Tannheimer Tal in Tirol: Schneetour zu Einstein - DER SPIEGEL
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Tannheimer Tal: Winterurlaub für die ganze Famile

Foto: TMN/ TVB Tannheimer Tal

Tannheimer Tal in Tirol Schneetour zu Einstein

Den Duft der Natur einatmen, Aussichten auf markante Gipfel genießen: Auf einer geführten Gratistour im Tiroler Tannheimer Tal können Winterurlauber ihre ersten unsicheren Schritte auf Schneeschuhen wagen - und sind schon bald reif für ihr erstes Wettrennen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tannheim - Endlich geht es hinauf. Wenigstens ein paar Schritte. Gästeführer Elmar Rief hat die Schneeschuhe untergeschnallt und macht vor, wie man damit eine zwei Meter hohe Schneewehe hinaufstapft und dann im Tiefschnee weiter vorankommt. "Den Schuh ganz anheben, vorwärts bewegen und nicht abrollen."

Sieht einfach aus, aber so mancher Einsteiger verheddert sich beim Einsatz der Teleskopstöcke und tellerförmigen Untersätze. Die große Plastikfläche sorgt dafür, dass niemand im Tiefschnee versinkt - und genau das ist ungewohnt. "Nicht so viel nachdenken, lieber genau hinschauen und Natur einatmen", sagt Elmar.

Natur können Besucher reichlich einatmen auf Wanderwegen rund um Tannheim und das Naturschutzgebiet Vilsalpsee: Dorthin bringt sie der "Alpenexpress". Die Bimmelbahn ist neben Pferdekutsche und Langlaufskiern eines der wenigen zugelassenen Transportmittel in das 16 Quadratkilometer große Natur- und Vogelschutzgebiet.

Ein Rundweg soll Wanderer in 90 Minuten um den See führen, doch schon nach zehn Minuten ist Schluss. Der Weg ist gesperrt, "Lawinengefahr", warnt ein schwarz-gelbes Schild. Die Vilser Alpen sind ganz offensichtlich eher ein Sommerwandergebiet.

Fest in deutscher Hand

Der bayerische Schriftsteller Ludwig Steub nannte das Tannheimer Tal mal das "schönste Hochtal Europas". Das Zitat aus dem 19. Jahrhundert prangt nun auf allen Prospekten und Karten des Tourismusverbands, abgemildert durch den Zusatz "wohl".

Eingerahmt von markanten Berggipfeln, ist das jetzt weiße Tal, die aber längst nicht so schroff wie in anderen Alpenregionen wirken. Die Wandergruppe befindet sich auf bereits 1100 Meter Höhe. Da scheinen die Gipfel der Zweitausender im Osten oder der isolierte Aussichtsgipfel im Norden Tannheims, der Einstein auf 1866 Meter Höhe, gar nicht so weit entfernt.

"Wir sind die ersten Alpen", sagt Michael Keller, Geschäftsführer des Tourismusverbands, über das Stück Tirol im Allgäu. Den Zusatz "für Gäste aus dem Norden" lässt er weg. Das Tal ist sowieso das ganze Jahr über fest in deutscher Hand. Die Übernachtungszahlen der sechs Gemeinden im Tourismusverband sind im Sommer wie im Winter fast gleich hoch, nur kommen im Winter noch viele Tagesskifahrer aus Ulm oder Augsburg dazu. Für sie ist die Anreise viel einfacher als für Besucher aus der Landeshauptstadt Innsbruck.

Jungholz, die westlichste Gemeinde im Verbund, kann sogar nur über deutsches Gebiet angefahren werden. "Wir galten früher als deutsches Wirtschaftsgebiet mit österreichischem Hoheitsgebiet. Davon sind noch die beiden Postleitzahlen, eine österreichische und eine deutsche, übrig geblieben", erklärt Hans Hatt. Und eine stattliche Zahl von Banken.

Aber die sind nicht Hatts Thema, er ist Geschäftsführer der Bergbahnen Jungholz und Erfinder des "Kinderlands": So heißt das 20.000 Quadratmeter große, eingezäunte Gebiet mit Indianerdorf, fußbodenbeheizten Iglus und Schnee-Karussell: "Wir wollen die Kinder spielerisch und ganz langsam an das Skifahren gewöhnen", sagt der Geschäftsführer.

Zielgruppe: Familien mit Kindern

Das Jungholzer Skigebiet ist so klein wie das 300-Seelen-Dorf selbst: Es hat zehn Kilometer Skipiste, davon sind 70 Prozent blau - und damit kinderleicht. Weil das für Jugendliche, Snowboarder oder geübte Fahrer langweilig ist, setzte Hatt vor zehn Jahren auf die Kinder und gewann damit die Familien: "Weil wir auch an das Budget denken", sagt er und verweist auf die Selbstversorger-Brotzeitstuben, wo man mitgebrachte Speisen und Getränke verzehren darf. Außer den Skipisten gibt es hier Rodelbahnen, einen Eiskletterturm und ein Ballonfestival.

Zwei Stunden pro Tag steht der 64-Jährige noch selbst auf den Ski, schaut nach dem Rechten und ist damit keinesfalls der Älteste: "Sie glauben gar nicht, wie viele Best Ager bei uns wieder zum Abfahrtslauf finden." Das mag an den Lifttarifen liegen, die ab 60 Jahren ermäßigt sind - ab dem 80. Geburtstag fahren Besucher sogar gratis.

Bei den Schneeschuhtouren, die der Tourismusverband dreimal wöchentlich kostenfrei anbietet, sind allerdings keine 80-Jährigen zu sehen. Der jüngste Teilnehmer ist zehn Jahre alt, der älteste über 60 - und alle japsen und stöhnen, als der Gästeführer die Teilnehmer am Ende der Tour noch auf einen Wettlauf schickt: auf den Tellern über ein unberührtes Schneefeld, um ein Loipenschild herum und wieder zurück.

Spätestens jetzt wollen die Kinder nur noch eins: endlich rauf auf den Berg und ab auf die Piste!

Deike Uhtenwoldt, dpa