Südschweden Wallanders Welt
Ystad - Von neun Wallander-Romanen wurden bereits drei verfilmt. Die Bücher wurden in 29 Sprachen übersetzt und über zehn Millionen Mal verkauft. Weil der Kommissar eine riesige Fangemeinde hat, zieht es immer mehr Schonen-Touristen an die Schauplätze der gruseligen Verbrechen.
Der populäre Polizist ist alles andere als ein Held. Er fühlt sich im Job überfordert, kann an keiner Konditorei vorbeigehen und hat den dauerhaften Vorsatz, morgen sein Leben zu ändern. Aber er hat Moral und will seine kleine Welt ein wenig gegen das Böse der großen Welt schützen.
In Birkenwäldchen und feinsandigen Stränden läuft die Hügellandschaft im glitzernden Meer aus. Zwischen Wiesen und Rapsfeldern liegen pastellfarbene Holzhäuser, weiße Kirchen und Küstenstädtchen mit schmalen Gassen.
Fast alle Orte, die in den Büchern vorkommen, gibt es wirklich - so lässt sich anhand der Romane tatsächlich eine Sightseeing-Tour planen. Ausgangspunkt ist natürlich Ystad, die Heimat von Kurt Wallander und seinem Autor Hennig Mankell - ein beschauliches Städtchen mit 16.000 Einwohnern, Fachwerkhäusern und einem weitläufigen Sandstrand.
Im Touristenbüro gibt es Wallander-Karten, auf denen die wichtigen Handlungsorte der Krimis verzeichnet sind. Die Freiwillige Feuerwehr bietet in den Sommermonaten dienstags und donnerstags mehrere Wallander-Touren an, auch auf Englisch und Deutsch. Reservieren ist sinnvoll, denn die Führungen sind immer gut besucht. "Über 600 Teilnehmer hatten wir im vergangenen Jahr", sagt Knut Jönsson, der so etwas wie ein lokaler Wallander-Spezialist ist.
Die bekannteste Adresse der Stadt ist mittlerweile die Mariagatan, wo Wallander im Roman seine Wohnung hat. "Aber seine Straße ist so unscheinbar, dass man bei der Verfilmung in die malerische Västra Vallgatan ausgewichen ist", weiß Jönsson. "Echt" sind dagegen Wallanders Lieblinglokal "Foffos Pizzeria", "Fridolfs Konditori" mit ihren Zimtschnecken, das Wohnhaus des Täters aus "Die fünfte Frau" und den Geldautomaten, vor dem in der "Brandmauer" jemand ermordet wurde.
Die Tour führt auch zum 1829 erbauten "Hotel Continental". Es ist auch der Ort, an dem Wallander während des Maskenballs in "Mittsommermord" eine Fahndung leitete und mit seiner Tochter Linda Essen geht.
Hört man Jonsson zu, hat man den Eindruck, als sei er mit Wallander tatsächlich befreundet. Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen oft in Ystad. Auch auf dem Polizei-Revier ist manches wie in den Büchern. "Wir arbeiten zwar ganz anders", sagt Lasse Lauritzen, Polizeiinspektor im Bereich Ystad. "Doch wie bei Wallander wird auch unser Revier von einer Frau geleitet, viel Kaffee getrunken, über zu viel Bürokratie und Arbeit gestöhnt."
Jährlich geschieht im Schnitt ein Mord. "Vor einem Jahr haben wir im Kamin eines Ferienhauses Knochen gefunden - da hat jemand einen Menschen zerhackt und verbrannt. Der Fall wurde bisher nicht aufgeklärt." Und wenn Touristen nach Kommissar Kurt Wallander fragen, landen sie gelegentlich bei Inspektor Kurt Wald. Den amüsiert die Namensähnlichkeit: "Meine Kollegen sagen ohnehin, wenn hier einer Wallander ist, dann sei ich das."