Weinlese Federweißer zum Wochenende
"Probieren sie mal", sagt Winzer Josef Blöser kauend. Der Sommer hat gute Voraussetzungen geschaffen. Jetzt hofft die Zunft auf den richtigen Säuregehalt. Bleibt es in den nächsten Tagen trocken, bleiben die Trauben noch etwas hängen. Nur die Ernte des ersten Tages wird schnell zu Federweißem verarbeitet. "Da sind die Leute hier im Ort ganz wild drauf."
Etwa drei bis vier Wochen werden die Helfer auf dem Weingut Blöser beschäftigt sein, um die mehr als sieben Hektar Fläche abzuernten. Bis zu 7000 Liter Wein werden daraus in der hauseigenen Kelterei gewonnen. Den Rebensaft verkauft die Familie fast ausschließlich im eigenen Laden.
Eine Hand voll Helfer kommen seit Jahren zur Lese aus Polen angereist. "Die haben irgendwann mal gefragt, ob sie hier helfen können, seitdem sind sie gern gesehen", sagt Blöser. Die meisten Helfer allerdings sind aus dem Dorf. Schon 20 Jahre sei sie jetzt dabei, sagt eine 60-jährige Frau. Die Lese mache Spaß, man könne sich unterhalten, zwischendurch ein paar Trauben essen, und nebenbei auch noch Geld verdienen.
Das Weingut ist ein altes Familienunternehmen. Während Laurenz Blöser im Laden die Stellung hält, überwacht sein Bruder Josef ein paar Meter weiter im Weinberg die Ernte. Sein Sohn Bernd sammelt mit dem Traktor die Trauben ein und kippt sie in große Kübel.
Der Weinbau hat Tradition im Siebengebirge, obwohl hier außer den Blösers nur noch zwei andere Winzer anbauen. "Nach dem Krieg waren es noch 42", erzählt Laurenz Blöser. Einer nach dem anderen habe dann aufgehört, "weil die jungen Leute nicht mehr in den Weinberg wollten". Schon die alten Römer hatten die ersten Reben ins kühle Germania mitgebracht. Der Boden und die nach Süden und Westen liegenden Hänge bieten dafür um Königswinter gute Voraussetzungen.
Auf den Hängen der Blösers gedeihen neun Traubensorten, darunter Riesling, Müller-Thurgau und Kerner. Das Angebot besteht zu 85 Prozent aus Weißwein, eine kleine Auswahl Roter ist dabei. Über die Region hinaus sind die Weine aus dem Siebengebirge kaum bekannt: "Die finden sie in keinem Supermarkt", sagt Laurenz Blöser. Das meiste geht über die eigene Ladentheke, einen Teil nimmt die örtliche Gastronomie ab. Die kleinen Mengen erlauben keine flächendeckende Belieferung. "Wir bieten eine regionale Spezialität", sagt Blöser.