Südschweden: Skandinavische Provence - DER SPIEGEL
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Südschweden Skandinavische Provence

Die sanften grünen Hügel, hinter denen das Meer zu erahnen ist, erinnern an Südengland. Das Licht dagegen wirkt wie in Südfrankreich: Wie die Provence zieht auch die schwedische Region Österlen mit ihren intensiven Farben viele Künstler an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rund 250 Künstler arbeiten in Österlen, im Südostzipfel Schwedens. Jedes Jahr zu Ostern zeigen sie ihre Ateliers der Öffentlichkeit und veranstalten die größte Kunstausstellung Schwedens. Vor allem Landschaftsmaler werden vom weiten Himmel und den intensiven Farben angezogen: vom Goldgelb der Rapsfelder im Mai, dem Grün der Wiesen und den Pastellfarben der Blumen im Sommer, vom Weiß und Grau der Wolken und vom Blau des Meeres.

Der Maler Karl Aspelin siedelte sich vor mehr als 100 Jahren in Kivik an und malte dort die Apfelwiesen von Österlen. Mit Freunden gründete er als Künstlerkolonie die "Kivik-Schule". Heute sagt man, jede Ecke Österlens habe ihren eigenen Landschaftsmaler.

Die Atmosphäre hatte es auch dem 1961 tödlich verunglückten Uno-Generalsekretär Dag Hammarskjöld angetan. Er kaufte ein Gebiet rund um Hagestadt, das östlich von Ystad liegt, und vermachte es dem schwedischen Naturschutz. Sein ehemaliges Ferienhaus im Hagestadt Naturreservat ist heute ein Kunstmuseum, in dem viele Schätze des Kunstsammlers Hammarskjöld zu sehen sind.

Wer von Hammarskjölds Hof über die Steppenheiden und durch den Dünenwald nach Süden wandert, steht plötzlich bei Sandhammaren an der äußersten Südostecke Schwedens. Der Sandstreifen ist bis zu 60 Meter breit und bei Sonnenanbetern und Strandläufern gleichermaßen beliebt.

Das Zentrum von Österlen ist das Hafenstädtchen Simrishamn. Ende des 19. Jahrhunderts besaß die Stadt die größte Segelschiffflotte Schwedens. Heute führt immerhin noch eine Fährlinie von Simrishamn zur dänischen Ferieninsel Bornholm. Der Hafen mitten in der Stadt ist überschaubar: Möwen dösen träge in der Sonne, man kann den Fischern beim Entladen ihres Fanges zusehen und sich auch hier ein wenig wie am Mittelmeer fühlen. Im Stadtzentrum schmiegen sich niedrige Häuser eng aneinander, jede Fassade ist in einer anderen Pastellfarbe verputzt. Hinter hohen Holzzäunen verbergen sich üppige Gärtchen, und jede Haustür hat eine andere Farbe und ein charakteristisches Muster.

Wer Simrishamn in nördliche Richtung verlässt, erreicht nach kurzer Fahrt den Nationalpark Stenshuvud. Der Sage nach soll hier ein Riese mit seiner Familie im Innern eines Berges wohnen. Laubwiesen, Sandheiden, Magerrasen, Klippen und Buchenwälder bilden den Lebensraum für rund 600 verschiedene Pflanzenarten und seltene Reptilien wie den Europäischen Laubfrosch oder die Schlingnatter.

Für Hobby-Vogelkundler bietet sich ein Ausflug ins 30 Kilometer landeinwärts gelegene Fyledalen an. Das rund 25 Kilometer lange Flusstal gehört zum Besitz des Grafen Karl Piper, Schwedens größtem Grundeigner. See-, Stein-, Schrei- und Steppenadler, Bussarde, Turmfalken und der Rotmilan lassen sich hier mit etwas Glück beobachten. Bei einer Rast können Besucher auch den Pirol singen hören sowie Wasseramseln und Gebirgsstelzen sehen.

Von Eva-Maria Mester, gms