angaben, bis zum 2005 die jährlichen Personalkosten um 3,6 Milliarden Mark im Vergleich zu 2000 zu senken. Wird dies auf die durchschnittlichen Kosten eines Mitarbeiters umgerechnet, ergibt sich ein Abbau von rund 50.000 Stellen.

In den Jahren 2002 und 2003 würden 3200 bis 3800 Stellen mehr erhalten als ursprünglich geplant, sagte Föhr. Grund sei die verzögerte Modernisierung etwa der Stellwerkstechnik, die einen schnelleren Abbau nicht möglich mache. Ende des Jahres würden 214.000 Menschen bei der Bahn beschäftigt sein, gut 8000 weniger als vor Jahresfrist, teilte Föhr mit.

Um den Personalabbau zu erleichtern, werde im nächsten Jahr die Vorruhestandsregelung für die noch 56.000 Beamten bei der Bahn wieder eingeführt, sagte Föhr. In Betracht kämen dafür etwa 7000 Mitarbeiter. Die Kosten für die Bahn bezifferte der Bahn-Vorstand auf rund 60.000 Mark pro Mitarbeiter. Föhr forderte zudem, die Bahn müsse regional differenzierte Löhne zahlen. Ein Angestellter in München könne nicht das Gleiche verdienen wie jemand in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem wolle die Bahn AG mit den Gewerkschaften über stärker leistungsbezogene Gehälter sprechen.

Die Eisenbahnergewerkschaft Transnet kritisierte die Abbaupläne als zu weitgehend. "Wir haben zahlreiche Meldungen von den Mitarbeitern, dass die Personaldecke an einigen Stellen gerissen ist." Dies betreffe besonders Bereiche, die Bahn-Kunden direkt spürten. Verzögerungen habe es etwa durch unzureichend besetzte Stellwerke oder fehlende Lokführer gegeben.

In Hinblick auf die jüngst bekannt gewordenen Korruptionsfälle bei der Bahn AG kritisierte Föhr ein zu langsames Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Man habe die Behörde in dem Fall eines Bahn-Einkaufsleiters, der Firmen gegen Bestechung Aufträge zugeschanzt habe, bereits vor einem Jahr Hinweise gegeben. In der vergangenen Woche waren der Mann sowie drei Manager von zwei Firmengruppen verhaftet worden. Föhr sagte weiter, man habe die Staatsanwaltschaften in 25 weiteren Fällen eingeschaltet. Es könnten so in nächster Zeit noch weitere Korruptionsfälle bekannt werden.