Vulkan Ätna Die Krone Siziliens
Die Mafia hat es nicht auf Urlauber abgesehen - schließlich verdient sie am Tourismus kräftig mit. In den Souvenirläden lauert die organisierte Kriminalität durchaus, und zwar offen sichtbar in den Regalen - in Form von Gipsfiguren, auf deren Bäuchen "Mafiosi" geschrieben steht. Derlei Kitsch prägt aber keineswegs das Bild der größten Mittelmeer-Insel. Vielmehr haben sich hier mediterranes Lebensgefühl und eine reiche Kultur wunderbar miteinander vermählt. Von der schönsten Seite zeigt sich das im Norden Siziliens.
Die Krone Siziliens, der Ätna, rumorte zuletzt im Juli 2001, schleuderte Asche, Rauch und Lava aus seinem Schlund. Inzwischen ruht er wieder und widmet sich seiner Hauptaufgabe - als Fotomotiv und Touristenattraktion. Heerscharen von Besuchern nehmen Tag für Tag die etwas mühevolle Fahrt auf rund 2500 Meter auf sich, um die Spuren des vergangenen Ausbruchs in Augenschein zu nehmen.
Unterdessen schickt der Ätna weiter oben, an seiner 3350 Meter hohen Spitze, immer mal wieder ein Rauchwölkchen in den Himmel. Wie Ameisen klettern die Reisenden über das rabenschwarze, scharfkantige Lava-Geröll, das sich an einigen Stellen meterhoch aufgetürmt hat.
Weingenuss: Rosso di Etna
Eine genussvollere Annäherung an den Ätna bietet die Weinstraße entlang des Nordhangs des Vulkans. Hier wird der Rosso di Etna angebaut, ein kräftiger Rotwein mit bis zu 15 Prozent Alkohol. Verschiedene Weingüter laden zur Besichtigung und zum Probieren ein.
Nicht weit entfernt vom Ätna liegt mit Taormina eine der schönsten Städte Siziliens. "Falls jemand nur einen Tag in Sizilien verweilen könnte und mich fragen würde: 'Was muss ich gesehen haben?', würde ich, ohne zu zögern, antworten: 'Taormina'", schrieb einst der französische Schriftsteller Guy de Maupassant, und dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.
Nicht versäumt werden sollten das Amphitheater mit Panoramablick auf Meer und Ätna, ein Spaziergang auf dem Corso Umberto und die legendäre "Wunderbar", die zwar nicht gerade billig, aber von der Lage her unschlagbar ist. Leider hat sich der Reiz von Taormina herumgesprochen. Und so verliert der Ort, der sich malerisch auf dem Monte Tauro über dem Meer erhebt, zumindest tagsüber etwas von seinem Zauber, wenn sich Touristen durch die romantisch-engen Gassen schieben. Da empfiehlt es sich, direkt in Taormina zu übernachten, dann hat man die Stadt wenigstens am Morgen und am Abend für sich.
Blaues Meer und feiner weißer Strand
Ein weiterer Höhepunkt im Inselnorden ist Cefalù. Auf der einen Seite des rund 3000 Jahre alten Städtchens leuchtet das blaue Meer mit dem feinen weißen Strand um die Wette, während sich hinter dem Ort steile Felswände erheben. Dazwischen befinden sich jede Menge mittelalterlicher Gassen und einige Gebäude, die noch wesentlich älter sind und aus arabischer Zeit stammen: Am schönsten erhalten ist das Lavatoio Arabo, ein von einer Quelle gespeistes Waschhaus in der Via Vittorio Emanuele. Nicht minder sehenswert ist der Dom von 1131 - einer der bedeutendsten normannischen Kirchenbauten Siziliens mit einer dreischiffigen Basilika und phänomenalen Mosaikarbeiten in der Apsis, der Altarnische.
Das arabische Erbe ist nicht nur im Stadtbild präsent, auch in Siziliens Kochtöpfen. Zu den populäre Gerichten, die nirgendwo sonst in Italien zu bekommen sind, zählen beispielsweise Sarde a beccafico - mit Pinienkernen und Rosinen gefüllte Sardinen - oder Couscous mit Schwertfisch. Die meisten Restaurants auf Sizilien, die diese traditionelle Küche auftischen, finden sich in Palermo.
Die Inselhauptstadt liegt ungefähr in der Mitte der Nordküste. Sie hat kräftig aufgeholt in den vergangenen Jahren. Aus dem einstigen verrufenen Aschenputtel wurde ein Aushängeschild mediterraner Lebenslust. Der verwinkelte Straßenverlauf erinnert an einen Basar und belegt die arabischen Wurzeln der Stadt, die auf Arabisch Balarmuhs heißt. Hinzu kommen byzantinische, jüdische und normannische Einflüsse, die das Stadtbild bis heute prägen.
228 unterschiedlich gestaltete Kapitelle
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Wer all die Kirchen und Katakomben, den Normannenpalast und die Kathedrale besichtigen will, kann bestimmt eine Woche in Palermo verbringen, ohne sich zu langweilen. Spannend ist auch das Labyrinth des Straßenmarkts Vucciria, einer der schönsten und bestsortierten Märkte des Mittelmeer-Raumes. Von fangfrischen Fischen über Gewürzkräuter bis zu Zitrusfrüchten, die in Deutschland völlig unbekannt sind, ist hier alles zu haben.
Ungefähr zehn Kilometer von Palermo entfernt lohnt das Örtchen Monreale unbedingt einen Abstecher. Der pompöse Dom, 1174 von Normannenkönig Wilhelm II. im Streit mit dem Papst in Auftrag gegeben, ist atemberaubend aufwendig gestaltet, ebenso wie der Kreuzgang im angrenzenden Benediktinerkloster mit seinen 228 unterschiedlich gestalteten Kapitellen.
Eine Reise durch den Norden Siziliens wäre nicht komplett ohne Station in Erice. Die Stadt thront strategisch günstig auf einem 751 Meter hohen Berg, der einsam und allein mitten im flachen Land steht. Die Straßen sind kunstvoll gepflastert, die Häuser kauern sich malerisch an die Stadtmauer aus karthagischer Zeit, die Innenhöfe sind malerisch bepflanzt. Vom höchsten Platz, wo in der Antike ein Heiligtum für die Liebesgöttin Venus stand, bietet sich ein wunderbarer Fernblick auf die Ägadischen Inseln. Goethe wäre sicherlich begeistert gewesen.
Gregor Garbassen, gms